Sonntag, 30. August 2015

Baron von Borsig - Dortmund unsere Stadt

Statt vieler Worte ;-)


Westfalen News #19

Von Ralf Keuper

Erneut eine Aufstellung einiger Beiträge aus und über Westfalen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind:

Samstag, 29. August 2015

Was genau ist Westfalen? #3

Von Ralf Keuper

Eine weitere Folge aus der Serie "Was ist Westfalen?", ganz aktuell mit dem Satiriker und Schriftsteller Wiglaf Droste, der in dem Interview fast schon alle Klischees erfüllt. Wahrscheinlich hat man ihn früh morgens aus dem Bett geholt. Er hatte wohl noch nicht die richtige Betriebstemperatur ;-)

Hier der Link zu seinem Interview mit dem Deutschland Radio Der Westfale, das sture, aber sympathische Wesen?

Demnach ist der Westfale melancholisch und langsam. Wer, vor allem bezogen auf das letztere, an einer anderen Sichtweise interessiert ist, sei auf den Beitrag Westfalen als Spätenwickler? Nichts weniger als das verwiesen. 

Was genau ist Westfalen? #2

Von Ralf Keuper

Eine weitere Folge aus der (neuen) Serie Was ist Westfalen?, heute mit einem Beitrag von Wilhelm Müller-Wille.
Das Land Westfalen als anthropogeografischer Raum ist somit nur als ein bestimmtes Geflecht von Kulturlandschaften zu verstehen. Dieses ist natürlich nicht für alle Zeiten festgelegt; es ist - wie alles Menschliche - historisch wandelbar. Inhalt, Form, Beziehung und Umfang eines Landes müssen daher jeweils neu bestimmt und gedeutet werden; dabei sind vor allem jene kulturlandschaftlichen Elemente ausfindig zu machen, die die einzelnen Landschaften verknüpfen und das jeweilige Beziehungsgeflecht tragen. Schließlich gewinnt man durch das Studium der Kulturlandschaft eine konkretere Vorstellung vom Menschen selbst. .. Dem Einzelnen oft unbewusst, prägt sie den Bewohner und macht ihn zum >Kind seiner Heimat<. Wer also den Menschen in Westfalen verstehen will, muss seine Kulturlandschaften kennen: nur von ihnen und mit ihnen sind die Bewohner in ihrer Eigenart zu begreifen.  ... So fehlt in Westfalen "ein" sammelnder Zentralort oder Kernraum. ... Ein solches zentripetales Kräftefeld liegt heute in der Westfälischen Bucht. Hier treffen sich die Spitzen der vier Bevölkerungs-Sektoren, hier oder hart am Rande liegen die führenden Hauptorte der Bezirke und Reviere: Münster-Osnabrück, Paderborn-Lippstadt, Bielefeld-Minden und Dortmund-Hagen. Somit ist die Bucht, das naturgeografische Kernland Westfalens, auch in anthropogeografischer Hinsicht ein sammelnder und orientierender Kernraum (in: Westfalen: Landschaftliche Ordnung und Bindung eines Landes)

Freitag, 28. August 2015

Was genau ist Westfalen? #1

Von Ralf Keuper

Momentan wird der Gründung der Preußischen Provinz Westfalen bei mehren Gelegenheiten gedacht, u.a. in der Ausstellung 200 Jahre Westfalen. Jetzt! in Dortmund. 

Da bei mir während der Lektüre der verschiedenen Besprechungen und Kommentare anlässlich der erwähnten Ausstellung der Eindruck entstanden ist, dass die Verwirrung, was denn Westfalen heute für die Menschen bedeutet, eher zu- als abnimmt, werde ich in den nächsten Wochen eine kleine Serie starten. Zu Wort kommen dabei Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Bereichen und Altersgruppen.

Die Erfahrung lehrt mehr als einmal, dass man die Diskussion darüber, was Westfalen bzw. westfälisch ist, nicht dem LWL, oder schlimmer noch der Westfalen-Initiative überlassen darf. Die Konfusion ist danach für gewöhnlich größer ;-)

Den Anfang macht Walter Hostert und sein Beitrag Westfalen ist mehr als ein regionaler Gliederungsbegriff.
Westfalen lebt, das ist für mich eine Tatsache. Und ich meine in erster Linie damit Westfalen als Kulturlandschaft, aber auch als Verwaltungsbezirk und Wirtschaftsraum. Natürlich gibt es auch ein "Westfalenbewusstsein", das kann man ruhig aussprechen, ohne gleich abschätzig zum "Provinzler" belächelt zu werden. ... 

Westfalen als Kulturlandschaft umfasst die Bewahrung des Überkommenen in jeder Form, soweit es sich für Gegenwart und Zukunft als Bereicherung erweist, sei es in Stein, Schrift oder Ton gefasst. Nicht archivalisches Interesse ist der Leitfaden dieser Tätigkeit, sondern die Einbeziehung in den gelebten Alltag. Dem steht die Pflege gegenwärtigen Kulturschaffens zur Seite. Die Aufmerksamkeit gilt dabei einzelnen Künstlern, wie Institutionen, Theatern, Orchestern und Museen. Das Wort Westfalen ist häufig Bestandteil ihres Namens. ...  
Westfalen, das ist das Land zwischen Ems und Sieg, zwischen Wesergebirge und Borkenbergen, das ist auch dicke Bohnen mit Speck oder Grünkohl mit Mettwurst, aber noch viel mehr, nämlich eine gewisse Nüchternheit und Ernsthaftigkeit. Es ist eine großartige Landschaft mit Bergen, Flüssen und Wäldern, mit Städten und Dörfern, in denen sich leben lässt. (Quelle: Westfalen unter sich über sich, hrsg. von Rainer Schepper)

Mittwoch, 26. August 2015

Hanseatische Prinzipien übertragen auf Wirtschaft 4.0: Hanse²

Von Ralf Keuper

Die Idee der Hanse erfreut sich in letzter Zeit wachsender Beliebtheit: Zu Recht, wenn man die vielfältigen Herausforderungen, vor denen Europa steht, berücksichtigt. Das betrifft natürlich auch den Bereich Wirtschaft. 

Gerade hier kann uns die die Idee der Hanse, wie sie von den Hansekaufleuten im Mittelalter in die Praxis überführt wurde, viele Anhaltspunkte liefern, wie wir in der Digitalmoderne, wenn also die Geräte selbständig miteinander kommunizieren werden, das dazu passende Wirtschaftsmodell finden können. 

Bei der Hanse handelte es sich um einen Kaufmannsverbund; heute würde man wohl Netzwerk dazu sagen. Der Zusammenschluss erfolgte weniger aus einem Bedürfnis nach Gesellschaft, sondern war geleitet von der Annahme, dass man zusammen besser gegen die diversen Gefahren auf hoher See, wie z.B. vor Piratenüberfällen, geschützt ist. Weiterhin war man sich einig, dass die Einführung verbindlicher Prinzipien, sogar mit eigenem Schiedsgericht, für das Gedeihen des Verbundes unabdingbar waren. Gemeinsam unterhielten die Kaufleute im Ausland die sog. Hansekontore, wie in Brügge und London

Nachdem die Hanse im späten Mittelalter von der Bildfläche verschwand, kam es bereits im 18. Jahrhundert zur ersten Rückbesinnung, wie bei dem Osnabrücker Staatsmann Justus Möser. Möser führte den schlechten Zustand der Wirtschaft jener Zeit u.a. auf das Fehlen eines eigenen Handels zurück. Daher plädierte er für die gezielte politische Maßnahmen, um an die Erfolge aus der Zeit der Hanse anknüpfen zu können.


Zwar ist die heutige Lage in Deutschland und Europa nicht mehr mit der von damals vergleichbar; dennoch können wir seit einiger Zeit feststellen, dass im Internet große monopolartige Gebilde, die sog. Digitalen Ökosysteme wie Apple, Amazon und Alibaba entstanden sind, die immer größere Teiles des Handels auf ihre Plattformen ziehen. Problematisch daran ist auch, dass diese Plattformen häufig Zugang zu Daten bekommen, die sie in den Stand versetzen können, ihrerseits in die Produktion einzusteigen oder andere Unternehmen damit zu beauftragen. 

Vor diesem Hintergrund ist es alles andere als abwegig, die Forderung nach einer europäischen Antwort auf die großen Internetkonzerne zu finden, wie mit Hanse², einer verschlüsselten, digitalen Plattform, die sich an den Prinzipien der alten Hanse orientiert, also: 
Ein starker Wirtschaftsverband politisch selbstbestimmter Bürger und Unternehmen über sprachliche Grenzen hinweg, der geprägt ist von gemeinsamen Wertvorstellungen.
Keiner der Partner hat demnach eine dominierende Stellung, keine aggregierte Sicht auf die Daten. Jeder sieht nur die Daten, die der andere zuvor für diesen Fall freigegeben hat. Dennoch besteht die Möglichkeit, Erfahrungen und Informationen miteinander in einer geschützten Umgebung zu teilen. Hierzu können auch Forschungsinstitute zählen. 

Westfalen mit seinem engen Bezug zur Hanse sowie seiner mittelständischen Wirtschaftsstruktur erscheint besonders geeignet, die Segel für den Aufbruch in die neue Zeit zu setzen. 

Eine Plattform wie Hanse² kann hier als Startrampe dienen.


P.S.

Ich bin an der Konzeption von Hanse² beteiligt. 

Weitere Informationen:



Die neue Plattform-Logik im B2B

"Die Hanse und Westfalen. Ein Aufbruch nach Europa" von Bernhard Gurk

Die westfälischen Kaufleute der Hanse

Montag, 24. August 2015

Industrie 4.0 - eine ganze Branche muss umdenken

Von Ralf Keuper

In einem Interview mit der WAZ erklärt VDMA-Präsident und Haver & Boecker - Eigentümer Reinhold Festge, wie sich die Arbeitswelt im Maschinenbau infolge von Industrie 4.0 verändern wird. Auf die Frage, ob die Industriemechaniker derzeit nicht Inhalte lernen, die schon bald veraltet sind, antwortet Festge:
Ja, sie müssen künftig viel mehr IT-Kenntnisse haben, die Umstellung ist eine Riesen-Herausforderung, zumal die Ausbildungsinhalte streng reglementiert und politisch kontrolliert sind. Und selbst wenn sich Industrie und Politik – zuständig sind die Länder – rasch auf neue Inhalte einigen, fehlen in den Berufsschulen die Lehrer mit dem entsprechenden Wissen. Wir werden erst einmal die Lehrer neu schulen müssen.
Die Tatsache, dass die Maschinenbauindustrie in NRW anders als in Bayern und Baden-Württemberg im ersten Halbjahr gewachsen ist, führt Festge auch auf den Branchenmix in NRW zurück: 
Doch die Absatzschwäche vor allem in China und Brasilien bekommt besonders die Autoindustrie zu spüren, die in Baden-Württemberg und Bayern stark ist und in NRW kaum ins Gewicht fällt. Das große Plus von NRW ist seine gesunde, mittelständisch geprägte Unternehmens-Struktur, Einbußen in Russland und China konnten in anderen Märkten wettgemacht werden
Ähnlich wie zuvor NRW mit den Branchen Kohle und Stahl hat sich in Bayern und Baden-Württemberg eine Monostruktur etabliert, welche die Länder anfällig für Konjunkturschwankungen in den sog. Schwellenländern macht. Ein Trend, der sich in den nächsten Jahren, genannt seien nur Connected Cars und das Streben nach Souveränität der Schwellenländer in Kernbranchen, verstärken wird. Es bleibt zu wünschen, dass NRW seinen Branchenmix beibehält und nicht zu sehr auf einen Sektor setzt.  

Freitag, 21. August 2015

Lange Museumsnacht im Diözesanmuseum Paderborn - CARITAS – Nächstenliebe von den frühen Christen bis zur Gegenwart

Von Ralf Keuper

Wer sich morgen Abend in Paderborn aufhält, sollte im Rahmen der Langen Museumsnacht auch dem Diözesanmuseum mit seiner bundesweit viel beachteten Caritas-Ausstellung einen Besuch abstatten. Zur Einstimmung sei der hörenswerte Beitrag des Paderborner Blogs Wo die Wasserdrachen wohnen empfohlen. 



Dass auch die Caritas sich hin und wieder schwer tut, betriebswirtschaftliches Kalkül mit der Nächstenliebe in Einklang zu bringen, wäre vielleicht ein Punkt gewesen, den aufzunehmen der Ausstellung ebenfalls zur Ehre gereicht hätte. Dazu ein Auszug aus KOMMENTAR · MINDESTLOHN: Die zwei Welten der Caritas
Die Warnung des Caritas-Präsidenten Neher hat wohl zwei Seiten. Auch die im Wettbewerb stehenden kirchlichen "Sozialkonzerne" verfolgen natürlich das Interesse, als Arbeitgeber ihre Lohnkosten zu begrenzen. Zwar wurde der Caritas nie Dumping in einem Ausmaß wie bei der Diakonie vorgehalten. Aber einzelne Fälle, die nicht zum Selbstbild passen, gab und gibt es durchaus. Wettbewerb und Nächstenliebe ziehen sich nun mal nicht magisch an.

Donnerstag, 20. August 2015

Weltmarktführer aus Westfalen #6

Von Ralf Keuper

Eine weitere Folge aus der Serie Weltmarktführer und Hidden Champions aus Westfalen, heute mit
  • Jowat (Klebstoffe)
  • Optibelt (Führender Hersteller von Hochleistungs-Antriebsriemen)
  • Brüninghaus (Weltmarktführer Kronenkorken)
  • Venti Oelde (Führend bei Industrieventilatoren)
  • Denios  (Weltweit marktführend in der Lagerung von Gefahrstoffen, im betrieblichen Umweltschutz und in der Arbeitssicherheit)
  • HDO (Marktführer im Technologieverbund Zink-, Magnesium- und Aluminium-Druckguss)
  • Friwo (Führend in der Stromversorgung und Ladetechnik)
  • Winkhaus (Führend bei mechanischen sowie elektronischen Schließanlagen)
  • Achenbach Buschhütten (Weltmarktführer für Aluminiumfeinband- und -folienwalzwerke)
  • Bäumer (Führender Hersteller von Maschinen und Anlagen zum Schneiden, Bearbeiten und Transportieren von Schaumstoffen)

Dienstag, 18. August 2015

Schlaun-Wettbewerb: Hamm 2040 – 2015|2016

Von Ralf Keuper

Zu Ehren des Baumeisters des "Westfälischen Barock", Johann Conrad Schlaun, wird seit einigen Jahren der Schlaun-Wettbewerb ausgeschrieben. Wettbewerbsgebiet für die Jahre 2015/2016 ist die Stadt Hamm
Das Wettbewerbsgebiet umfasst die Stadtmitte von Hamm. Es handelt sich um ein Areal von nördlich der Lippe bis zur Alleestraße und vom Hauptbahnhof bis zur Heßlerstraße. Für dieses Gebiet hat die Stadt Hamm eine “Perspektive Innenstadt 2030″ erstellt. Dieser Masterplan wurde am 23. Juni 2015 vom Rat der Stadt Hamm beschlossen. Auf der Basis dieser “Perspektive Innenstadt 2030″ werden Konkretisierungen und Vertiefungen zu den Vorschlägen gefordert, die durchaus Alternativen aufzeigen sollen.
Weitere Informationen:


Institut für Stadtbaukunst an der TU Dortmund

Montag, 17. August 2015

Westfälische Zeitschrift online

Von Ralf Keuper

Erfreuliches vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL): Wie Westfalen heute berichtet kann die 
seit 1838 herausgegebene "Westfälische Zeitschrift" .. ab sofort auch im Internet gelesen werden. Bei einem Gemeinschaftsprojekt des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens und des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) werden seit dem vergangenen Jahr die Artikel des historischen Magazins eingescannt und online veröffentlicht.
Link: Westfälische Zeitschrift online 

Westfalen und das Baltikum

Von Ralf Keuper

Die Beziehung Westfalens zum Baltikum war über Jahrhunderte eine besonders enge. Beleg dafür ist der hohe zahlenmäßige Anteil, der auf gebürtige Westfalen unter den Landmeistern von Livland entfiel. 

Im Jahr 2007 widmete sich die Ausstellung Westfalen und das Baltikum 1200-2000 in der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne der Verbindung zwischen den beiden Regionen. Weitere Informationen liefert der Beitrag Der baltische Landadel und seine Güter. Das frühere Agrarwirtschaftssystem im baltischen Raum. Während der Zeit der Hanse waren viele Kaufleute aus Westfalen in den Handelszentren Riga und Reval tätig. Auf den Spuren der Hanse im Baltikum begab sich Marion Gräfin Dönhoff

Neben den Landmeistern und Ordensrittern verschlug es auch andere Personen aus Westfalen in das Baltikum, wie Heinrich von Brakel. Ein bekanntes westfälisch-baltisches Adelsgeschlecht ist das der Delwig

Im Jahr 2008 gelang der Westfälische Lückenschluss auf dem Jakobspilgerweg. Seitdem sind das Baltikum und Spanien über diesen spirituellen Pfad miteinander verbunden. 

Sonntag, 16. August 2015

Westfalen News #18

Von Ralf Keuper

Erneut eine Aufstellung einiger Beiträge aus und über Westfalen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind:

Samstag, 15. August 2015

Zement aus und in Westfalen

Von Ralf Keuper

Wie nur wenige Industrien ist die Zementherstellung eng mit Westfalen verbunden. Verantwortlich dafür sind geologische Faktoren, d.h. die Bodenzusammensetzung in einigen Landstrichen, wie in Erwitte, Beckum und Ennigerloh. 

Am bedeutendsten ist das Beckumer Zementrevier, das weltweit größte. 
In keinem Teil Deutschlands ballte sich die Zementindustrie auf so engem Raum wie im ehemaligen Kreis Beckum, dem heutigen südlichen Kreis Warendorf. Im Mittelpunkt Westfalens, am Südrand der Westfälischen Bucht, entstand eine derartige räumliche Geschlossenheit dieses Industriezweiges, dass man durchaus hier den Begriff des "Reviers" benutzen kann. Heute prägen immer noch große Steinbrüche, ehemalige Abbauflächen und ausgedehnte Fabrikanlagen die Landschaft um Beckum und Ennigerloh. Allerdings befindet sich der Raum in einem drastischen Strukturwandel, nachdem die Kalksteinförderung und Zementproduktion in ganz Deutschland rückläufig ist. (in: Das Beckumer Zementrevier: Aufstieg und Niedergang)
Im Beckumer Zement-Museum kann man sich über die Geschichte dieses alten und bedeutenden Industriezweiges informieren. 


Im benachbarten Ennigerloh lässt sich die Geschichte des Zements auf der Zement-Radroute erradeln. 

Der wohl bekannteste Zementindustrielle Westfalens und Deutschlands war Rudolf ten Hompel, an den in Münster noch heute die Villa Ten Hompel erinnert. Der von ihm geleitete Wicking-Konzern war in den 1920er Jahren der größte Zementkonzern Deutschlands. Aus dem Unternehmen wurde später durch Fusion der Dyckerhoff-Wicking - Konzern

Auch heute noch sind in Westfalen einige Unternehmen in der Zementherstellung tätig:


Ein anderer Zementkönig war Friedrich-Wilhelm Mohn, Eigentümer des Zementwerks Ilse in Paderborn: 
Der ehemalige »Zementkönig« trat bereits im Alter von 20 Jahren die Geschäftsführung der »Ilse«-Zementwerke an. 1945 wurden die Anlagen Opfer der Bomben. Aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt widmete er sich mit allen Kräften dem Wiederaufbau. Viele Paderborner verdanken ihm und der »Ilse«-Selbsthilfeaktion« nach dem Krieg ihr Häuschen. Friedrich-Wilhelm Mohn stellte ihnen Kalk- und Zementdachsteine zur Verfügung. Die Hausbesitzer konnten den Eigenbedarf an Materialien zuvor im Zementwerk erarbeiten. Auch fand Mohn Mittel und Wege, verschiedenen Institutionen nach dem Krieg Wiederaufbau-Material zur Verfügung zu stellen.
Weitere Informationen: Wo kommt Zement eigentlich her?


In der Verpackung von Zement ist Haver & Boecker, im Bau von Anlagen für die Zementherstellung Christian Pfeiffer tätig. 

Freitag, 14. August 2015

Westfalen heute und der blinde Glaube an die Statistik

Von Ralf Keuper

In dem Beitrag Kreative Statistik: Bevölkerung in Westfalen sinkt bis 2040 um knapp fünf Prozent hatte ich bereits die unreflektierte Übernahme der diversen Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung in Westfalen kommentiert und bei der Gelegenheit auf widersprechende Beobachtungen hingewiesen. 

Bei Westfalen heute werden die Prognosen erneut ohne weitere kritische Auseinandersetzung wiedergeben

So sehr ich auch die Arbeit von Westfalen heute schätze, so muss doch darauf hingewiesen werden, dass wir auch von einem Informationsdienst mehr kritisches Nachdenken erwarten, ja verlangen dürfen. Anderenfalls handelt es sich um eine völlig einseitige Darstellung. 

Das signifikant nachlassende Vertrauen der Menschen in die Medien rührt ja auch daher: Dass eben Meldungen weitgehend unkommentiert verbreitet werden, nur weil sie von bestimmten Stellen stammen. 

Es stehen schon längst genügend Beiträge renommierter Wissenschaftler zur Verfügung - von Gigerenzer, Krämer bis Bosbach, die ein anderes Licht auf die Debatte Demografie und Bevölkerungsentwicklung werfen. 

Wir brauchen (Meinungs-)Vielfalt, keine Eindimensionalität. Gerade Westfalen steht für Vielfalt wie kaum eine andere Region. Statistiken dazu zu verwenden, das eigene Geschäftsmodell abzusichern, ist zwar irgendwo verständlich, für eine öffentliche Institution, wie den LWL, der die Interessen der gesamten Bevölkerung Westfalens vertritt bzw. vertreten sollte, ganz gewiss nicht die einzige Option.

Vielleicht nimmt man sich beim LWL ja mal ein Beispiel an Köln. Dort betrachtet man die verschiedenen Prognosen differenzierter und mit der nötigen Distanz: Neue Bevölkerungsprognose bis 2040 Kölner Statistiker stellen zwei Varianten vor.

P.S. Ich bin mir im Klaren darüber, dass die redaktionelle Richtung bei Westfalen heute von anderen vorgegeben wird, wie vom LWL und der Westfalen-Initiative, die, sagen wir mal, eine ganz eigene Sicht pflegen - vor allem letztere ... ;-)

Meine Kritik richtet sich daher in erster Linie an die eigentlich Verantwortlichen. 

Wer an einer anderen Sicht auf das Thema interessiert ist, sei auf den Zahlenblog aus Bielefeld verwiesen. 

Update:

Jens Korff hat meinen Beitrag auf seinem Zahlenlog in Die Westfalen sterben doch nicht so schnell aus aufgegriffen. 

Weitere Informationen:

Der Knoter von Claas - ein Stück westfälische Wirtschafts- und Technikgeschichte

Von Ralf Keuper

Seinen Aufstieg zu einem der größten Landmaschinenhersteller der Welt verdankt Claas in hohem Maß dem Knoter; dem, wenn man so will, ersten Verkaufsschlager des Unternehmens. Noch heute ziert der Knoter das Firmenlogo. 

Donnerstag, 13. August 2015

Westfalenlob auf der Wissensoffensive 2015

Von Ralf Keuper

Auf der Wissensoffensive 2015, die am vergangenen Montag in Hagen stattfand, hatte ich die Gelegenheit, auf einer Podiumsdiskussion meinen privat betriebenen Blog Westfalenlob vorzustellen.

In Zeiten zunehmender Vernetzung und der wachsenden Bedeutung digitaler Plattformen bin ich der Ansicht, dass eine Region wie Westfalen im Netz sichtbar sein sollte. Die Präsenz im Internet sollte sich dabei nicht auf ökonomische Themen beschränken. Mit Kunst, Kultur, Geschichte und nicht zuletzt mit den Menschen der Region zu werben, ist ein nicht zu unterschätzender Punkt, wenn es um die Anziehung potenzieller Arbeitnehmer, (Startup-)Unternehmer und Forscher geht - in diesem Punkt hat Richard Florida mit seiner Kreativen Klasse m.E. Recht. 

Mein Dank gilt den Veranstaltern, dass sie mir die Gelegenheit gegeben haben, an prominenter Stelle für die Region sowie für meinen Blog und dessen Idee zu werben. 

Dienstag, 11. August 2015

Wissensoffensive 2015: Südwestfalen meets Wirtschaft 4.0

Von Ralf Keuper

Gestern fand in Hagen die "Wissensoffensive 2015" unter dem Motto: "Go digital: Management in Wirtschaft 4.0" statt. 
Als Hauptredner angereist waren die Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium und ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, Andreas Metzger von der Big Data Value Association (Brüssel), Internetpionier Hannes Bauer, der die erste deutsche Suchmaschine, Kolibri, auf den Markt brachte und Erich Behrendt vom Kompetenznetzwerk wisnet

Im Zentrum der Veranstaltung stand die Frage, welche Auswirkungen die zunehmende Vernetzung der Industrie, d.h. die Kommunikation der Maschinen untereinander, auf die vorwiegend mittelständisch geprägte Wirtschaft Südwestfalens mit ihren zahlreichen Weltmarktführern hat. Handelt es sich hierbei wiederum um ein weiteres Modethema, das mit der Zeit von einem anderen abgelöst wird, oder verbirgt sich mehr dahinter, und falls ja: Welche Chancen und Risiken ergeben sich daraus?

Weitgehende Einigkeit herrschte in den verschiedenen Foren der Veranstaltung darüber, dass die Zeiten, in denen sich die Unternehmen nur um die Qualität ihrer Produkte zu kümmern brauchten und den Absatz über die gewohnten Kanäle (Fachhandel, Direktvertrieb, Handwerker) delegieren konnten, sich dem Ende neigen. Zum direkten Kundenkontakt kommt es häufig nur dann, wenn ein Problem auftritt, worum sich der eigene Kundendienst oder Dritte (Handwerker) kümmern. 

Allein mit Blick auf die Vorgaben der großen Automobilkonzerne an die Zulieferer, was die Kommunikationsfähigkeit der Komponenten betrifft, z.B. mittels Sensoren, wurde deutlich, dass sich schon heute kaum noch ein Unternehmen der Vernetzung entziehen kann. Ob das Szenario autonom handelnder Kühlschränke tatsächlich Realität wird, sei dahin gestellt. Jedoch spricht viel dafür, dass Geräte bzw. technische Objekte künftig autonom agieren werden, d.h. selbständig Entscheidungen treffen und Prozesse auslösen können, wobei große Mengen von Daten anfallen. 

Neu an dieser Entwicklung ist nun, und hier beginnen die Chancen und Risiken, dass große digitale Plattformen wie Apple, Samsung, Google, facebook, Alibaba, Amazon & Co. über ihre zentrale Stellung für den Handel (E-Commerce) an Daten gelangen, die Rückschlüsse auf die Produkteigenschaften zulassen. Im Extremfall kann das dazu führen, dass die Maschinen von Dritten nachgebaut werden können, ohne dass dabei zwangsläufig Patente verletzt werden. Die Informationen, z.B. in Form von Reklamationen, können auch dazu verwendet werden, bessere Produkte, Maschinen herzustellen, noch ehe der eigentliche Hersteller im Bild ist. Hinzu kommt, dass die riesigen Datenmengen und die Schlüsse, die sich daraus auf Produkteigenschaften und Kundenverhalten ziehen lassen, neue Geschäftsmodelle ermöglichen, die mit der eigentlichen Maschine nur noch indirekt zu tun haben. 

Ein Beispiel dafür ist das Smart Farming. Hier betreiben die Landmaschinenhersteller Claas, GEA und Amazone eine Plattform, die Informationen, die während des Dreschens und im eigenen Betrieb anfallen, liefert, anhand derer die Landwirte ihre Abläufe verbessern können. (Vgl. dazu: Die Macht der Daten schlägt in allen Branchen durch). 
Übertragen auf die südwestfälische Wirtschaft könnten neue Geschäftsmodelle in der Sanitärbranche, in der Drahtherstellung und in der Leuchtenherstellung in der Weise entstehen, dass mehrere Unternehmen einer Branche sich zusammentun, und ähnlich wie im Smart Farming, die während der Betriebsdauer und in Interaktion mit den Kunden anfallenden Informationen auswerten, und Empfehlungen für die Verbesserung der Abläufe geben. 

Bereits im Jahr 1984 schrieb Michael E. Porter über den Wettbewerbsvorteil Information
Die Informationstechnik erzeugt im Lauf ihres Einsatzes im Unternehmen immer mehr Daten, die zuvor nicht verfügbar waren. Sie ermöglicht auch eine weit gründlichere Analyse und die Nutzung einer immer breiten Datenbasis. Die Zahl der Variablen, die ein Unternehmen analysieren oder kontrollieren kann, hat in dramatischer Weise zugenommen.
Heute sind die Möglichkeiten dazu unendlich größer, sowohl was die interne Verwendung der Daten, als auch was die Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Unternehmen und den Kunden betrifft. 

Wo Chancen bestehen, da sind die Risiken bekanntlich nicht weit. Hannes Bauer wies in einer Diskussionsrunde darauf hin, dass die Hersteller ein vitales Interesse an der Hoheit über ihre Daten haben müssen - insbesondere aus den bereits genannten Gründen. Für ihn sind die Schnittstellen (APIs) die neuen Handelsrouten. Wieviel Daten über diese Handelsrouten an welchen Empfänger gehen, liegt in der Hoheit des Herstellers, d.h. ein Dritter bekommt nur begrenzten Zugriff auf die Daten. Wichtig ist, dass nur die für einen Auftrag nötigen Informationen über die Handelsrouten (APIs) in verschlüsselter Form den Empfänger erreichen. Wie die Daten genau entstanden sind, bleibt äußeren Blicken entzogen. Tiefere Einblicke in die Daten zu gewähren, liegt im Ermessen des jeweiligen Herstellers. 

Um auf Dauer ein Gegengewicht gegen die großen global agierenden Plattformen bilden zu können, empfiehlt Hannes Bauer die Errichtung eigener branchenspezifischer und/oder branchenübergreifender Plattformen, die er in Anlehnung an die Hansekaufleute des Mittelalters Hanse 2.0 nennt. Denkbar sind auch regionale und/oder länderübergreifende Plattformen. Wichtig ist, dass auf diesen verschlüsselten Plattformen jeder Anbieter die Hoheit über seine eigenen Daten erhält und selbst entscheiden kann, ob und zu welchem Zweck er seine Daten mit anderen teilt, u.a. in Form gemeinsam ausgeschriebener Wettbewerbe (Crowdsourcing). Auf diese Weise können Deutschland und Europa ihre Digitale Souveränität zurückgewinnen bzw. behaupten. 

Sofern wir uns also auf unsere Stärken besinnen und erkennen, dass die Daten und die Art und Weise, wie wir damit umgehen, darüber entscheiden, ob man als Hersteller noch wahrgenommen wird, d.h. in der Lage ist, Software und Hardware miteinander kombinieren zu können und den Kontakt mit den Kunden nicht an andere verliert, überwiegen die Chancen. Anderenfalls droht der Abstieg, wie es u.a. in der Studie Geschäftsmodell-Innovationdurch Industrie 4.0 Chancen und Risiken für den Maschinen- und Anlagenbau heisst: 
Parallel dazu fassen Unternehmen aus der Wissens- und Internet-Ökonomie in der Maschinenbaubranche Fuß. Sie betreiben föderative Plattformen, auf denen Softwareanbieter intelligente Services zur Produktionsoptimierung als Software-Services (z. B. Apps) zur Verfügung stellen. Diese Apps verarbeiten Prozess- und Maschinendaten und unterstützen den Wertschöpfungsprozess der Maschinenbetreiber direkt und umfassend. Zentraler Anlaufpunkt der Kunden ist die Plattform bzw. der Anbieter der Applikation. 
Durch eine solche Entwicklung würde die direkte Schnittstelle zum Nutzer der Maschine vom Maschinenhersteller an den Softwareanbieter oder Dritte übergehen. Somit könnte der Maschinenhersteller sich lediglich über die Hardware differenzieren, wobei ein großer Teil des Kundennutzens in der Usability liegt, welche hauptsächlich durch die Software erzeugt wird. Dies würde bedeuten, dass eine weitreichende Differenzierungsmöglichkeit und der direkte Kontakt zum Kunden wegfallen und der Maschinenhersteller an Wettbewerbsfähigkeit und Marktmacht verliert. Maschinenhardware würde auf diese Weise im Extremfall zur Commodity in einem preisumkämpften Markt werden. Unternehmen, deren technologischen Alleinstellungsmerkmale durchschnittlich oder schwach ausgeprägt sind, können in diesem Umfeld kaum überleben.
Weiterhin kam die Anregung auf, dass die Hersteller die Nähe zu Startups bzw. zur Startup-Szene suchen sollten. Hier sind häufig neue, frische Ideen vorhanden, die häufig aber eines Praktikers bedürfen, um zum Erfolg zu kommen. In aber auch außerhalb von Westfalens, man denke nur an Dortmund mit der TU und dem Technologiezentrum und die Startup-Hochburg Berlin, sind genügend Startups unterwegs, die als Partner infrage kommen könnten. 

Kurzum: Unterm Strich derzeit (noch) mehr Chancen als Risiken. 



Sonntag, 9. August 2015

Weltmarktführer aus Westfalen #5

Von Ralf Keuper

Eine weitere Folge aus der Serie Weltmarktführer und Hidden Champions aus Westfalen, heute mit
  • alanod Weltmarktführer in der Veredlung von Aluminiumbändern
  • Kannegiesser Weltmarktführer Bügelmaschinen für die Bekleidungsindustrie
  • Trilux - europaweiter Marktführer für technische Leuchten
  • Wortmann Schuh-Holding Führendes Schuhproduktions- und Schuhvertriebsunternehmen in Europa
  • Kuchenmeister Weltmarktführer bei Baumkuchen und Christstollen
  • Schwing Weltmarktführer Betonpumpen
  • Mennekes Weltweit führender Hersteller von genormten elektrischen Steckvorrichtungen
  • Delius Klasing Europas größter Wassersportverlag
  • Brillux Marktführer als Direktanbieter und Vollsortimenter im Lack- und Farbenbereich
  • Lödige Industries Weltmarktführer für Air Cargo Handling Terminals

Samstag, 8. August 2015

"Beiträge zur Frühgeschichte Westfalens" von Wilhelm Winkelmann

Von Ralf Keuper

Der unter dem Beinamen "Der Ausgräber" über die Grenzen Westfalens hinaus bekannte Wilhelm Winkelmann hat der Archäologie Westfalens über Jahrzehnte Gesicht und Stimme gegeben. 
Kaum vorstellbar, dass zu seiner Zeit der Landesteil Westfalen im Kulturgutachten der Landesregierung NRW nur geringe Berücksichtigung gefunden hätte. Statt über die angebliche Benachteiligung Westfalens zu lamentieren und sich darin zu erschöpfen, wie es im LWL seit Jahren der Fall ist, war Winkelmann nicht nur ein Stubengelehrter und Bürokrat, sondern ein Mann der Tat, der seiner Arbeit mit Leidenschaft nachging. Diese Leidenschaft wird für den Leser der Beiträge zur Frühgeschichte Westfalens auf jeder Seite spürbar. 

Die Stationen seiner Ausgrabungstätigkeit führten Winkelmann durch ganz Westfalen. Wichtigste Orte waren dabei Vreden, Warendorf, Beckum, Holsterhausen, Münster und Paderborn. Die Ausgrabung der Paderborner Kaiserpfalz machte Winkelmann bundesweit bekannt. Sie darf wohl als sein wichtigstes Projekt angesehen werden, weshalb die Beiträge über die Anfänge der Besiedlung des Paderborner Landes, der ersten karolingischen Anlage bis hin zur unter Bischof Meinwerk errichteten ottonischen Kaiserpfalz großen Raum einnehmen.

Jedoch würde es seiner Arbeit und der Region bei weitem nicht gerecht werden, ihn ausschließlich mit der Paderborner Kaiserpfalz in Verbindung zu bringen.

Besonders die Ausgrabungen in Vreden in den Jahren 1950 und 1951 müssen Winkelmann große Freude bereitet haben, als unter der von Bomben zerstörten Pfarrkirche St. Georg die Reste eines karolingischen Baus zum Vorschein kamen. Ergriffen notierte Winkelmann:
Wir hatten den historischen, durch Urkunde, Überlieferung und Bodenfunde umrissenen Raum des ausgehenden 8. Jahrhunderts betreten, in dem die sicher fassbare Kontinuität von fast 1200jähriger Geschichte einmal begann. 
Neben Vreden zählen die Ausgrabungen in Holsterhausen, die ein bis dahin unbekanntes Römerlager ans Licht brachten und vor allem in Warendorf zu den weiteren Höhepunkten seiner beruflichen Laufbahn. In Warendorf, genauer gesagt Neuwarendorf und Warendorf-Velsen, konnten die Archäologen eine ausgedehnte Sächsische Siedlung zu Tage fördern, die vom 7. bis zum 9. Jahrhundert n.Chr. bewohnt war. Ein in dieser Form zum damaligen Zeitpunkt einmaliger Fund in Westfalen. Neu hinzugekommen in den letzten Jahren ist die Siedlung Balhorn im heutigen Paderborn, die eine kontinuierliche Besiedlung von der Zeit der Römer bis ins später Mittelalter aufweist. 

Von nicht minderer Bedeutung war die Entdeckung des Sächsischen Fürstengrabes bei Beckum, eine weitere archäologische "Sensation". Mittlerweile konnte ein ähnlicher Fund, das Adelsgrab in Wünnenberg-Fürstenberg gemacht werden. 

Diese und noch weitere lebhafte Eindrücke gewinnt der Leser während der Lektüre der Beiträge, die in schönster Gelehrtenprosa verfasst sind, dazu noch in einem Erzählstil, der zu fesseln weiß, was bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen keinesfalls die Regel ist. 

Weitere Informationen:

Südwestfalen und England. Mittelalterliche und frühneuzeitliche Handelsbeziehungen

Von Ralf Keuper

Westfälische Kaufleute der Hanse unterhielten bereits im 13. Jahrhundert intensive Handelsbeziehungen mit England. Im Londoner Stalhof taten sie sich mit Kaufleuten anderer Regionen Deutschlands zusammen. 
Nach Martin Weinbaum gab es in London zwei Hansekontore bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts. Es waren die Kölner Hanse und das Kontor der Osterlinge aus dem Ostseeraum, zunächst der Gotlandfahrergenossenschaft, später vornehmlich Lübeck. Daneben spielte Dortmund in letzterem Kontor eine führende Rolle . Es stellte hier die meisten Älterleute und gab am 19. April 1320 für König Eduard II. von England ein Zeugnis für die Soester Kaufleute über ihre alte Zugehörigkeit zu diesem Kontor.
Westfalen hielten sich zu dem Kontor der Osterlinge, dem Stalhof, die Soester Anfang des 14. Jahrhunderts vorübergehend zur Kölner Hanse, wohl als kölnische Untertanen, obwohl nach der Schlacht bei Worringen 1288 die Stadt Köln ziemlich unabhängig vom Erzbischof war. Zwei Soester Kaufleute lieferten 1255 große Mengen Wachs für die Hofhaltung König Heinrichs III. von England.(Quelle: Südwestfalen und England Mittelalterliche und frühneuzeitliche Handelsbeziehungen)
Bereits in der Anfangsphase übernahmen Kaufleute aus Südwestfalen verantwortungsvolle Positionen, wie Hermann Wanmate:
Soest war auch die Heimat von Hermann Wanmate, der als Sekretär des Londoner Hansekontors furchtlos die hansischen Interessen  gegen den Außenseiter Köln vertreten hatte , da Köln sich nicht am Konflikt der Hanse mit England beteiligte (ebd.).
Auch später betrieben südwestfälische Kaufleute einen regen Handel mit England. Daneben kam es zu einem nicht unerheblichen Technologietransfer aus dem märkischen Sauerland nach England:
Im 16. Jahrhundert wanderten deutsche Waffenschmiede nach England ein. Märkische Drahtzieher haben später den englischen Drahtzug beeinflußt. Seit dem 17. ,Jahrhundert wird die Einfuhr von Draht und anderen Eisenwaren des märkischen Sauerlandes nach England berichtet (ebd.).
Auch sonst standen zahlreiche Händler aus Südwestfalen in ständigem Austausch mit England:
Aus Menden im kölnischen Sauerland stammte wohl Joh. von Menden als Gläubiger einer Zoll vorauszahlung um 1327 ; "Joh. de Mendone, mercator de hansa Alemanniae 1382. Nach M e s c h e d e nannte sich Joh. von Mescede 1412 als "cognatus" und Testamentsvollstrecker des Joh. von Dreve, 1410-1412 im Londoner Handel mit Pelzen; dieser nannte sich wohl nach Dreve bei Lüdenscheid oder Schwelm. Aus Brilon stammte wohl Johs. de Brilo, der 1255 Wachs an die britische Krone liefert . Kaufleute aus Affeln werden als Dortmunder Bürger von 1274-1355 im Englandhandel genannt , desgleichen aus Aus Werl ab 1298-1351. Sundern (Reginald) von dem Preußenland , südlich von Arnsberg, stammte wohl Reyner Sondern, der um 1370-1380 mit Pelzwerk in England handelt, vermutlich gehörte er zur ab 1387 in Thorn erwähnten Familie von Sundern, aus Arnsberg stammend . Aus dem Raum stammte Herrn. Finnentrop , der 1389 Wachs und andere Waren nach England verschifft (ebd.). 
Bekannte Hansestädte aus Südwestfalen sind Attendorn, Soest, Lippstadt, Medebach und Rüthen. 

In den Jahren 2011 und 2013 wurden die Westfälischen Hansetage in Olpe und Rüthen augerichtet. 

In Herford residiert der Westfälische Hansebund