Samstag, 28. März 2015

Westfalen News #7

Von Ralf Keuper

Und wieder eine Aufstellung einiger Beiträge aus und über Westfalen, die mir in der zurückliegenden Woche aufgefallen sind:

Windows-Update wird den Finke Baskets Paderborn zum Verhängnis

Von Ralf Keuper

Paderborn schmückt sich gerne mit dem Titel, das Silicon Valley (nicht nur) Ostwestfalens zu sein, und auch die Hochschule bezeichnet sich als Universität der Informationsgesellschaft. Die Finke Baskets scheint die geballte IT-Kompetenz noch nicht erreicht zu haben, oder anders ausgedrückt: Der Spill-Over-Effekt ist ausgeblieben. 
Eine breite, sogar internationale Öffentlichkeit, wurde auf dieses Defizit aufmerksam, als die Meldung durch die Medien ging, dass ein Windows-Update verantwortlich für den Zwangsabstieg der Basekts aus der 2. Basketball-Bundesliga sei. Die Aktualisierung des Betriebssystems zog sich unerwartet in die Länge, weshalb die Partie erst mit 25minütiger Verspätung angepfiffen werden konnte. Laut Reglement sind Partien, die mit mehr als 15 Minuten Verzögerung starten, als Niederlage für den Gastgeber mit einem Punktestand von 0:20 zu werten. So war der Sieg mit 69:62 Punkten gegen Chemnitz für die Katz. 

Selbst in den USA nahm man Anteil an der vermeintlichen Panne mit dem Windows-Betriebssystem. Allerdings könnte das technische Problem weit mehr umfassen, als das Windows-Update. Wie inividis in Scoreboard-Desaster an der Pader – Probleme seit Jahren schreibt, plagen den Verein schon seit längerem Probleme mit seiner Anzeigetafel, dem Scoreboard, und hier insbesondere die Ansteuerung des Boards. 

Gegen Ende heisst es in dem Beitrag:
Die Basketballer, die in ihrer Vereinsgeschichte verschiedene Sponsoren hatten, und deshalb schon als Webmoebel Baskets und aktuell als Finke Baskets auftreten, haben sich in der Vergangenheit mehrfach um Sponsoren aus dem IT-Umfeld bemüht.
Entsprechende Unternehmen in Paderborn und Umgebung gibt es zuhauf: 300 IT-Firmen sollen es sein, weshalb man sich selbst auch gern als ostwestfälisches oder gar deutsches Silicon Valley bezeichnet. Der Plan, als IT City Baskets auftreten zu können, ist dem Basketballclub von der Pader bisher immer verwehrt geblieben.
Vielleicht ist der Zeitpunkt jetzt ja günstig ;-) 

Katholikentag: Der neue Geiz von Münster?

Von Ralf Keuper

Der Beschluss des münsterschen Stadtrats, die Ausrichtung des Katholikentages finanziell nicht zu unterstützen, hat, wie nicht anders zu erwarten, in der Öffentlichkeit und in den Medien ein breites Echo ausgelöst.

Bis auf wenige Ausnahmen, wie die taz, äußert sich die Mehrzahl der Beiträge kritisch zur Entscheidung; so jedenfalls meine Beobachtung. 
In den Westfälischen Nachrichten kann Dirk Anger in Reiches Land - armes Münster seine Entrüstung kaum verbergen, und in der Freien Welt sieht sich Peter Winnenmöller gezwungen das Klischee von Schwarz, Münster, Paderborn zu bemühen. Bei aller Kritik an dem "irrationalen Abstimmugsverhalten der linksrotgrünen Ratsmitglieder" bringt er, was die finanzielle Belastung der Stadt angeht, ein gewisses Verständnis für die Entscheidung auf. 

Am besten bringt die Diskussion die SZ in Der Geiz von Münster auf den Punkt, wenngleich auch hier das Unverständnis über die Entscheidung überwiegt:
Für die Veranstalter von Katholikentagen wie evangelischen Kirchentagen bedeutet der Beschluss: Sie können sich der einst selbstverständlichen Unterstützung der Kommunen nicht mehr sicher sein. Sie werden immer neu begründen müssen, was sie zum Nutzen der Stadt tun wollen. Die schlechteste Übung ist das nicht. Und vielleicht übernehmen ja künftig die - schuldenfreien - Kirchen einen größeren Anteil an der Finanzierung der Treffen. Und zeigen, was die ihnen wert sind.
Ganz gleich, wie man zu der Entscheidung auch stehen mag: Die Kirchenverantwortlichen werden sich an den Gedanken gewöhnen müssen, dass die Katholische und die Evangelische Kirche längst nicht mehr alle Teile der Bevölkerung repräsentieren, und daher keinen Sonderstatus für sich (mehr) beanspruchen können. Beide zusammen repräsentieren Stand 2011 58,8 Prozent der Bevölkerung. Angesichts steigender Austrittszahlen dürfte der Anteil inzwischen niedriger liegen.  

Überhaupt genießt die katholische Kirche, was die Förderung durch den Staat bzw. die öffentliche Hand angeht, eine in dieser Form in anderen Ländern weithin unbekannte Sonderbehandlung, weshalb die Stimmen, die eine Abschaffung der Kirchensteuer fordern, nicht verstummen. 

So arm, dass sie sich an den Kosten für die Ausrichtung ihrer Großveranstaltungen nicht beteiligen könnte, ist die Katholische Kirche nun wahrlich nicht, wie ein Blick auf ihre Vermögenssituation zeigt



Freitag, 27. März 2015

Samstag, 21. März 2015

Westfalen News #6

Von Ralf Keuper

Erneut eine Aufstellung einiger Beiträge aus und über Westfalen der zurückliegenden Woche, die mir aufgefallen sind:

Samstag, 14. März 2015

Cybersecurity "Made in Westfalen"

Von Ralf Keuper

Die wachsende Durchdringung unseres Alltags durch das Internet bringt Fragen der Sicherheit im Netz, der Cybersecurity, automatisch auf die Tagesordnung. Nicht erst durch den NSA-Skandal ist einer breiten Öffentlichkeit bewusst geworden, wie gläsern der Einzelne im Internet inzwischen geworden ist. Der Hunger der sog. Datenkraken nach Informationen über das Nutzerverhalten, um daraus Profit zu erzielen, scheint unstillbar zu sein. Daten sind das neue Öl der Gesellschaft. Inzwischen nimmt die Zahl der Initiativen, die den Nutzer wieder zum Souverän über seine Daten machen wollen, zu, wie der in Bielefeld ansässige Verein Digitalcourage, das Projekt "Free Your Data" oder der Verein Data Assistance Europe

Hinzu kommt, ähnlich wie in der analogen Welt, die Bedrohung durch Betrugsfälle. 

Das alles bietet für Unternehmen und wissenschaftliche Institute ein großes Betätigungsfeld. Als ein besonders fruchtbarer Boden für das Thema Cybersecurity hat sich in den letzten Jahren Westfalen entwickelt. 

Unter den wissenschaftlichen Einrichtungen ragen die RuhrUni Bochum und die Westfälische Hochschule in Gelsenkirchen hervor. Aus Bochumer Sicht sind dabei vor allem das Horst Götz Institut für IT-Sicherheit, das iseclab sowie das Gemeinschaftsprojekt unter Beteiligung der RuhrUni Bochum,  K3112, zu erwähnen, während in Gelsenkirchen das Institut für Internet-Sicherheit eine führende Rolle spielt. 

Bochum ist auch Sitz von G-Data, das nach eigener Aussage die weltweit erste Antiviren-Software auf den Markt gebracht hat. 

Eng mit dem Thema Cybersecurity verbunden ist die Kryptografie (Verschlüsselung), als dessen Vater gemeinhin Alan Turing gilt. Eng mit Turing in Austausch stand Heinrich Scholz, der währen der 1930er Jahre an der Uni Münster lehrte, und nach Ansicht von Achim Clausing dort auch die weltweit erste Informatik-Vorlesung abhielt. 

Ein bekannter Kryptoanalytiker war Erich Hüttenhain, ein, wenn man so will, Gegenspieler Alan Turings während des 2. Weltkrieges. Ein international anerkannter Kryptoforscher ist Eike Kiltz, der an der RuhrUni Bochum lehrt. 

Kaum ein Thema  wird derzeit so häufig in einem Atemzug mit der Kryptografie und der Cybersecurity genannt, wie die Digitalen Währungen sowie die Blockchain-Technologie. Von besonderer Bedeutung ist dabei die sog. Kurze Weierstraß-Gleichung, die auf den Mathematiker Karl Weierstraß, gebürtig aus Ostenfelde im Kreis Warendorf, zurückgeht. 

Wer sich mehr für den Zusammenhang interessiert, sei auf den Vortrag von Rüdiger Weis hingewiesen:


Lesenswert auch der Beitrag Bitcoin: Geldverkehr ohne Banken. Kryptografie wird Währung vom Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet, der im Netz zum Download zur Verfügung steht. 

In Herford residiert übrigens die Bitcoin Deutschland AG, der erste und größte Handelsplatz für Bitcoins in Deutschland. 

Nicht die schlechtesten Voraussetzungen also, um bei einem der zentralen Zukunftsthemen vorne dabei zu sein. 

Weitere Informationen:

10 Jahre "Das Labor" in Bochum



Westfalen News #5

Von Ralf Keuper

Wiederum eine Aufstellung einiger Beiträge aus und über Westfalen der zurückliegenden Woche, die mir aufgefallen sind:

Sonntag, 8. März 2015

"Der Gigant an der Ruhr. Das Ruhrgebiet wie es einmal war - mit eindrucksvollen Bildern aus den 1920er Jahren"

Von Ralf Keuper

Im Jahr 1928 erschien der Bildband Der Gigant an der Ruhr. Das Werk ist heute nur noch antiquarisch erhältlich. 

Im aktuellen Geschäftsbericht der Gesellschaft für Westfälische Wirtschaftsgeschichte e.V. heisst es dazu u.a.:
Der "Gigant", der zu den Raritäten in der Bibliothek des Westfälischen Wirtschaftsarchivs zählt, stellt die Metropolis Ruhr, die Schriftsteller und Fotografen in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre für sich entdeckten, in den unterschiedlichsten Facetten vor. In beeindruckender Bildsprache zeigen die Fotografen ländliche Idylle und stille Winkel, das pulsierende Leben in den Großstädten, die harte Arbeit vor Kohle um im Hüttenwerk und den Alltag der Menschen, aber auch sterbende Wälder und immer wieder Fördergerüste und Hochöfen, Halden und rauchende Schlote - die typischen Wahrzeichen und Symbole einer von schwerindustrieller Produktion und Infrastruktur gezeichneten Industrie- und Kulturlandschaft. 
Zu den Fotografen zählen u.a. Erich Angenendt, Anton Meinholz und Fritz Mielert.

Das Vorwort zu dem Bildband stammt von Hans Spethmann, auf den die Wortschöpfung "Ruhrgebiet" zurückgeht. 

Samstag, 7. März 2015

"Adam & Eva. Zwei arme Teufel aus Westfalen" von Rainer A. Krewerth

Von Ralf Keuper

In dem Buch Adam & Eva. So zogen Sonderlinge über das Land setzte Rainer Krewerth dem während der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts im östlichen Münsterland weithin bekannten Landstreicher-Pärchen ein literarisches Denkmal. 

Auf dem Buchrücken steht:
Zwei Menschen im Abseits. Sie ziehen ziellos, ruhelos, wahllos über Land. Die wahre Geschichte eines legendären Landstreicherpaars aus den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts - zwei arme Teufel auf ihrem Weg aus der Zeit. Nach dem großen Theatererfolg das Buch über Adam und Eva. 
Bei dem erwähnten Theaterstück handelt es sich um De Landlaipers of Adam und Eva von Hans Schwartze.  

Hinter "Eva" verbarg sich Maria Micheel, geb. Rickers, hinter "Adam" ihr Ehemann Anton Micheel.  

Walter Werland beschreibt das Pärchen in Aus Greffens alten Tagen wie folgt:
Viele haben sie noch gesehen. Anderen sind sie nur noch vom Hörensagen bekannt: Adam und Eva, die beiden Originale, die in den drei Jahrzehnten nach der Jahrhundertwende durch das Münsterland zogen und vornehmlich sich im östlichen Münsterland, im Kreis Warendorf und im Amtsbezirk Harsewinkel aufhielten. Viele Döhnekes ranken sich um die Lebensgeschichte dieses Paares. ... In all den Jahren, da sie ihr Wandertrieb durch die Städte und Dörfer des Münsterlandes ziehen ließ, sind Adam und Eva nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Sie waren friedfertig und gutmütig. Adams Lebensuhr lief im Jahre 1928 ab. Mit hohem Fieber hatte er tagelang in einer Scheune bei Freckenhorst gelegen. Propst Schrull und Dr. med. Koch kümmerten sich um die alten Leute und wollten sie in ein Krankenhaus bringen. Beide wehrten sich energisch. Die Feuerwehr musste gerufen werden, und unter handgreiflichen und wortreichen Protesten .. wurden sie in das St. Rochus-Hospital in Telgte gebracht. ... Seine treue Gefährtin Eva wollte erneut in die Ferne. Sie hatte bereits einen Weggenossen gefunden und konnte nur mit Mühe von den Schwestern zurückgehalten werden. Im Jahre 1930 starb auch sie. Beide, Adam und Eva, wurden auf dem Telgter Friedhof beigesetzt. Wo ihre Gräber genau liegen, ist jedoch nicht mehr bekannt. 

Westfalen News #4

Von Ralf Keuper

Erneut eine Aufstellung einiger Beiträge über und zu Westfalen der zurückliegenden Woche, die mir aufgefallen sind:

Sonntag, 1. März 2015

1945 - Ende und Anfang: Vortrag von Prof. Dr. Norbert Frei in Dortmund

Von Ralf Keuper

Am vergangenen Donnerstag (26.02.2015) hielt der renommierte Historiker Norbert Frei auf Einladung der Gesellschaft für Westfälische Wirtschaftsgeschichte im Westfälischen Industrieklub in Dortmund den Vortrag 1945 - Ende und Anfang.

Frei machte darin u.a. klar, dass es 1945 nicht um die Befreiung Deutschlands von den Nazis, sondern um die der Welt von der nationalsozialistischen Ideologie ging. Besonders eindrücklich waren die Schilderungen amerikanischer Journalisten, wie Martha Gellhorn oder Melvin Lasky, die im Jahr 1945 Deutschland bereisten. Anders als sie vermutet hatten, stießen sie bei ihren Gesprächen auf Menschen, die behaupteten, keinerlei Sympathien für den Nationalsozialismus gehegt zu haben. Auch von den Greueln in den Konzentrationslagern habe man nichts gewusst. Überzeugte Nazis waren plötzlich unauffindbar. 
Statt sich mit der eigenen Verantwortung auseinanderzusetzen, nahmen viele, u.a. unter dem Eindruck der Nürnberger Prozesse, nur allzu gerne Zuflucht zur Kollektivschuld. Auf einmal sahen viele das gesamte deutsche Volk auf der Anklagebank. Durch diese Selbsttäuschung glaubte man sich der Frage nach der individuellen Verantwortung entledigen zu können. Gleich nach Ende des Krieges griff Karl Jaspers das Thema in seiner Schrift zur Schuldfrage auf. Darin lehnte er eine Kollektivschuld der Deutschen ab, betonte aber die Pflicht zur"politischen Haftung". Wer wollte, konnte, musste von den KZs wissen. Die Deportationen erfolgten in aller Öffentlichkeit, die Reichskristallnacht war allen bekannt. 

Die Aufgabe, sich dieser Verantwortung bewusst zu sein und ihr gerecht zu werden, bleibt nach Frei für die nachfolgenden Generationen, die keinerlei Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus haben, bestehen. 

Weitere Informationen: