Samstag, 15. April 2017

Westfalen News #44

Von Ralf Keuper

Nachfolgend eine Aufstellung einiger Beiträge aus und über Westfalen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind:

Donnerstag, 13. April 2017

Helmut Claas mit dem Erfinder-Oscar ausgezeichnet

Von Ralf Keuper

Wie u.a. die Tageszeitung Die Glocke berichtet, erhielt Helmut Claas bei einem Festakt in München für sein Lebenswerk und seine Erfindungen die Dieselmedaille, die auch als "Erfinder-Oscar" bezeichnet wird. 
Die Liste der Erfindungen, oder wie man heute häufig stattdessen sagt: Innovationen von Helmut Claas ist ebenso lang wie beeindruckend. Die Glocke schreibt: 
Eine ganze Reihe von Innovationen sind von Helmut Claas initiiert oder mitgestaltet worden. So wurde Anfang der 70er-Jahre die Dominator-Baureihe entwickelt, deren Grundidee die Modulbauweise beziehungsweise der Plattformbau waren. Der Dominator wurde zu einem der erfolgreichsten Mähdreschermodelle weltweit, heißt es in einer Mitteilung aus dem Hause Claas. In seine Ära fiel später auch die Entwicklung des Nachfolgemodells Lexion. Dieser gelte bis heute als modernster und leistungsfähigster Mähdrescher weltweit. Zu einer Erfolgsstory sei auch die Entwicklung des Selbstfahrenden Feldhäckslers, dem Jaguar, mit dem Claas die Weltmarktführerschaft erreichte, gewesen.
Im Jahr 2013 wurde Helmut Claas von dem amerikanischen Maschinenbauerverband in die "Hall of Fame" aufgenommen. Damit reiht Helmut Claas sich, wie das Wochenblatt schrieb, ein "in viele bekannte Namen wie den Caterpillar-Gründer Benjamin Holt, den Gründer des britischen Bau- und Landmaschinenkonzerns JCB, Joseph Cyril Bamford, oder Jerome Increase Case, Gründer von J. I. Case Threshing Machine Company". 


Samstag, 8. April 2017

Alt Iserlohn (Film)

FactoryHack 2017 in Lemgo (Film)

Von Ralf Keuper

In Ostwestfalen wird an mehreren Orten eifrig am Industriellen Internet gearbeitet und geforscht - wie in der Smart Factory in Lemgo. Es war daher nur eine Frage der Zeit, wann der erste Factory Hack stattfinden würde. Vor wenigen Tagen war es so weit. 

Neue Bücher über Franz von Papen und Franz Pfeffer von Salomon

Von Ralf Keuper

In der FAZ vom 4.04.17 werden zwei Bücher besprochen, die von zwei Persönlichkeiten handeln, die aus Westfalen stammten und zu zweifelhaftem Ruhm gelangten. Dabei geht es um Franz von Papen und Franz Pfeffer von Salomon. Franz von Papen dürfte vielen ein Begriff sein, bei Franz Pfeffer von Salomon gilt das wohl weniger. Mir selbst war er bisher nicht bekannt.

Franz von Papen war nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten für einige Zeit der offizielle Stellvertreter des Reichskanzlers Adolf Hitler.  Von Papens Rolle ist, gelinde gesagt, tragisch. Joachim Petzold hat das Wirken von Papens in seinem Buch Franz von Papen. Ein deutsches Verhängnis beschrieben. 
Ein neues Buch mit dem Titel "Der Amtssitz der Opposition"?. Politik und Staatsumbaupläne im Büro des Stellvertreters des Reichskanzlers in den Jahren 1933-1934 beleuchtet eine weitere, bislang wenig beachtete Facette von Papens. Um von Papen versammelte sich in den Jahren 1933 und 1934 eine Gruppe von Männern, deren Ziel der Sturz des Hitlerregimes war. Möglich wurde das durch den Umstand, dass von Papen zunächst über ein eigenes Ressort mit rund 50 Mitarbeitern frei verfügen konnte. In seiner Rezension Vizekanzlei-Gruppe gegen Hitler schreibt Daniel Körfer:
Seine Mitarbeiter, fünf von Adel, vier großbürgerlich, waren wie ihre nationalsozialistischen Gegenspieler von SD und SS jung - um die dreißig. Die wichtigsten waren Hermann von Bose, der Ghostwriter Edgar Jung, Wilhelm von Ketteler und der persönliche Adjutant Fritz Günther von Tschirsky, die meisten nach der Weltkriegsniederlage früh antirepublikanisch aufgeladen mit Erfahrung in Freikorps und Nachrichtendiensten.  ... 
Die Gruppe machte die Vizekanzlei zur "Klagemauer des Dritten Reiches", half diskret Bedrängten und Verfolgten mit Hinweisen, Pässen, Geld, rettete zwischen 900 und 1600 Menschen aus Gestapo-Kellern und KZ. Hinter dem Tarnmantel der Vizekanzlei begannen sie ein weitverzweigtes oppositionelles Netzwerk zu knüpfen, um potentielle Mitstreiter gegen Hitler zu gewinnen, das am Ende über 60 Personen in Militär, Verwaltung, Wirtschaft umfasste. 
Im Zuge der Niederschlagung des vermeintlichen "Röhm-Putsches" wurde der Kreis der Mitarbeiter von Papens zerschlagen. Einige Mitarbeiter wurden dabei erschossen. Auch den Überlebenden erging es nicht viel besser. Nur einer von ihnen - Fritz Günther von Tschirsky - überlebte. Die Vizekanzlei würde umgehend aufgelöst. Von Papen jedoch überstand die Krise weitestgehend unbeschadet. Er war zuletzt Botschafter in der Türkei. Von Papen ließ seine Mitarbeiter gewähren - nicht mehr und nicht weniger.

Im Vergleich zu von Papen ist über die Rolle und Person von Franz Pfeffer von Salomon vor und während des Dritten Reiches kaum etwas bekannt. Dem verschafft Mark A. Fraschka mit Franz Pfeffer von Salomon. Hitlers vergessener Helfer Abhilfe. 
Nicht Röhm, sondern von Salomon war derjenige, der die SA zu einer im wahrsten Sinne des Wortes schlagfertigen Organisation formte. Dabei kam ihm seine Erfahrung als Stabsoffizier während des 1. Weltkrieges zu gute. In seiner Rezension Begabt zu sein macht's nicht allein schreibt Wolfram Pyta:
Hier zeigte sich die Handschrift des Generalstäblers Pfeffer, der durch ein System verbindlicher schriftlicher Anweisungen nicht nur eine schließlich 80.000 Mann zählende "Sturmabteilung" aufbaute, sondern sich mit demselben Stil von 1924 bis 1926 als einer der frühen Gauleiter der NSDAP und ihrer Vorläuferorganisationen in Westfalen profilierte. 
Später war von Salomon vor allem kirchenpolitischer Mission für den NS-Staat unterwegs. Danach war er noch als Sonderbeauftragter, als eine Art "Allzweckwaffe" Hitlers aktiv. Es sei daher eine verkürzte Sich, von Salomon fast ausschließlich auf seine Rolle beim Aufbau der SA zu reduzieren, wie Pyta moniert:
Man wird also konstatieren können, dass Franz Pfeffer von Salomon weit mehr war als ein typischer SA-Führer und dass eine systematischere Ausleuchtung seines politischen Lebenswegs, als sie in dem gedanklich zu engen Buch Fraschkas vorgenommen wird, tiefe Einblicke in die Herrschaftstechnik Hitlers generiert. 

Sonntag, 2. April 2017

Westfälische Bankiers und Banker

Von Ralf Keuper

Westfalen ist bis heute als Bankplatz kaum in Erscheinung getreten, was aber nicht unbedingt von Nachteil sein muss, wenn man die aktuellen Umwälzungen der Branche, genannt seien die Schlagworte Fintech und Blockhain, berücksichtigt. Die großen Finanzzentren Deutschlands waren dort, wo auch die Handelsströme zusammenliefen und eine vergleichsweise hohe Bevölkerungsdichte gegeben war, wie im Rheinland, Berlin und Frankfurt. Heute streiten sich Berlin und Frankfurt darum, wer die neue "Fintech-Hauptstadt" Deutschlands ist. 

Trotz der genannten wirtschaftsgeographischen und demografischen Nachteile sind einige namhafte Bankiers und Finanzinstitutionen aus Westfalen hervorgegangen. Die bekanntesten Bankiers mit westfälischen Wurzeln sind zweifelsohne die Warburgs, die noch heute in Hamburg die Privatbank M.M. Warburg & CO betreiben. Ihren Familiennamen verdanken sie der Stadt Warburg im heutigen Kreis Höxter. Inzwischen sind die Familie Warburg und die Stadt Warburg dabei, ihre Beziehungen zu vertiefen bzw. wieder aufzunehmen, wie es in Warburgs besuchen Warburg heisst. 

Ein weiterer wichtiger Bankier war Hermann Paderstein, der in Paderborn die Firma Paderstein & Söhne gründete. Als sich abzeichnete, dass der Aufschwung der Industrie im benachbarten Bielefeld einen entsprechenden Kapitalbedarf bei den Unternehmen hervorrufen würde, gründete Paderstein das Bankhaus Paderstein, das, wie Hartmut Wixforth in Aufstieg und Niedergang des Bankhauses Paderstein in Ostwestfalen darlegt, für lange Zeit die erste Bank am Platze bleiben sollte.
In Paderborner Geldinstitute vom 18. Jahrhundert bis 1945 erwähnt Gerhard Hohmann neben Paderstein noch weitere Händler und Geldwechsler, die später zu Bankiers wurden. Hohmann nennt u.a. Bartholomäus Craß: 
Ein bedeutender Paderborner Bankier des 18. Jahrhunderts war Bartholomäus Craß, 1676 geboren als Sohn des Johann Craß aus Wiedenbrück und der Anna Maria Gleseker aus Paderborn. Er heiratete 1709 Anna Maria Wilkotte aus Paderborn. Craß handelte mit Waren verschiedenster Art, in der Hauptsache mit Wolle, und beschickte jährlich die großen Messen in Frankfurt am Main und Leipzig. Mit seinem eigenen Vermögen von 6000 Reichstalern und dem ebenso großen seiner Frau errichtete er 1716 nahe dem Paderborner Rathaus das Haus Schildern Nr. 5, das heute der Sparkasse dient. ... Craß hatte 54 446 Reichstaler ausgeliehen, vor allem an den Adel des Landes, aber auch an das Hochstift 9346 Reichstaler, an die Stadt Paderborn 1550, an Offiziere und Beamte, Domherren, Weltgeistliche, Bürger, Handwerker und Bauern aus Paderborn und seiner Umgebung.
Aus Minden stammt ein weiteres bedeutendes Bankhaus, das seinen Sitz später nach Bielefeld verlegte und zu den größten Privatbanken Deutschlands zählt: Das Bankhaus Lampe, das sich heute im Besitz der Familie Oetker befindet. Auf Wikipedia erfahren wir über die Gründung:
Am 1. Oktober 1852 gründete der 24-jährige Hermann Lampe das Unternehmen als Bank- und Speditionsgeschäft in Minden. Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Gründungen von Aktiengesellschaften begleitet, Obligationen platziert und erste Kontakte ins Ausland geknüpft. Lampe verunglückte 1877 tödlich. Das Bankhaus wird daraufhin von seinem angestellten Mitarbeiter Carl Siebe und dessen Vetter Wilhelm Wegener übernommen. Deren Söhne Wilhelm Siebe und Karl Wegener übernahmen die Firma im Jahr 1917.
Keine Bankiers im eigentlichen Sinne, gleichwohl im Geldgeschäft tätig, waren die Kaufleute der Hanse, wie Tidemann Lemberg aus Dortmund: 
Er vergab Kredite an den Papst in Avignon, er belieferte die englische Festung Bordeaux mit Lebensmitteln. Lemberg galt einerseits als skrupellos und gewinnsüchtig, machte aber andererseits, so wie die Kölner Patrizierfamilien Scherffgin, Lyskirchen und Overstolz, den Kartäusern große Schenkungen. Deren Kirche in Köln war der heiligen St.Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, geweiht (Quelle: Wikipedia)
Ein bedeutender Bankier war Johann Heinrich von Olfers, der u.a. Oberbürgermeister von Münster war.  Er führte am Prinzipalmarkt das Bankhaus Lindenkampff & Olfers. Weiterhin erfahren wir:
Er gehörte 1835 zu den maßgeblichen Gründern und zum Vorstand des Vereins der Kaufmannschaft von Münster. Der Verein trat auch kommunalpolitisch als Interessenvertretung der Kaufmannschaft auf. Darüber hinaus vertrat er gemäßigt bürgerliche Reformvorstellungen [Anm. 4]. Auch dem Civilclub, einer weiteren Schnittstelle der Kommunalpolitik, gehörte Olfers an [Anm. 5]. Er war über die Stadt hinaus einer der einflussreichsten Politiker Westfalens in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Er war Mitglied des Westfälischen Provinziallandtags. Als solcher gehörte er 1847 und 1848 dem Vereinigten Landtag an.
In Die Famillien Olfers und Lindenkampf schreibt Wilfried Reininghaus:
Das Bankhaus wurde vom Juristen Franz Hermann Lindenkampf um 1780 unter der Firma F. H. Lindenkampf & Co. gegründet. Sein Hauptzweck war zunächst der Handel mit Wechseln im Hinterland von Amsterdam und Nordsee. Stiller Teilhaber und Kompagnon war der spätere Bankier Niedick. 1798 trat Lindenkampfs Schwager Franz Theodor Olfers gleichberechtigt in das Bankhaus ein .. Das Bankhaus F. H. Lindenkampf & Co. bzw. Lindenkampf & Olfers hatte seine größte überregionale Bedeutung in den letzten Jahren des Ancien Regime. Insbesondere Fürstbischof Max Franz bediente sich der Fähigkeiten der Inhaber Lindenkampf bzw. Olfers, Kapitalien zu sammeln, um seinen enormen Kreditbedarf zu decken.
Im 20. Jahrhundert wurden die Privatbanken zunehmend von Aktienbanken und Universalbanken an den Rand gedrängt, wie von der Disconto Bank und der Deutschen Bank. Der Gründer der Disconto Bank, David Hansemann, verbrachte seine Lehrzeit im Handelsgeschäft von Ferdinand und Johann Daniel Schwenger in Rheda. Ein Lehrling des erwähnten Bankhauses Paderstein in Bielefeld, sollte später Direktor und Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank werden: Max Steinthal. Der Deutschen Bank zeitlebens auf engste verbunden und mit dem Titel "Mister Deutsche Bank" ausgezeichnet, war F. Wilhelm Christians aus Paderborn. Christians war zunächst zusammen mit Wilfried Guth und später dann mit Alfred Herrhausen Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Danach übte er noch mehrere Jahre das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank aus. Bis vor einiger Zeit im Vorstand der Deutschen Bank war Rainer Neske aus Münster, der heute Vorstandsvorsitzender der Landesbank Baden-Württemberg ist. Ellen-Ruth Schneider-Lenné, die erste Frau im Vorstand der Deutschen Bank, machte einen wichtigen Karriereschritt während ihrer Zeit in der Filiale Hamm. In Münster wohnte bis zu seinem Lebensende Ludwig Poullain, der langjährige Vorstandschef der WestLB. Für Aufsehen sorgte Poullain mit seiner noch immer lesenswerten Ungehaltenen Rede. Alfred Herrhausen, der legendäre Vorstandssprecher der Deutschen Bank, der wie keiner vor und nach ihm die gesellschaftspolitische Debatte in Deutschland beeinflusst hat, stammte aus Essen und war einige Jahre, während seiner Zeit als Vorstand der VEW, in Dortmund wohnhaft. 

Lange Zeit galt die Westfalenbank in Bochum als eine der ersten Adressen der deutschen Wirtschaft, bis sie in den 1970er Jahren aufgrund geschäftspolitischer Fehlentscheidungen an den Rand des Ruins geriet. 

Für eine der größten Bankenpleiten in Deutschland der letzten Jahrzehnte war Ferdinand-Josef Graf von Galen (mit-)verantwortlich. 

Höchst umstritten ist ein weiterer Banker aus Westfalen: Georg Funke, der letzte Chef der Hypo Real Estate Holding AG. 

Aus Iserlohn stammt der Chef der Postbank, Frank Strauß

Weitere Informationen:

Geschichte des Bankplatzes Bielefeld

Samstag, 25. März 2017

Rückkehr des Liesborner Evangeliars nach Westfalen

Von Ralf Keuper

Seit den 1980er Jahren gab es Überlegungen, das Liesborner Evangeliar zurück nach Westfalen zu holen. In der vergangenen Woche nun konnte der Landrat des Kreises Warendorf, Olaf Gericke, vermelden, dass nach zweijähriger Verhandlungsdauer der Kauf vereinbart werden konnte, wie in Nationaler Kulturschatz kehrt nach Liesborn zurück zu erfahren ist. Der Kaufpreis wird von Sponsoren übernommen. 
Bild des Liesborner Evangeliars. Quelle: WDR 
Auf Wikipedia steht: 
Das Liesborner Evangeliar ist ein Evangelienbuch aus ottonischer Zeit. Bis 1803, als es im Zuge der Säkularisation verkauft wurde, war es ein Ausstattungsstück der Abtei Liesborn. Die Handschrift kam mit anderen Beständen aus der reichhaltigen Bibliothek des Klosters[1] zunächst in die Universitätsbibliothek Münster, von 1830 bis 1872 war sie Teil der berühmten Sammlung von Sir Thomas Phillipps, danach im Besitz der Familie Fenwick in Cheltenham. In den USA ist der Codex seit den 1930er Jahren, zunächst in Philadelphia, dann in Camarillo, zuletzt in der Bibliothek des St. John's Seminary des Erzbistums Los Angeles. 1987 erfolgte dann die Versteigerung bei Christie's.[2] Im Jahr 2017 konnte ihn der Kreis Warendorf für einen Betrag von 3 Mio. Euro von einer amerikanischen Kunstsammlerin zurückerwerben. Das hervorragend erhaltene Evangeliar gilt als Kunstschatz von nationaler Bedeutung.
Damit kehrt ein Kunstwerk von hohem Rang nach Westfalen zurück.

Samstag, 18. März 2017

Kunst als Beute - Vortrag von Prof. Dr. Bénédicte Savoy

Von Ralf Keuper

Auf Einladung der Gesellschaft für Westfälische Wirtschaftsgeschichte hielt am vergangenen Donnerstag die Kunsthistorikerin Prof. Dr. Bénédicte Savoy im großen Saal der IHK Dortmund den diesjährigen Vortrag mit dem Titel "Kunst als Raub".
Bénédicte Savoy leitet an der TU Berlin das Fachgebiet Kunstgeschichte der Moderne. Im vergangenen Jahr erhielt sie den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft.


Der Kunstraub zieht nicht nur das Interesse der Forschung auf sich. Auch Hollywood hat das Thema entdeckt: Beispielhaft dafür sind Blockbuster wie CZ12, mit Jackie Chan in der Hauptrolle,  sowie Monuments Men unter der Regie von George Clooney. Zu den älteren Filmen zählen Fünf Tage - Fünf Nächte und Der Zug.
Für großes Medieninteresse sorgte vor einigen Jahren Der Fall Gurlitt. Der Kunstraub ist, ohne dass es häufig bewusst ist, ein Thema, das sich in der öffentlichen Diskussion durch die Jahrtausende bis zur Gegenwart zieht.

Ein Phänomen, das sich als so dauerhaft erwiesen hat, bedarf der historischen Betrachtung.
Das erste spektakuläre Gerichtsverfahren, in dem es um die Rückübertragung geraubter Kunst ging, ereignete sich im Jahr 70 vor Christus. Vertreter der Anklage war kein Geringerer als Marcus Tullius Cicero, dessen Reden als Reden gegen Verres in die  Literatur- und Kunstgeschichte eingingen. 

Einer der größten Kunsträuber der Geschichte war Napoleon. Auf seine Anordnung hin machte sich der Kunstexperte und Sammler Vivant Denon in die eroberten Ländern auf, um die schönsten und wertvollsten Kunstwerke in Besitz zu nehmen und nach Frankreich zu versenden. Als Legitimation diente der Hinweis, Kunst sei ein Produkt der Freiheit und gehöre infolgedessen in das Land der Freiheit - nach Frankreich. Das Leben von Vivant Denon beschreibt Reinhard Kaiser in Der glückliche Kunsträuber
In gewisser Hinsicht ist es eine Ironie der Geschichte, dass einige der Hauptvertreter der Romantik in Deutschland, wie Friedrich Schlegel und Wilhelm von Humboldt, erst in Paris die Bekanntschaft mit einigen der bedeutendsten Kunstwerke Deutschlands machten. Deshalb ist Paris nach Ansicht von Bénédicte Savoy der Geburtsort der deutschen Romantik. 

In den Versailler Verträgen nach dem 1. Weltkrieg wurde Deutschland u.a. die Auflage gemacht, Kunstwerke als Kriegsentschädigung an die Siegermächte abzugeben. Im zweiten Weltkrieg plünderten die Nazis private wie öffentliche Kunstsammlungen. Der größte Abnehmer der "Beutekunst" war, nach Adolf Hitler, Hermann Göring, der sich auf diese Weise eine eigene Kunstsammlung zulegte. Betroffen von der Sammlerwut des Reichsmarschalls waren vor allem die französischen Museen. Die Rote Armee wiederum nahm im Jahr 1945 in der Gemäldegalerie in Dresden wertvolle Kunstwerke in Besitz. 

Insofern haben sich, je nach Umstand bzw. "Zeitgeist", verschiedene Rechtfertigungsstrategien für den Kunstraub herausgebildet. In der Antike galt die Maxime "Kunst gehört dem Sieger", in der Zeit Napoleons und der französischen Revolution war das Motto " Kunst gehört der Öffentlichkeit", wohingegen in der Romantik und bei der Roten Armee der Spruch zu vernehmen war "Kunst gehört den Kennern und Liebhabern". Heute lautet die Maßgabe: "Kunst muss zirkulieren". Exemplarisch dafür ist der chinesische Konzeptkünstler Al Wei Wei

Die Vermutung liegt zunächst nahe, dass die Erinnerung am Kunstraub mit der Zeit vergeht. Das ist jedoch nicht der Fall. Prägnantes Beispiel ist die Rückkehr der Statue der babylonischen Fruchtbarkeits- und Siegesgöttin Nanaja, die erst 1635 Jahre nach ihrer Entwendung heimkehrte, was der Assyrerkönig Assurbanipal der Nachwelt überliefern ließ:
Nanaja, die 1635 Jahre gezürnt hatte, Nanaja, die fortgezogen war und sich in Elam, einer ihr unwürdigen Stätte, niedergelassen hatte, betraute mich mit ihrer Heimführung. (Quelle: „An Bildern schleppt ihr hin und her…“)
Auch nach 1635 Jahren war die Erinnerung an den Raub der Nanaja nicht vergangen. 

Wie verwickelt die juristische bzw. moralische Bewertung des Kunstraubs noch immer ist, zeigt das Buch Mona Lisa in Bangoulap. Die Fabel vom Weltmuseum.

Weitere Informationen:

Kunstgeschichte - Raubzüge sind eine Wissenschaft für sich

Samstag, 11. März 2017

Neues aus der westfälischen Startup-Szene #7

Von Ralf Keuper

Es hat sich in den letzten Wochen und Monaten wiederum einiges getan in der westfälischen Startup-Szene. 

In Münster wurde kürzlich der Digital Hub münsterLAND offiziell eröffnet. Aus diesem Anlass führten die Westfälischen Nachrichten ein Interview mit Prof. Dr. Tobias Kollmann, dem Beauftragten der NRW-Landesregierung für die digitale Wirtschaft.

Das Start-up-Innovationslabor Südwestfalen, das von der Universität Siegen und der Fachhochschule Südwestfalen getragen wird, ist Kandidat des Wettbewerbs zur Auswahl regionaler Innovationslabore in NRW. 

Der Initiativkreis Ruhr hat einen Gründerfonds Ruhr aufgelegt, der mindestens 30 Millionen Euro einsammeln soll. Das Geld wird Startups aus den Bereichen Handel, digitale Wirtschaft, Chemie, Energie, Life Sciences, Gesundheit und Logistik zur Verfügung gestellt. Die Koordination der Startups aus dem westfälischen Ruhrgebiet übernimmt die TU Dortmund

Der Dortmunder IT-Dienstleister adesso hat einen Inkubator für Startups mit dem Namen inQventures gegründet. 

Der Bielefelder Werkzeugmaschinenkonzern DMG Mori hat das Startup Istos gegründet. Ziel ist es , durch vollständig vernetzte Produktionsprozesse die Kunden bei der digitalen Transformation zu unterstützen. 

Beim Wettbewerb Startup-Hochschulausgründung wurden gleich drei Startups der Ruhr-Universität Bochum  prämiert. 

Der Gütersloher Haushaltsgerätehersteller Miele hat eine Tocherfirma gegründet, deren Aufgabe es ist, sich an vielversprechenden Startups zu beteiligen. 

In dem Beitrag Innovation in der Peripherie erläutert Sebastian Borek, Mitgründer und CEO der Founders Foundation in Bielefeld, warum innovative Startups aus den Bereichen IoT, Deep Tech und Industrie in Ostwestfalen so zahlreich sind. 

Freitag, 10. März 2017

Westfälische Adelsgeschichte in der französischen Zeit (Wolfgang Bockhorst)

Westfalen ist im Alten Reich mit seinen Fürstbistümern und Reichsstiften und relativ wenigen weltlichen Grafschaften überwiegend katholisch geprägt gewesen. In den geistlichen Wahlstaaten dominierte der alteingesessene Adel, der die Dom- und Stiftskapitel stellte und als Ritterschaft auf den Landtagen vertreten war. Die Säkularisation und der Einfluss Frankreichs zerstörten die Grundlagen, auf denen die Macht des stiftsfähigen Adels basierte. Der Adel musste sich neu orientieren. An verschiedenen Beispielen wird gezeigt, wie sich einzelne Adelige in dieser Umbruchzeit arrangierten. Die Palette reicht von Anbiederung über vorsichtige Annäherung und abwartender Haltung zu strikter Ablehnung. Allgemein war die Erkenntnis vorhanden, dass die alte Stellung unwiederbringlich verloren war. Dem widerspricht nicht, dass man sich nach 1815 nach Kräften bemühte, die Stellung als Leitstand wieder zu erwerben.

Der große Graben: Erste befestigte Flachlandsiedlung der Eisenzeit in Westfalen

Sonntag, 5. März 2017

Westfalen News #43

Von Ralf Keuper

Nachfolgend eine Aufstellung einiger Beiträge aus und über Westfalen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind:

Sonntag, 19. Februar 2017

Die Zerstörung der Möhnetalsperre ("The Dam Busters")

Von Ralf Keuper

Im Jahr 1943 griffen britische Bomber eines Kommandos mit dem Namen "Dambusters" die Talsperren des Sauerlandes an. Ziel war, durch die Zerstörung der Staudämme, vor allem des Möhnesees, die Wasserversorgung für das Ruhrgebiet zu unterbrechen. Obwohl es den Bombern gelang, die Möhnetalsperre mit einer neuartigen Bombenabwurftechnik zu zerstören, war der kriegsstrategische Erfolg minimal. In Rekordzeit wurde die Talsperre repariert. Für den Zeitraum der Instandsetzung übernahm die Sorpetalsperre die Wasserversorgung für das Ruhrgebiet. Den britischen Bombern gelang es nicht, die Sorpetalsperre zu zerstören. 
Die Zahl der Opfer der Möhneseekatastrophe, insbesondere unter der Zivilbevölkerung, war mit ca. 1.200 beträchtlich. Die Briten verloren 59 Piloten und in etwa die Hälfte der Flugzeuge. 

Momentan dreht die BBC einen Dokumentationsfilm über den letzten noch lebenden Dambuster, Johnny Johnson. 

Die Geschichte der Dambusters kam bereits im Jahr 1955 in dem Film The Dam Busters in die Kinos.  


Hier noch die sehenswerte Dokumentation "Die Zerstörung der Talsperren des Sauerlandes". 

Samstag, 4. Februar 2017

Münster im Dritten Reich (Filmbeitrag)

Westfalen News #42

Von Ralf Keuper

Nachfolgend eine Aufstellung einiger Beiträge aus und über Westfalen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind:

Samstag, 21. Januar 2017

Der gotische Klang - Dokumentation über die Orgel der St. Andreaskirche in Ostönnen

Von Ralf Keuper 

Ein Filmbeitrag über die älteste noch bespielbare Orgel der Welt in der St. Andreaskirche in Ostönnen (Kreis Soest). 


Nach Ostönnen gelangte die Orgel, die ursprünglich für die Kirche Alt St. Thomae in Soest erbaut wurde, durch Mitwirkung des berühmten westfälischen Orgelbauers Johann Patroclus Möller.

Neue Online-Plattform Zeit-Räume Ruhr

Von Ralf Keuper

Vor wenigen Tagen wurde die neue Online-Plattform "Zeit-Räume Ruhr" der Öffentlichkeit vorgestellt, worüber u.a. SAT1 in Erinnerungen ans Ruhrgebiet berichtete. 

Die FAZ schreibt zur Motivation in der Ausgabe vom 20.01.2017 in Die Zeche spricht:
Die Menschen der Region werden aufgerufen, ihr Erinnerungsorte zu beschreiben, sie um- und neu zu konstruieren und darüber in einen öffentlichen Dialog zu treten. Das Projekt begleitet den Wandel der einst größten Montanregion Europas, der mit dem Auslaufen der Kohleförderung Ende 2018 in eine neue Zukunft tritt. Das Vorhaben möchte die einzelnen Orte miteinander in Beziehung setzen und die Erinnerungen verschiedener Zeiten sichtbar machen. Die Suche soll verborgene Ankerpunkte kollektiver Erinnerung vor und nach der Industrialisierung ermitteln. Auch müssen diese nicht konkrete Öffentlichkeiten darstellen, sondern können sich auch an einer Persönlichkeit, einem Symbol, einem Ritual oder einem Begriff manifestieren: So wurden bereits die Zeche Zollverein XII und die Goldene Madonna in Essen ebenso eingestellt wie das Cover von Herbert Grönemeyers "4630 Bochum" oder der Arbeitskampf in Duisburg-Rheinhausen.
Das Projekt verfolgt nach meinem Eindruck eine ähnliche Zielsetzung wie Westfälische Erinnerungsorte

Samstag, 14. Januar 2017

Der Dom zu Minden (Film)

 (

Westfalen News #41

Von Ralf Keuper

Wiederum eine Aufstellung einiger Beiträge aus und über Westfalen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind: