Samstag, 31. Oktober 2015

Musikzentrum Bochum und Gekko: Zwei Projekte, die anders laufen als geplant

Von Ralf Keuper

Das Musikzentrum Bochum wird deutlich später fertig gestellt als geplant und ca. zwei Millionen Euro teurer als ursprünglich angenommen. 
Insofern keine wirklich spektakuläre Meldung, haben größere Bauvorhaben in Deutschland die Gemeinsamkeit, weit neben den Zielvorgaben zu landen, man denke nur an Stuttgart 21, den Berliner Flughafen (BER) oder die Elbphilharmonie in Hamburg. Im Vergleich zu letzterer hält sich die Überziehung in Bochum doch sehr in Grenzen. 

Ein Projekt, das in jeder Beziehung die Dimensionen sprengt, ist das Kohlekraftwerksprojekt Gekko in Hamm. Die Stadtwerke Bochum, in der Vergangenheit ohnehin nicht gerade als besonders sparsam aufgefallen, man denke an das üppige Vortragshonorar an Peer Steinbrück, glaubt den Verlust von 40 Millionen Euro durch Rücklagen und den Verzicht auf Gewinnrücklagen auffangen zu können. Wie das Kunststück gelingen soll, 27 Millionen Euro an Gewinnrücklagen einzusparen, ist nicht weiter zu erfahren, setzt dies doch voraus, dass ein Gewinn von mindestens 27 Millionen Euro erzielt wird. 


Was die anderen können, können wir schließlich auch ;-)

Freitag, 30. Oktober 2015

Warburg 1957 (Privatfilm)


„Knowledge“ ist der erste Duft der Ruhr-Universität Bochum

Von Ralf Keuper

Die Ruhr-Universität Bochum ist deutschlandweit führend in der Duftforschung, was vor allem auf Hanns Hatt zurück geht, der auf diesem Gebiet wegweisende Arbeiten veröffentlicht hat. Um das Thema Duftforschung einem breiten Publikum bekannt zu machen, entschloss sich Hatt zusammen mit dem Parfumeur Geza Schön, ein eigenes Parfum mit dem Namen "Knowledge" zu kreieren. 


Sonntag, 25. Oktober 2015

Die Soester Konferenzen 1864-66

Von Ralf Keuper

Die Soester Konferenzen, die zwischen 1864 und 1866 in Soest stattfanden, werden unter Historikern als wichtiger Schritt zur Gründung der Zentrumspartei in Deutschland bewertet.

Über die erste Soester Konferenz heisst es auf dem Internet-Portal "Westfälische Geschichte"
Auf Einladung von Wilderich Freiherr von Ketteler-Thüne und Kreisrichter Alfred Hüffer aus Paderborn treffen sich zwölf konservative Katholiken aus Westfalen im Gasthof Overweg in Soest, um auf der Grundlage der gemeinsamen religiösen Überzeugung aktuelle politische Fragen zu besprechen. Von den insgesamt neun so genannten "Soester Konferenzen", deren letzte am 22.05.1866 stattfindet, gehen entscheidende programmatische Impulse für die spätere Gründung des Zentrums aus. Am 28.10.1870 wird das "Soester Programm", das Wahlprogramm der Zentrumspartei "Für Wahrheit, Recht und Freiheit!", publiziert.
Gerhard Hohmann hat sich in seinem Beitrag Die Soester Konferenzen 1864-1866. Zur Vorgeschichte der Zentrumspartei in Westfalen intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. 

Weitere Informationen:

    Samstag, 24. Oktober 2015

    Paderborn: Ein IT-Standort am Scheideweg

    Von Ralf Keuper

    Wenn die letzte Woche eines gezeigt hat, dann, dass der IT-Standort Paderborn vor einem tiefgreifenden Wandel steht. In den letzten 25 Jahren hat der Standort, beginnend mit der Übernahme der Nixdorf Computer AG durch Siemens und der Gründung der Siemens Nixdorf AG, sowie danach mit dem Start von Wincor Nixdorf, dem Niedergang der teamwork information management AG, dem Personalabbau bei Fujitsu Siemens und jetzt Fujitsu, dem Niedergang von Orga Card, der Schließung von Morpho Cards, dem Verkauf von Flextronics, der Insolvenz von Orga Systems im Frühjahr diesen Jahres, der Übernahme von Wincor Nixdorf durch Diebold und jetzt der Schließung von Fujitsu ein Wechselbad der Gefühle erlebt und dabei viele Federn gelassen. 

    Hier ein kurze Chronologie der Ereignisse:
    Das sieht nicht wirklich nach einer Erfolgsgeschichte aus, wenngleich in dem genannten Zeitraum zahlreiche neue IT-Unternehmen entstanden sind, von denen einige außerordentlich erfolgreich sind, wie dSpace. Nicht vergessen werden sollte auch der Technologiepark Paderborn
    In der Vergangenheit hat man auch außerhalb von Paderborn nur allzu gerne geglaubt, die von Heinz Nixdorf initiierte Erfolgsgeschichte (aber bereits bei Nixdorf war am Ende die Luft raus) ließe sich linear fortschreiben. Beispielhaft dafür ist der Beitrag Erbengemeinschaft in brand eins aus dem Jahr 2008. 

    Der IT-Standort Paderborn ist durch eine Monostruktur (Hardware, Firmware, Smart Card) geprägt (wie gesagt, es gibt einige Ausnahmen). Bedenklich daran ist, dass Wachstumsfelder wie Big Data, Mobile Applikationen, Internet of Things, Fintech und E-Commerce (B2B) kaum vertreten sind. Es bleibt zu hoffen, dass it's OWL wie überhaupt Industrie 4.0 hier für neue Impulse sorgen kann. 

    Das sollte von den entsprechenden Stellen, d.h. der Stadt, den Parteien, der IHK, den Unternehmensverbänden, den Gewerkschaften und den Lokalen Medien diskutiert werden. Wenn nicht jetzt, wann dann? Wie wäre es mit einer Standortkonferenz?

    Weitere Informationen:


    St. Peter in Syburg - die älteste Kirche Westfalens

    Von Ralf Keuper

    Die Kirche St. Peter im Dortmunder Ortsteil Syburg  ist eine der ältesten, wenn nicht die älteste Kirche Westfalens. 

    Auf Wikipedia heisst es dazu: 
    Die Kirche ist der älteste Sakralbau auf Dortmunder Stadtgebiet. Ein Vorläuferbauwerk der heutigen Kirche wurde bereits 776 urkundlich erwähnt. Damals versuchten die Sachsen eine Rückeroberung der ein Jahr zuvor von Karl dem Großen eingenommenen Hohensyburg. Die Kirche wurde vermutlich im Jahre 799 von Papst Leo III. auf seinem Weg nach oder von Paderborn besucht.
    Die gebürtig aus Minden stammende Schriftstellerin Gertrud von Le Fort bezog aus St. Peter in Syburg die Inspiration für ihre Erzählung Spökenkiekern: 
    Gertrud von le Fort siedelte ihre Erzählung Spökenkieken in der Kirche Syburg und ihrer Umgebung an. Von le Fort hatte als junges Mädchen ihre Patentante auf Haus Villigst (Schwerte) besucht und von dort aus auch Ausflüge nach Syburg unternommen. Ein Grabstein in der Kirche St. Peter zu Syburg regte sie zu der Erzählung an, die erstmals 1907 in Westermanns Monatsheften erschien. Die Erzählung ist jetzt wieder greifbar .. .
    Weitere Informationen:


    Freitag, 23. Oktober 2015

    Westfalen heute, die Westfälischen Nachrichten und der Ranking-Stuss

    Von Ralf Keuper

    Nein, sie können und sie wollen es auch wohl nicht lassen - die Redakteure bzw. die Verantwortlichen von Westfalen heute. Wo immer eine Statistik oder ein Ranking mit Bezug zu Westfalen aufgegriffen und unkritisch weiter verbreitet werden kann, da ist Westfalen heute scheinbar gerne zur Stelle. 

    So auch aktuell beim Ranking des Weltwirtschaftsinstituts HWWI, das ein Ranking zur ökonomischen Leistungsfähigkeit, demografische Entwicklungstendenzen sowie Standortfaktoren wie Bildung, Innovation, Internationalität und Erreichbarkeit erstellt hat. 

    Bereits im Jahr 2010 meldeten Forscher erhebliche Zweifel an der Tauglichkeit von Städterankings an. Nicht nur bei Westfalen heute ist man davon scheinbar völlig unbeeindruckt. In der Vergangenheit hatten wir das Thema auf diesem Blog häufiger:
    Zum Thema Ranking-Stuss an sich:
    Der erwähnte Beitrag bezog sich in seiner Kritik an den Städterankings explizit auf das des privaten (!) Hamburger Weltwirtschaftsinstituts:
    Die meisten Rankings fassen eine Vielzahl solcher linearer Faktoren zusammen. Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut beispielsweise will mit seinem Ranking die Zukunftsfähigkeit der 30 größten Städte Deutschlands abbilden. Die Kriterien sind unter anderem Bildung, Internationalität, Bevölkerungswachstum, Entwicklung des Arbeitsmarktes und Produktivität. Internationalität setzt sich wiederum zusammen aus dem Anteil ausländischer Erwerbstätiger und ausländischer Studenten an der Gesamtbevölkerung, sowie den Übernachtungen ausländischer Touristen. Aus der Summe all dieser Faktoren errechnete das private Institut den ersten Platz für Frankfurt am Main, dicht gefolgt von München und Düsseldorf, den letzten Platz belegt Chemnitz. 
    Hier setzt die Kritik von Luis Bettencourt an: "Städte sind mehr als die Summe ihrer individuellen Teile." Der Physiker vom Santa Fe Institut in New Mexico hält es für wenig sinnvoll, nur anhand einfacher Pro-Kopf-Messungen zu entscheiden, welche Stadt besser oder schlechter als eine andere ist. "Es gibt zwei Faktoren, die eine Stadt ausmachen: Ihre Größe und ihren ganz spezifischen Charakter", erklärt Bettencourt.
    Großstädte hätten einen statistischen Vorteil gegenüber kleineren Städten. Denn dort, wo sich in kurzer Zeit viele Menschen ansiedeln, in sogenannten Agglomerationen, sei natürlicherweise die Infrastruktur besser, die Effizienz höher und neue Entwicklungen könnten sich schneller durchsetzen. Bettencourt konnte zeigen, dass viele Messfaktoren wie Kriminalität, Wohlstand oder Produktivität eben nicht linear mit einem Bevölkerungswachstum zunehmen: Jede Verdopplung der Einwohnerzahl steigert die Produktivität pro Kopf um etwa 15 Prozent, jeder Bewohner verdient im Schnitt rund 15 Prozent mehr Geld, ist zu 15 Prozent innovativer, hat aber auch eine 15 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Verbrechens zu werden.
    Ein weitestgehend mit öffentlichen Mitteln finanzierter Nachrichten- und Pressedienst hat die Pflicht und Schuldigkeit, Meldungen nicht einfach unkritisch zu verbreiten, sondern auf mögliche Defizite und Verzerrungen zu untersuchen. Anderenfalls ist das Zeit- und Geldverschwendung, so gut die Absichten auch sein mögen. 

    Update:

    Ähnlich unreflektiert wie Westfalen heute übernimmt auch die WN in Münster im Ranking. Nur im Mittelfeld das Ranking des HWWI. Da möchte man den Journalisten den Rat von Daniele Ganser zur Hand geben, die kürzlich in Witten die Studenten ermutigte, eigenständig zu beobachten und zu denken. Gewisse Mindeststandards sollten auch bei der WN gelten.

    Mittwoch, 21. Oktober 2015

    Beethoven, Lortzing, Weill und Brahms in Westfalen

    Von Ralf Keuper

    Bis in unsere Tage ist die Ansicht unter einigen Feuilletonisten weit verbreitet, dass die klassische Musik um Westfalen für lange Zeit einen weiten Bogen gemacht hat. Eine Meinung, die auf diesem Blog u.a. in den Beiträgen 
    zumindest deutlich relativiert wurde.

    Bemerkenswert ist auch, dass viele namhafte Musiker einige Zeit in Westfalen gewirkt haben. Kein geringerer als Ludwig van Beethoven fand den Weg in die Region. Genauer gesagt nach Münster, wo er die Bekanntschaft mit Maria Anna Wilhelmine von und zu Westerholt-Gysenberg machte, angeblich seine "Jugendliebe". 
    Im Sommer 1790 begleitete Beethoven die Familie von Westerholt nach Westfalen. Im Schloss Westerholt und dem Stadtschloss der Familie dem sogenannten Westerholtschen Hof in Münster gab er Anna Unterricht am Klavier. Im Winter 1790/91 weilte die Familie für einige Zeit in Bonn. Besonders Maria Anna Wilhelmine, zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre alt, fand Gefallen an dem zwanzigjährigen Musiker. Die Familie war sehr musikliebend: der Graf spielte Fagott, sein Sohn Flöte und seine Tochter Maria Anna Wilhelmine Klavier. Für die drei komponierte Ludwig van Beethoven eigens Kammermusik wie etwa das Trio für Klavier, Flöte und Fagott in G-Dur Werk ohne Opuszahl 37.
    Als Komponist und Musiklehrer in Detmold gewirkt hat Johannes Brahms:
    1857 siedelte Brahms nach Detmold über. Er leitete dort einen Chor und gab Klavierunterricht. In der Zeit befasste er sich mit einem neuen großen Projekt: dem ersten Klavierkonzert op. 15 in d-Moll. Hinsichtlich der Orchestrierung stand ihm Joseph Joachim ratgebend zur Seite. Vielfach wird es als Widerschein der vergeblichen Leidenschaft für Clara Schumann interpretiert; die Phase war gerade erst abgeschlossen. Uraufgeführt wurde es am 22. Januar 1859 in Hannover. Seine Wiederholung in Leipzig am 27. desselben Monats erzielte nicht die erhoffte Begeisterung. Brahms verbarg seine Enttäuschung hierüber nicht und nahm sich vor, dass ein zweites Werk „ganz anders lauten“ sollte. Sein zweites Klavierkonzert op. 83 in B-Dur – es erschien 22 Jahre nach dem ersten – unterschied sich charakterlich völlig von dem d-Moll-Konzert.
    In der Detmolder Zeit entstanden neben dem Klavierkonzert zwei Orchesterserenaden (op. 11 und op. 16) und Lieder, unter anderem Unter Blüten des Mai’s spielt’ ich mit ihrer Hand. Brahms ließ hiermit seine Begegnung mit Agathe von Siebold anklingen. Einen Sommer gab er sich seiner Verliebtheit hin (Clara Schumann schrieb gekränkt, er habe sich wohl recht schnell getröstet). Sein zweites Streichsextett spielt im 1. Satz mit einem Thema auf Agathe von Siebold an; es enthält die Tonabfolge: A-G-A-H-E. Kaum waren die Verlobungsringe mit Agathe getauscht, machte Brahms einen Rückzug. Er sah sich außerstande, sich zu binden, tat es auch später nicht und blieb unverheiratet.
    Ebenfalls einige Zeit in Detmold gearbeitet hat Albert Lortzing. Sein Oratorium Die Himmelfahrt Christi wurde in Münster uraufgeführt.
    Ab Herbst 1826 gehörte das junge Ehepaar Lortzing zum Hoftheater in Detmold, das auch Münster und Osnabrück bespielte. Lortzing wurde am 3. September 1826 in die Freimaurerloge Zur Beständigkeit und Eintracht in Aachen aufgenommen. In Detmold komponierte er u. a. das Oratorium Die Himmelfahrt Christi, das in Münster uraufgeführt wurde, freilich mit einer Rüge des Münsterschen Regierungspräsidenten, da der Schauspieler Lortzing „als Compositeur durchaus keinen Ruf“ habe.
    In Lüdenscheid startete Kurt Weill seine Laufbahn als Kapellmeister:
    Der später bedeutende deutsche und amerikanische Komponist Kurt Weill – u.a. Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht (z.B. Vertonung der Dreigroschenoper) – hatte seit Dezember 1919 sein erstes Engagement als Kapellmeister am Stadttheater Lüdenscheid, bevor er 1921 nach Berlin zurückkehrte, um sein Studium fortzusetzen.
    Engelbert Humperdinck legte sein Abitur übrigens am Paderborner Theodorianum ab.  

    Westfälische Universitäten mit regem Zulauf - Bochum als Hochschulstandort neuer Spitzenreiter

    Von Ralf Keuper

    Wie die Tageszeitung Die Glocke berichtet, erfreuen sich die westfälischen Hochschulen regen Zuspruchs. Leider fehlen in der Aufzählung einige wichtige Universitäten Westfalens, wie die Universität Siegen, die TU Dortmund, die Privatuni Witten/Herdecke sowie die, gemessen an der Zahl der eingeschriebenen Studenten größte Uni Deutschlands, die Fernuni Hagen. 

    An der TU Dortmund studieren ca. 32.800 Menschen, an der Uni Siegen 19.387, an der Uni Witten/Herdecke ca. 1.800 und an der FernUni Hagen 76.122

    Bereits vor einiger Zeit  berichteten die RuhrNachrichten, dass sich an Bochums Hochschulen zu dem Zeitpunkt bereits über 53.000 Studenten tummelten. Damit dürfte Bochum Münster , wo man knapp 50.000 zählt, als Stadt mit den meisten Studenten in Westfalen abgelöst haben. 

    Montag, 19. Oktober 2015

    Die bedenkliche Pfadabhängigkeit des IT-Standorts Paderborn

    Von Ralf Keuper

    Nicht erst die Meldungen über die bevorstehende Übernahme von Wincor Nixdorf durch Diebold und die Ankündigung von Fujitsu, seinen Standort in Paderborn im nächsten Jahr zu schließen, verdeutlichen die Pfadabhängigkeit von Stadt und Region Paderborn von der Informationstechnologie (IT). Pfadabhängigkeit im vorliegenden Fall meint, dass eine Region über einen langen Zeitraum von einer Branche geprägt wird und damit von dem Wohl und Wehe einiger großer Unternehmen abhängig ist. Das Ruhrgebiet mit seiner Montanindustrie wird hierfür gerne als Paradebeispiel herangezogen. Aber auch die Automobilindustrie kann und muss man mittlerweile dazu zählen. 

    In Paderborn setzte der Siegeszug der Informationstechnologie mit dem rasanten Aufstieg der Nixdorf Computer AG ein. Auf seinem Höhepunkt beschäftigte das Unternehmen fast 10.000 Mitarbeiter in Paderborn. Bereits Unternehmensgründer und Computerpionier Heinz Nixdorf, dem sich die Stadt zu Recht sehr verbunden fühlt, verpasste bzw. ignorierte den Wandel zum Personal Computer. Die mittlere Datentechnik, mit der Nixdorf einst die IT revolutionierte, war an ihr Ende gelangt. Ebenso wie Nixdorf unterschätzten die Entwicklung Ken Olson von DEC und An Wang von Wang Computer. In seinem bahnbrechenden Buch The Innovator's Dilemma brachte Clayton Christensen u.a. Nixdorf, DEC und Wang als Beispiele von Unternehmen, die Opfer ihres eigenen Erfolges wurden. 

    Als die Nixdorf Computer AG im Jahr 1990 von Siemens übernommen wurde, hatte auch das Geschäftsmodell, d.h. die Kombination von Hardware (Geldautomaten, Kassensysteme) und Firmware, seinen Zenit überschritten. In den 1990er Jahren wurden zahlreiche Unternehmen ehemaliger Nixdorf-Mitarbeiter am Standort Paderborn gegründet. Parallel dazu wurde  Paderborn mit Orga Card ein wichtiger Standort für Smart Cards in Deutschland. Nach einer stürmischen Wachstumsphase geriet Orga Card in Schieflage. Massenentlassungen waren die Folge. Das, wenn man so will, Nachfolgeunternehmen, Orga Systems, musste erst vor wenigen Monaten Insolvenz anmelden; das Unternehmen wurde zwischenzeitlich von Redknee aus Kanada übernommen. Auch sonst waren am Heinz Nixdorf - Ring Meldungen über Entlassungen bzw. Personalabbau die Regel. Genannt seien Fujitsu-Siemens, Sagem Orga und Flextronics. Wincor Nixdorf war hier für Jahre die Ausnahme. 

    Auf der anderen Seite jedoch sind außerhalb des Nixdorf-Universums erfolgreiche IT-Unternehmen entstanden wie dSpace und Webwasher (mittlerweile McAfee).

    Es scheint, als würde der IT-Standort Paderborn vornehmlich noch immer in Kategorien agieren wie zu Zeiten der Nixdorf Computer AG - Hardware mit Firmware. Der Trend hin zu mobilen Anwendungen und Open APIs ist weitgehend an Paderborn vorbei gegangen. Aufstrebende Startups sind, nicht nur hier, Mangelware. Kurzum: Dem IT-Standort Paderborn mangelt es an echter Diversität. Stattdessen Monostruktur und viel vom Gleichen. 

    Vielleicht kann ja it's OWL eine Gründungswelle auslösen. Sie wird dringend benötigt, um die erwähnte Pfadabhängigkeit zu überwinden, wenigstens aber zu mildern. 

    Weitere Informationen:

    Die Geschichte der Softwarebranche in Deutschland 

    Westfalen-Blatt zur Übernahme von Wincor-Nixdorf: Verwirrung in der Redaktionsstube

    Von Ralf Keuper

    Es ist schon irgendwie bemerkenswert, wie bemüht einige Journalisten sind, auch noch die größte Niederlage in einen vermeintlichen Sieg umzudeuten. Besonders eindrücklich führt dieses "Kunststück" das Westfalen-Blatt in dem Kommentar zur bevorstehenden Übernahme von Wincor Nixdorf durch den Konkurrenten Diebold vor Augen. 

    Da wird der Eindruck erweckt, als wäre Wincor Nixdorf heiß begehrt und der amerikanische Diebold-Konzern daher bereit, auch einen Preis zu bezahlen, der deutlich über dem Börsenkurs der letzten Wochen und Monate liegt. Kein Wort davon, dass der Vorstandsvorsitzende von Wincor Nixdorf, Heidldoff, noch vor wenigen Monaten Spekulationen über eine Übernahme eine klare Absage erteilte und keinerlei Notwendigkeit für eine Marktkonsolidierung erkennen wollte. Stattdessen betonte der Wincor-Chef immer wieder, dass WN eigenständig bleibe. 

    Der ganze Kommentar ist ein seltsames Gebräu sich widersprechender Aussagen. Da ist von Sicherheit die Rede, welche die Übernahme durch Diebold für die Mitarbeiter bedeute - tatsächlich? So wie seinerzeit bei der Übernahme der Nixdorf Computer AG durch Siemens etwa? Gehts noch?

    Fakt ist, dass die Unternehmensführung von Wincor Nixdorf den Branchentrend in Richtung zunehmender Digitalisierung seit Jahren verschlafen hat. Das Geschäftsmodell von Wincor Nixdorf, aber auch von Diebold und NCR, funktioniert nicht mehr. Die Banken als ihre Hauptkunden, haben selber den Trend verschlafen und drohen auf den Rang bloßer Zulieferer von Apple, Amazon, Google, Alibaba, Samsung und Co. reduziert zu werden. Da bleibt auch für einen Diebold Nixdorf - Konzern nicht mehr allzu viel Platz. Der Siegeszug mobiler Bezahlverfahren wird den Bedarf nach Lösungen, wie sie Wincor Nixdorf, Diebold oder NCR im Angebot haben, weiter sinken lassen. Insofern beginnt jetzt der Schrumpfungsprozess. Was das für die Arbeitsplätze in Paderborn bedeutet ...

    Der Name Nixdorf, danach sieht es aus, verschwindet bald vollständig aus der Unternehmenswelt. Das manager magazin sprach in seiner Juni-Ausgabe nicht zu Unrecht von dem zweiten Untergang von Nixdorf. Dass noch als Erfolg verkaufen zu wollen, dafür bedarf es in der Tat sehr viel Vorstellungskraft. 

    Wie ernst es um den IT-Standort Paderborn derzeit bestellt ist, berichtet das Westfalen-Blatt ebenfalls heute in 600 Mitarbeiter sollen bis September 2016 ihren Job verlieren. Fujitsu Technologies schließt Standort. (Damit widerlegt sich der Kommentar selbst) Auch Fujitsu ist übrigens noch ein Erbe der Nixdorf-Ära, so wie Flextronics und jetzt Periscope. Die Tendenz, d.h. die Zahl der Arbeitsplätze, zeigt dort über die Jahre durchgängig nach unten. 
    Vor einigen Monaten meldete Orga System Insolvenz an. Das Unternehmen wurde zwischenzeitlich von dem kanadischen Unternehmen Redknee übernommen. 

    Sieht ganz so aus, als müsste die Erfolgsgeschichte des IT-Standorts Paderborn bald umgeschrieben werden. Die "Pfandabhängigkeit" von Stadt und Region von der IT, bzw. einer bestimmten Ausprägung davon (Hardware, Firmware, Smart Card), könnte das WB durchaus mal diskutieren. 

    Weitere Informationen:


    Sonntag, 18. Oktober 2015

    Der Maler Meister Bertram (v. Minden)

    Meister Bertram, einer der bedeutendsten Maler der deutschen Gotik, ist zugleich einer der ältesten der berühmt gewordenen Mindener, den wir kennen. Über seine näheren Lebensumstände ist nur wenig überliefert. Geboren ist er etwa um das Jahr 1345 in Minden. Sein Vater hatte einen Hof im Dorf Bierde bei Petershagen. In Minden hat er wohl auch die Grundlage zu seinem Künstlerberuf erfahren. Vielleicht wurde der begabte junge Mann durch einen kunstverständigen geistlichen Herrn gefördert. Während der damals üblichen Wanderjahre, die er in Westfalen und im Rheinland verbrachte, hat er sich besonders mit Malen und Holztafeln beschäftigt. Später, etwa 30jährig, wurde Bertram in der Hansestadt Hamburg ansässig, wo er als Meister Hauptwerke geschaffen hat. Es sind der in fünfjähriger Arbeit hergestellte Hochaltar der Petrikirche in Hamburg (beendet 1379), der Passionsaltar von 1394 der Johanniskirche Dortrecht, der Flügelaltar von Buxtehude, der Kreuzaltar zu Doberan in Mecklenburg und der Marienaltar in HarvestehudeUm 1415 ist Bertram von Minden in Hamburg etwa 70jährig gestorben. 
    Er gehört neben Giotto zu den gotischen Malern, die einen neuen Kunststil entwickelten. Hochgotische Geziertheit wurde durch kräftige Modellierung und durch eine realistische Darstellung abgelöst. Seine durch Gebärdensprache und lebendigen Linienschwung gestalteten Menschen tragen die Gesichter seiner täglichen Umwelt. Als Eigenart Bertrams kommt dazu ein ausgesprochener Sinn für eine derb-urwüchsige, sehr menschliche Vergegenwärtigung des biblischen Geschehens.Mit Meister Bertram hat Minden der Welt einen Maler geschenkt, dessen Kunst weit über die engen deutschen Grenzen Einfluss ausübte.
    Quelle: Die Mindener und ihre Stadt von Ernst Schomer

    Weitere Informationen:

    Meister Bertram von Minden

    Samstag, 17. Oktober 2015

    Westfälische Ökonomen

    Von Ralf Keuper

    Die Bedeutung der Ökonomie ist uns in den letzten Jahren deutlich vor Augen getreten. Ebenso sind die Grenzen der Wissenschaft sichtbar geworden, die sich mit der Erklärung wirtschaftlichen Verhaltens auf der individuellen (Mikro) wie auf der gesellschaftlichen Ebene (Makro) beschäftigt. Seit Ausbruch der Finanzkrise steht die Zunft der Ökonomen in der Kritik; nur die wenigsten haben die Krise kommen sehen. So auch in Westfalen. Der mit Abstand streitbarste und öffentlichkeitswirksamste aller Ökonomen in Deutschland ist der in Brake (Kreis Höxter) geborene Hans-Werner Sinn.
    Lange Zeit vor ihm war es Johann-Heinrich Jung-Stilling, der sich mit Fragen der Nationalökonomie beschäftigte, als es das Fach noch gar nicht gab. Erich Gutenberg aus Herford hat sich den Ruf des "Vaters der Betriebswirtschaftslehre Deutschlands" erworben. Der gebürtige Sauerländer Eugen Schmalenbach gilt das der Begründer der akademischen Betriebswirtschaftslehre und als "Vater der Wirtschaftsprüfer". 

    Einer der einflussreichsten Wirtschaftsethiker der letzten Jahre ist Karl Homann, der bis zu seiner Emeritierung an der LMU in München lehrte. Werner Plumpe und Werner Abelshauser zählen zu den führenden Wirtschaftshistorikern Deutschlands. Walter Krämer ist nicht zuletzt durch seinen gemeinsam mit Hans-Werner Sinn veröffentlichten Aufruf der Ökonomen bekannt geworden. Daneben kürt er mit Gerd Gigerenzer die Unstatistik des Monats. Heinz-Josef Bontrup ist einer der härtesten Kritiker des Neoliberalismus. Alfred Müller Armack, einer der Väter der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland, lehrte mehrere Jahre an der Universität Münster , wo auch heute noch der Müller-Armack-Preis verliehen wird.
    Der international renommierteste Ökonom mit Bezug zu Westfalen ist jedoch Reinhard Selten, der als bisher einziger Deutscher den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhalten hat und der über mehrere Jahre an der Universität Bielefeld lehrte.

    Nachfolger von Hans-Werner Sinn als Direktor des einflussreichen Münchener Ifo-Instituts wurde der gebürtige Münsteraner Clemens Fuest

    Weitere: 

    Gustav von Gülich

    Willi Prion 

    Artur Woll

    Felix Kübler 

    Ferdinand Hermens 

    Fritz Terhalle

    Helmut Koch (Betriebswirt)

    Gerd Habermann

    Rudolf Johns

    Carl Ruberg

    August Ferdinand Lueder

    "Haus und Hof westfälischer Bauern" von Josef Schepers

    Von Ralf Keuper

    Zusammen mit Wilhelm Winkelmann, Peter Berghaus und Wilhelm Müller-Wille gehörte Josef Schepers zu den herausragenden Forschern, deren Arbeiten zur westfälischen Kulturgeschichte, auch über die Region hinaus, Standards gesetzt haben. 

    Die, wenn man so will, Früchte seines Schaffens repräsentiert das Buch Haus und Hof westfälischer Bauern. Darin beschreibt Schepers die Herausbildung eines für den westfälischen Kulturraum charakteristischen Baustils, der sich über die Jahrhunderte für äußere Einflüsse empfänglich zeigte, ohne jedoch seine Eigenarten dabei einzubüßen. 
    Prägend waren sowohl fränkische wie auch sächsische Elemente:
    Das Gemeinschaftsgefüge, das zu Beginn der Frankenherrschaft bestand, behauptete in der Lebens- und Kulturgeschichte des westfälischen Bauerntums bis in das 19. und 20. Jahrhundert hinein die gestaltende Kraft eines festen Fundaments, über dem ein wetterumtostes Haus öfter umgebaut und erneuert wird. Nach der großen frühgeschichtlichen Rodungsperiode (500-800 n. Chr.) waren die späteren geschichtlichen Siedelgemeinschaften keimhaft vorhanden. Größere Änderungen in der ländlichen Bevölkerung gab es seitdem nicht mehr bis in unser bewegliches Industriezeitalter. So blieben die sächsischen Gemeinschaften wesentlich die Bausteine aller späteren Kulturgemeinschaften. .. Nicht die verhältnismäßig junge politische Gliederung des Sachsenreiches, sondern ein Selbstbewusstsein und Zusammengefügtsein, das in langdauernden Lebensgemeinschaften wuchs und zäh geschaffen wurde, erwies sich als stark im Wandel der nachfolgenden Jahrhunderte.
    Das herausragende Stilelement westfälischer Baukultur ist für Schepers das Hallenhaus. Es steht sinnbildlich für westfälische Beharrungs-, aber auch Erneuerungskraft:
    Das Wesen des niederdeutschen Hallenhauses ist seine freie hallenhafte Raumweite, geschaffen für ein großgeordnetes Wohnen und Wirtschaften. Das Vervollkommnen und Bewahren dieses Hallenwohnens seit der germanischen Eisenzeit gibt der Hausgeschichte iim niederdeutschen und mittelniederdeutschen Raum stetigen Zusammenhang über zweieinhalb Jahrtausende. Geschichte und Wesen dieses Hauses lassen zugleich Erleben und Wesensart jener Kulturgemeinschaften sichtbar werden, die es wechselnd formten, wandelten und wahrten. Die Forschung nennt das überkommene Bauernhaus unseres Bereiches niederdeutsches Hallenhaus. Genauer müsste es spätmittelalterliches und neuzeitliches Hallenhaus Niederdeutschlands heißen. Die eisenzeitlich bis frühmittelalterlichen Urformen des Hallenhauses kamen in einem viel größeren europäischen Bereich vor. Von ihnen über hochmittelalterliche neiderländisch-niederrheinische geprägte Frühformen bis zu niederdeutschen Hochformen war ein weiter Weg. Bäuerliche Herren und Ackerbürger haben ihn mehr gewiesen als der Bauer selbst. 
    Weitere Informationen:

    Dienstag, 13. Oktober 2015

    Hendrickje Stoffels aus Velen im Münsterland - die Frau an Rembrandts Seite

    Von Ralf Keuper

    Bedeutende Maler beziehen ihre Inspiration häufig aus ihrer "Muse", wie Rembrandt von Rijn, der die aus Velen im Münsterland stammende Hendrickje Stoffels zu seiner Lebenspartnerin wählte. Obwohl nicht verheiratet, waren sie praktisch ein Ehepaar. Wie viele andere Maler auch, diente Hendrickje Stoffels Rembrandt als Modell, wie auf dem folgenden:


    Lange wurde die Rolle von Hendrickje Stoffels für das berufliche und künstlerische Fortkommen Rembrandts nicht ausreichend gewürdigt, wie es auf Wikipedia heisst: 
    Hendrickje Stoffels' Bedeutung für Rembrandt ist lange unterschätzt worden. Heute halten es Forscher für wahrscheinlich, dass sie erst die Voraussetzungen für Rembrandts besonders bewundertes Spätwerk schuf. Sie organisierte seinen Alltag, verdiente nebenher mit und verstand sich auch noch gut mit seinem Sohn aus erster Ehe, Titus. Ihre Loyalität ging so weit, dass sie sich verpflichtete, für alle seine Schulden einzustehen. Ihr Biograf Christoph Driessen urteilt deshalb, durch all das habe sie Rembrandt nach dessen Bankrott „vor dem völligen Absturz bewahrt“. Driessen zufolge zeichnete sich Hendrickje durch eine „bemerkenswerte Auffassungsgabe“ aus: "Sie begann bei Rembrandt als Dienstmädchen und starb als seine formelle Arbeitgeberin."
    Das Leben von Hendrickje Stoffels wird in dem Theaterstück Late Rembrandt en Hendrickje dargestellt.


    Montag, 12. Oktober 2015

    Zum 200. Geburtstag von Karl Weierstraß

    Von Ralf Keuper

    Am 31. Oktober jährt sich der Geburtstag des bedeutenden Mathematikers Karl Weierstraß zum 200. Mal. An diesem Tag findet in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften eine Festveranstaltung statt. 

    Ebenfalls in Gedenken an den gebürtig aus Ostenfelde (Kreis Warendorf) stammenden Forscher ist im Springer-Verlag das Buch Karl Weierstraß (1815-1897) Aspekte seines Lebens und Werkes erschienen. 

    Im Vorwort heisst es:
    Weierstraß’ Bedeutung für die Weltmathematik ist fundamental. Sein Streben nach Strenge in den Grundlagen der Analysis wurde schon zu Lebzeiten legendär. Er setzte damit neue Maßstäbe und zwang die mathematische Gemeinschaft zu einer neuen Qualität der Behandlung grundlegender Eigenschaften reeller Funktionen. Mit seinen gefürchteten Gegenbeispielen bei Vernachlässigung dieser hohen Genauigkeit erwarb er sich einen Ruf als ein Erneuerer der Analysis. Berühmt ist das Aufsehen, das er 1872 in der mathematischen Gemeinschaft erregte, als er eine stetige, aber nirgends differenzierbare Funktion explizit konstruierte; war man doch bis anhin allgemein davon ausgegangen, dass die Menge der Nichtdifferenzierbarkeitsstellen einer jeden stetigen Funktion im allgemeinen eine sehr kleine Menge sein sollte. Den großen Eindruck, den dieses Gegenbeispiel machte, kann man an dem ehrfürchtigen Namen Monsterfunktion ablesen. Ähnlichen Eindruck hatte schon 1870 seine Kritik am Dirichlet‘schen Prinzip gemacht, indem er die Unlösbarkeit der Dirichlet‘schen Randwertaufgabe zeigte, wenn die Lösung eine gewisse Regularität aufweisen soll.
    Bereits im Februar diesen Jahres riefen die Universität Paderborn und das Gymnasium Theodorianum, wo Weierstraß sein Abitur ablegte, das Paderborner-Weierstraß-Jahr aus. Einmal im Jahr veranstaltet die Universität Paderborn die Weierstraß-Vorlesung in Paderborn

    In Berlin erinnert das Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik an den Mathematiker, der in der deutschen Hauptstadt die meiste Zeit seines Lebens gelebt und gelehrt hat. 

    Sonntag, 11. Oktober 2015

    Der Kaffe-Lärm in Paderborn 1781

    Von Ralf Keuper

    Im Jahr 1781 kam es in der ansonsten beschaulichen Bischofsstadt Paderborn zu einer regelrechten Revolte unter der streng gläubigen Bevölkerung. Auslöser war ein Erlass des damaligen Fürstbischofs Wilhelm Anton von der Asseburg im Jahr 1777, in dem dieser dem Bürger- und Bauernstand der Stadt den Kauf und Verzehr von Kaffee untersagte. 

    Zum Ärger des Bischofs zeigte sich der Mittelstand uneinsichtig und bestand auf seinem Recht, ebenso wie die höheren Stände der Stadt, das Bohnengetränk kaufen und konsumieren zu dürfen. Wie so oft, so fand die Bevölkerung auch hier Mittel und Wege das Verbot zu umgehen, zumal die Einhaltung der Vorschrift von den Behörden nicht mit der nötigen Entschiedenheit überwacht wurde. 

    Als jedoch der Erlass im Jahr 1781 erneuert wurde, spitzten sich die Ereignisse zu. Diesmal gingen die Behörden mit größerer Konsequenz vor, was die Stimmung in der Bevölkerung auf den Siedepunkt brachte. Der Protest richtete sich vornehmlich gegen Sachgüter der Obrigkeit. Das wirkungsvollste Mittel war jedoch das, was man heute zivilen Ungehorsam oder passiven Widerstand nennen würde. Auf eine ernste Probe wurde die Friedfertigkeit der Menge gestellt, als sich der Fürstbischof angesichts des fortgesetzten öffentlich zur Schau gestellten Protests und Ungehorsams genötigt sah, seine Soldaten in Bewegung zu setzen, um die öffentliche Ruhe und Gesetzestreue wiederherzustellen. 

    Was dann geschah, beschrieb G.J. Rosenkranz einige Jahrzehnte später:
    Wie die Kompanien mit geladenem Gewehr einrückten und vor dem Rathause sich aufzustellen anfingen, begrüßte man sie mit den Melodien der geistlichen Lieder: Ave Maria und Stabat Mater, die auf gegebene Veranlassung von einem Musikchor in einem gegenüberliegenden Gasthofe angestimmt wurden. Die Zeichen dieses geringschätzenden Empfanges abgerechnet, verhielt das Volk sich sonst ruhig im Angesichte der Waffen. Die Führer der Truppen selber nahmen die Execution zu wenig von einer ernsthaften Seite, als dass sie geneigt gewesen wären, mit Schärfe einzuschreiten. Der militärische Aufzug lief daher mit einer bloßen Drohung, ohne Verhaftungen und ohne irgendeine Anwendung von Gewalt ab. Im Grunde war dem Publikum bloß daran gelegen, das Kaffee-Edikt lächerlich und auf diese Weise unwirksam zu machen, und dies gelang so vollkommen, dass es von der Zeit an als eine Mißgeburt der Gesetzgebung in Verruf kam, und sogar bei der vollziehenden Gewalt sein Ansehen und seine Wichtigkeit verlor. 
    Der Erlass wurde übrigens nie offiziell zurückgezogen.  



    Weitere Informationen:

    Der Kaffee-Lärm in Paderborn 1781

    Samstag, 10. Oktober 2015

    Westfalen News #21

    Von Ralf Keuper

    Erneut eine Aufstellung einiger Beiträge aus und über Westfalen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind:

    Freitag, 9. Oktober 2015

    F.A.O Schwarz - das älteste und bekannteste Spielzeuggeschäft der USA mit westfälischen Wurzeln

    Von Ralf Keuper

    Im Jahr 1862 gründete der aus Herford stammende Frederick August Otto Schwarz in Baltimore einen Spielzeugladen mit dem Namen F.A.O Schwarz. Im Jahr 1870 verlegte er seinen Laden an die exklusive Fifth Avenue in New York, der über die Jahrzehnte nicht nur zum ältesten, sondern auch zum bekanntesten Spielzeuggeschäft der USA wurde.  F.A.O Schwarz war aber weitaus mehr als nur ein Spielzeugladen, wie es in Legendärer New Yorker Spielzeugladen schließt heisst: 
    FAO Schwarz ist so etwas wie das Königreich der Kinderträume, der älteste und bekannteste Spielzeugladen der USA, eine Bühne für Hollywood und Touristenmagnet. Nun verliert New York eine Ikone. .. FAO Schwarz wollte immer etwas besonderes sein. Wer will, wird von einem "Personal Shopper" begleitet, und Kindergeburtstage der etwas teureren Art können auch im Laden stattfinden - inklusive einer reservierten Zeit auf dem übergroßen im Boden eingelassenen Piano. Auf dem sprang schon Tom Hanks 1988 in "Big" herum, und auch Woody Allen nutzte den Laden für eine Szene in "Geliebte Aphrodite". Zuletzt waren 2011 "Die Schlümpfe" da.
    Dem neuen Eigentümer, der Spielzeug-Handelskette Toys'R'Us, war die exklusive Lage an der Fifth Avenue zu teuer, weshalb der Laden im Juli diesen Jahres geschlossen wurde. Ohnehin passt das auf den Massengeschmack ausgerichtete Angebot von Toys'R'us nicht so recht zu dem elitären Ansatz von F.A.O Schwarz. Das Magazin The Atlantic macht das Geschäft sogar für die Ausbildung eines elitären Klassenbewusstseins unter den Kindern verantwortlich, wie in How F.A.O. Schwarz Ushered Kids Into the Class Wars.

    Die Marke F.A.O Schwarz bleibt indes bestehen. 

    Sonntag, 4. Oktober 2015

    Startup-Region Westfalen?

    Von Ralf Keuper

    Startups sind derzeit die Lieblinge der Politik und Medien. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht von der Gründung eines vielversprechenden "disruptiven" Startups oder eines erfolgreich vollzogenen "Exits" berichtet wird. Startups aus Westfalen sind darunter eher selten zu finden, obschon sich auch hier in letzter Zeit einiges getan hat:
    Für viele repräsentieren Startups einen neuen Wirtschaftsstil, eine neue Business Order wie sie Christoph Giesa und Lena Schiller-Clausen in ihrem Buch "New Business Order. Wie Start-ups Wirtschaft und Gesellschaft verändern" formuliert haben. 

    Die vorherrschende Ansicht in der Forschung ist die, dass Startups bzw. Startup-Ökosysteme auf bestimmte Ingredienzen für ihr Gedeihen angewiesen sind, darunter:
    Auf den ersten Blick bringt Westfalen einige der Voraussetzungen mit:
    • eine hohe Anzahl von Universitäten und Forschungseinrichtungen
    • Cluster wie in Südwestfalen und Ostwestfalen
    • einige erfolgreiche Startup-Unternehmer wie RapidMiner aus Dortmund
    Weniger günstig verhält es sich mit den Punkten Investoren und urbanes Umfeld, wenn mit letzterem eine Umgebung wie in Berlin gemeint ist. 

    Bei seinem Besuch in Münster vor einigen Monaten war Tobias Kollmann voll des Lobes für die dortige Startup-Szene. Auf der Seite http://www.digitalewirtschaft.nrw.de/verzeichnis-startups/ kann man gezielt nach neuen und bereits bestehenden Startups in NRW suchen. 

    In einem Interview mit der Welt strich Kollmann die Vorteile Nordrhein-Westfalens als Standort für Startups hervor:
    Unser Trumpf sind hier sicherlich die starken Hochschulen für Wirtschaftsinformatik und Informatik in Duisburg-Essen, Dortmund und Münster, die uns den hoch qualifizierten Nachwuchs liefern. So ist es kein Wunder, wenn der Online-Versender Zalando zwar seine Zentrale in Berlin hat, die IT-Abteilung aber in Dortmund sitzt. Es gibt auch die ersten Beispiele von kleineren Start-ups, die wegen der Personalkosten bei Programmierern von Berlin nach Köln oder Düsseldorf umsiedeln. Man könnte sogar sagen: Eigentlich ist NRW das neue Berlin, wir wissen nur noch nicht wo in unserem großen Bundesland. Aber solche Vergleiche wollen wir eigentlich gar nicht. (Kollmann schmunzelt)
    Da stehen wir eigentlich noch immer: Wir wissen nur nicht wo in NRW ;-) 

    Weiter sagte Kollmann:
    Köln ist laut unserer eigenen Erhebung im Moment der führende Standort in NRW. Aber auch Düsseldorf ist gut vertreten. Ferner sehen wir im Ruhrgebiet, Münster und Ostwestfalen verstärkt Aktivitäten in diesem Bereich. Am Ende wird es gegeben unserem Flächenland sicherlich mehrere gute Standorte für Start-ups der Digitalen Wirtschaft geben. Wir denken und handeln hier standortübergreifend.
    Die Frage ist, wie man die Teile zusammen bringt, d.h. wie kann der eher konservative westfälische Mittelstand an Startups herangeführt werden? Welche Vorteile kann der Mittelstand, welche können die Startups daraus ziehen?

    Ein Weg, die Akteure in zusammenzubringen ist über spezielle Plattformen, wie 
    Es soll später keiner sagen, es hätte an Ideen und Beispielen gefehlt ;-)