Sonntag, 28. Dezember 2014

Westfalen - einige Gründe, dieses Land zu lieben

Von Ralf Keuper

Im kommenden Jahr feiert die Provinz Westfalen ihren 200. Geburtstag. Die Welt am Sonntag nahm dies zum Anlass, 15 Gründe anzuführen, weshalb man Westfalen lieben müsse. Gegen die Aufzählung ist an sich nichts einzuwenden; jedoch ist sie, wie bei einer journalistischen Sichtweise nicht unüblich, von Stereotypen und einigen Verzerrungen geprägt, weshalb ich an dieser Stelle meine persönliche "Bestenliste" präsentieren möchte, ohne nun meinerseits den Anspruch auf Vollständigkeit oder Ausgewogenheit zu erheben.

Arminius - Befreier Germaniens und die Schlacht am Teutoburger Wald 

Wohl kaum ein Ereignis hat den Lauf der (deutschen) Geschichte so beeinflusst wie die Schlacht am Teutoburger Wald, in welcher der Cherusker-Fürst Arminius drei römische Legionen in einen Hinterhalt lockte und sie vollständig auslöschte. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus bezeichnete Arminius nicht umsonst als den "Befreier Germaniens". In der Nähe von Detmold wurde zu Ehren des Arminius das Hermanns-Denkmal errichtet. 

Widukind - härtester Widersacher Karls des Großen

Der Grund dafür, weshalb die Christianisierung im alten Sachsen, wozu weite Teile des heutigen Westfalens zählen, deutlich später als in den anderen deutschen Regionen vollzogen wurde, liegt an dem erbitterten Widerstand des Sachsenherzogs Widukind. Erst nach einigen Feldzügen gelang es Karl dem Großen in den Sachsenkriegen Widukind zu bezwingen und zum christlichen Glauben zu bekehren. Aus dieser Zeit stammt auch das sächsische Taufgelöbnis

Heliand - Old Saxon Prayer

Das altsächsische Großepos Heliand, das vermutlich in Corvey entstand, gilt als das bedeutendste Frühwerk deutsche Literatur. 

Westfälischer Friede / Westfälisches Staatensystem

Mit dem Westfälischen Frieden endete der Dreißigjährige Krieg. Zugleich veränderte der Vertragsschluss die Landkarte Europas mit Auswirkungen, die noch bis heute reichen, wie in dem sog. Westfälischen Staatensystem.

Westfälische Kunstwerke und Kunstschätze

In Westfalen und von Westfalen sind über die Jahrhunderte zahlreiche Kunstwerke von hohem Wert entstanden, wie die karlolingischen Malereien im Kloster Corvey, das Mindener Kreuz oder das Bockhorster Triumpfkreuz. 

Pumpernickel 

Wohl kaum ein Nahrungsmittel ist so eng mit Westfalen verbunden wie das Schwarze Brot der Westfalen - der Pumpernickel

Westfälischer Schinken

Was für den Pumpernickel zutrifft, gilt auch für den Westfälischen Schinken. Ende vergangenen Jahres wurde der Westfälische Knochenschinken in das europäische Register der geschützten Ursprungsbezeichnungen und der geschützten geografischen Angaben eingetragen.

Westfälisches Bier- und Brauwesen

Das Bierbrauen hat in Westfalen eine lange Tradition, die bis in die heutige Zeit reicht. Dortmund war gegen Mitte des 20. Jahrhunderts Europas Bierstadt Nr. 1. Die größten Privatbrauereien Deutschland, wie Veltins, Krombacher und Warsteiner haben ihren Sitz in Westfalen. 

Westfälischer Humor

Er mag trocken sein, verfehlt aber selten seine Wirkung: Der westfälische Humor. Auffallend viele Satiriker, Kabarettisten und Comedians, wie Rüdiger Hoffmann, stammen aus Westfalen

Westfalen - Land des Pferdes

Das Pferd hat in Westfalen einen besonderen Stellenwert. Nicht nur deshalb ist das Westfalen- oder Sachsenross das Wappentier Westfalens. Heute ist Westfalen die wohl unbestrittene Hochburg des Pferdesports in Deutschland mit seiner Metropole Warendorf. 

Die Hanse 

Die Hanse und Westfalen gehören eng zusammen. Dafür spricht neben der hohen Anzahl der Hansestädte in Westfalen auch die Riege der westfälischen Kaufleute der Hanse

Design-Hochburg Westfalen

Westfälische Produkte werden über alle Produktkategorien hinweg mit Design-Preisen ausgezeichnet

Wirtschaftsregion Westfalen

So vielfältig wie das Land, so ist auch die Wirtschaft in Westfalen. Die Region Südwestfalen ist die drittgrößte Industrieregion Deutschlands, Ostwestfalen-Lippe Deutschlands Hochburg der Möbelherstellung, des Maschinenbaus (nach der Region Stuttgart) und der elektronischen Verbindungstechnik (Weltmarktanteil 75%), das Münsterland mit einer gesunden Wirtschaftsstruktur und der Dienstleistungsmetropole Münster und das gebeutelte (westfälische) Ruhrgebiet mit seiner Metropole Dortmund.

Sport in Westfalen

Neben dem Pferdesport hat in Westfalen der Fussball eine herausragende Bedeutung. Vereine wie Borussia Dortmund und Schalke 04 sprechen für sich. Aber auch sonst hat die Sportlandschaft Westfalens einige Highlights zu bieten.

Die Menschen in Westfalen 

Westfalen und Westfälinnen haben in den verschiedensten gesellschaftlichen, kulturellen, politischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen große Leistungen vollbracht. Beispielhaft dafür stehen einige herausragende Persönlichkeiten

Datenverarbeitung und Informatik in Westfalen

Die Datenverarbeitung in Westfalen reicht bereits in das 10. Jahrhundert zurück und geht über die Gründung des ersten Softwarehauses Europas bis zum weltweit größten Computermuseum in Paderborn.

Westfalen - Land der Burgen und Schlösser

Westfalen ist wohl "das" Land der Burgen und Schlösser in Deutschland. Die Zahl der Schlösser, Burgen und Adelssitze ist beeindruckend. In Westfalen hat es sogar die meisten Schlösser in Europa gegeben. 

Westfälische Mundart - Plattdeutsch

Das Plattdeutsche gehört, wenngleich die Zahl derer, die es beherrschen über die Jahre deutlich geringer geworden ist, fest zur Kultur Westfalens. Mittlerweile nimmt das Interesse am Plattdeutsch wieder zu. 

Westfälische Bau- und Naturdenkmäler

Zu den markantesten und bekanntesten Bau- und Naturdenkmälern Westfalens zählen der wohl zu den schönsten innerstädtischen Marktplätzen der Welt zählende Prinzipalmarkt in Münster, die Externsteine bei Horn-Bad Meinberg, das Westfälische Freilichtmuseum in Detmold, der St. Patrokli Dom zu Soest, die Wiesenkirche in Soest, die Kaiserpfalz in Paderborn, das Weltkulturerbe Kloster Corvey und das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica.  


Samstag, 27. Dezember 2014

Paderborn - Der Dokufilm

Von Ralf Keuper

Der im November offiziell vorgestellte Paderborn - Der Dokufilm wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. Ein Urteil, dem ich mich nur anschließen kann. 


Hier einige Eindrücke von der Premiere:


Mittwoch, 24. Dezember 2014

Kindelein Zart (Franz Wüllner)

Von Ralf Keuper

Das Lied Kindelein Zart von Franz Wüllner zählt für mich zu den schönsten Weihnachtsliedern überhaupt, und das nicht nur, weil der Komponist Westfale ist. 

Allen Leserinnen und Lesern ein frohes Weihnachtsfest!




Samstag, 20. Dezember 2014

Westfalen - Wiege der mehrstimmigen Musik?

Von Ralf Keuper

Eher zufällig wurde ich auf eine musikgeschichtliche Besonderheit aufmerksam, die - für mich jedenfalls - ein neues Licht auf die Rolle der Musik in Westfalen wirft. 
Und zwar berichtet die SZ in ihrer gestrigen Ausgabe in dem Beitrag Ein Terz früher davon, dass in England womöglich die früheste bekannte mehrstimmige Komposition der abendländischen Musikgeschichte gefunden wurde. Die Handschrift stammt aus dem 10. Jahrhundert. 

Auf YouTube kann man sich bereits die erste Vertonung ansehen/anhören. 


Dem Beitrag nach könnte die Handschrift aus dem rheinisch-westfälischen Raum stammen. In dem Artikel taucht auch der Hinweis auf das Handbuch zur Musiklehre (Musica Enchiriadis) auf, das vermutlich im Kloster Werden im 9. Jahrhundert entstanden ist und als das älteste Werk seiner Art gilt. 
Auch hierzu steht auf YouTube ein Video zur Verfügung. 



Bisher galt das Winchester Tropar als älteste handschriftlich festgehaltene mehrstimmige Komposition.

Weitere Informationen:

Ältestes mehrstimmiges Musikstück entdeckt

Das älteste zweistimmige Stück entdeckt

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Ruhrparlament: Dreiteilung des Landes durch die Hintertür?

Von Ralf Keuper

Die von der rot-grünen Mehrheitsfraktion im Landtag ins Auge gefasste Aufwertung des Regionalverbands Ruhr, weckt, wie das Westfalen-Blatt berichtet, wohl nicht nur in Ostwestfalen-Lippe, bei mir jedenfalls,  die Befürchtung, dass hier die vor einigen Jahren abgeblasene Verwaltungsstrukturreform durch die Hintertür wieder Eingang in den politischen Alltag findet und damit zu einer Dreiteilung des Landes führt (Bin mir bewusst, dass der Vergleich hinkt). Demnach soll ein eigens geplantes Gesetz den Sonderstatus für den Regionalverband Ruhr (RVR) festlegen. Damit soll die direkte Wahl eines Ruhrparlements ermöglicht werden. 

Bereits vor einigen Jahren plante die damalige Landesregierung die Zusammenlegung der Regierungsbezirke in NRW. Sitz der für Westfalen zuständigen Bezirksregierung wäre Münster gewesen. Für den rheinischen Landesteil hätte diese Rolle Köln übernommen. Zusätzlich aber wäre noch ein Regierungsbezirk für das Ruhrgebiet mit Sitz, sofern ich mich recht entsinne, Essen, installiert worden.

Schon damals regte sich gegen dieses Vorhaben, vor allem in Westfalen, parteiübergreifender Widerstand. Die Rede war von einem "Restfalen", da der westfälische Teil des Ruhrgebiets nicht mehr unter die Verwaltungshoheit des bis dahin vorwiegend zuständigen Regierungsbezirks Arnsberg, aber auch nicht unter die des neuen Regierungsbezirks Münster gefallen wäre. 
Selbst die Vertreter der Stadt Dortmund stemmten sich gegen diese Pläne, da sie die verwaltungstechnische und politische Verbindung zu Westfalen nicht verlieren wollten. 

Eine ähnliche Entwicklung wie damals zeichnet sich bereits ab. In Ostwestfalen-Lippe kann man, wie das WB berichtet, dem Plan über die Parteigrenzen hinweg nicht viel abgewinnen. Die Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) spricht gar von einem Popanz um das Ruhrgebiet

Damals nahm die Landesregierung von dem Vorhaben auch Abstand, da man befürchtete bei der nächsten Wahl dafür abgestraft zu werden. Das wird auch die aktuelle Landesregierung in ihren Überlegungen sicherlich berücksichtigen ... 

Wie Landesinnenminister Ralf Jäger bereits einräumen musste, wird das neue Ruhrparlament doppelt so groß und doppelt so teuer wie bisher. So, so. Erst noch ein Mammutparlement installieren, und dann auch noch Anspruch auf einen Soli-West anmelden. Es scheint so, als hätte man im Ruhrgebiet an einigen Stellen noch nicht so richtig realisiert, dass die Gründe für die anhaltenden Probleme des Ruhrgebiets auch in einem Anspruchsdenken gründen, das es immer schwieriger macht, in den anderen Landesteilen das gewünschte Verständnis zu erzeugen.  

Weitere Informationen:



Montag, 15. Dezember 2014

Neuer Blog "200 Jahre Westfalen. Jetzt!"

Von Ralf Keuper

Seit kurzem ist der Blog 200 Jahre Westfalen. Jetzt! live im Netz. Anlass für die Lancierung ist die Gründung der Provinz Westfalen im Jahr 1815. Im kommenden Jahr wird diesem historischen Ereignis auf mehreren Veranstaltungen gedacht. 
Der Blog hat sich daneben zum Ziel gesetzt, der Frage nachzugehen, was es heute heisst, Westfale oder Westfälin zu sein oder was typisch westfälisch ist. 

Gewichtige Fragen also, denen sich der Blog widmet, und die auch auf diesem Blog immer wieder aufgegriffen werden wie in:

Westfalen - einige Gründe, dieses Land zu lieben




Mein Herz für Westfalen. Bilder einer Landschaft

Westfalen. Landschaftliche Ordnung und Bindung eines Landes (Wilhelm Müller-Wille)

Dienstag, 9. Dezember 2014

Wissenschaftskommunikation: Universität Paderborn in den sozialen Medien - Ein Realitätscheck

Von Ralf Keuper

Das Thema Wissenschaftskommunikation ist derzeit "schwer angesagt". Kaum eine Universität, die nicht betont, wie dialogbereit und der Digitalisierung zugewandt sie doch sei. 

In Westfalen hat sich vor allem die Universität Paderborn als Universität der Informationsgesellschaft positioniert. Wie verhält es sich mit diesem Anspruch mit Blick auf die Aktivitäten in den sozialen Netzwerken, insbesondere auf twitter?

Schon der erste Eindruck sorgt für Ernüchterung. 

Sucht man bei twitter nach der Universität Paderborn bekommt man zwar einige Accounts angezeigt, jedoch keines, das man auf den ersten Blick als das offizielle der Uni identifizieren könnte. Einzig die Universitätsbibliothek ist gleich zu erkennen. 329 Follower sind jedoch alles andere als überwältigend. 6 (!) Tweets seit März 2010 zeugen auch nicht gerade von übertriebenem Engagement. 

Die Universität selbst hält es dagegen nicht für angebracht, auf twitter mit einem eigenen Account vertreten zu sein. Zumindest mit keinem, das man ohne großen Zeitaufwand finden kann. 

Wenn auf twitter Informationen über die Universität Paderborn auftauchen, dann stammen die tweets in den allermeisten Fällen von Privatpersonen, die der Uni in irgendeiner Weise nahe stehen. 
Selber aktiv am Dialog teilnehmen zu müssen, darauf scheint man bei der Universität Paderborn verzichten zu können.

Dafür verfügt die Uni aber immerhin über einen RSS-Feed und ein facebook-Account.

Der Uniblog macht dagegen einen guten Eindruck. Allerdings muss man schon gezielt danach suchen. Im Vergleich zu früher ist der Internet-Auftritt der Uni schon wesentlich besser geworden. 

Dennoch: Gemessen am eigenen Anspruch ist das zu wenig. Es ist, für mich jedenfalls, keine klare Kommunikationsstrategie erkennbar. Während die benachbarten Universitäten munter twittern, glänzt man bei der Universität der Informationsgesellschaft mit Abwesenheit.

Freilich: Man kann das Kommunikationsverhalten einer Institution wie einer Universität nicht allein an twitter festmachen. Das wäre übertrieben. twitter ist für Wissenschaftler nicht gerade der bevorzugte Kanal

Indes wäre es vielleicht nicht allzu verkehrt, einen Blick in die Empfehlungen für Social Media der Universität Freiburg (Schweiz) zu werfen. Es interessieren sich ja nicht nur Wissenschaftler für das, was in einer Uni so alles passiert. 

Noch ein weiterer Gedanke: Warum nutzt man nicht die Kreativität der Studenten - nicht nur aus der in Paderborn stark vertretenen Informatik-Fakultät - um die Wissenschaftskommunikation den Realitäten des Web 2.0 , der Digitalmoderne anzupassen? Im Zeitalter von Co-Creation, Open Innovation etc. sollte das für eine Universität der Informationsgesellschaft zumindest eine Überlegung wert sein. Hier könnte man bundesweit eine Vorreiterrolle übernehmen, sofern ... 

Weitere Informationen:

Freitag, 5. Dezember 2014

Musik und nicht-textuelle Objekte im Kontext digitaler Editionen (Zentrum Musik - Edition - Medien)

Von Ralf Keuper

Gestern wurde das Zentrum für Musik - Edition - Medien während eines Festakts in Paderborn in den Räumlichkeiten der Zukunftsmeile Fürstenallee offiziell eröffnet. Dabei handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt ostwestfälischer Hochschulen - der Universität Paderborn, der Hochschule für Musik in Detmold sowie der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo.

Wie die Redner unisono hervorhoben, betritt das Zentrum für Musik - Edition - Medien im noch relativ jungen Forschungsgebiet der Digital Humanities Neuland. 

Besonders deutlich wurde das in dem Festvortrag "Going digital. Vom Einzug des Computers in die Geistes- und Kulturwissenschaften" von Jan Christoph Meister von der Universität Hamburg, zugleich Vorsitzender des Verbands Digital Humanities im deutschsprachigen Raum, und , sofern ich es richtig verstanden habe, in vergleichbarer Funktion auf europäischer Ebene. 

Zunächst gab Meister einen Einstieg in das mittlerweile weite Feld der Digital Humanities. Dabei zog er eine Unterscheidung zwischen analoger und digitaler Signalverarbeitung bzw. -darstellung, um den fast schon paradigmatischen Wandel greifbar zu machen, der sich derzeit in den Geisteswissenschaften, ausgelöst durch die Digital Humanities, vollzieht. 
Während die analoge Darstellung Näherungswerte liefert, kann die digitale Repräsentation mit exakten, eindeutigen Ergebnissen aufwarten.  
Die eigentliche Herausforderung besteht nun darin, die analoge, ganzheitliche Erfahrung und die digitale, in Einzelergebnisse zerfallenden Beobachtung anzunähern, also sie füreinander zu übersetzen. Am Ende des Weges winkt die, wissenschaftstheoretisch nicht zu unterschätzende, Auflösung des sog. hermeneutischen Zirkels durch eine gemeinsame Sprache, eine Lingua Franca, der Wissenschaften. Mehr noch: Der Traum bzw. die Vision einer, wissenschaftlicher Methodik folgenden digitalen Synästhesie, eines neuen Stilelements in den Medien, scheint in greifbare Nähe gerückt, ohne sich dabei dem Verdacht, esoterische Glasspielereien zu betreiben, auszusetzen. 

Dadurch, dass die Methoden und bisher gewonnenen Erkenntnisse der Digital Humanities zum ersten Mal auf nicht-textuelle Objekte angewandt werden, betritt die Forschung - nicht nur bezogen auf die digitalen Musikeditionen - eine neue Stufe. Die Möglichkeiten, die sich daraus für die Musik, die Informatik, die Musik- und Medienwissenschaften ergeben, sind noch nicht absehbar. Es könnten uns also demnächst noch einige Meldungen von Durchbrüchen aus Paderborn und Detmold erreichen. 

Erkennbar wurde in den Vorträgen auch, dass das Projekt auf die Erfahrungen voran gegangener und z.T. noch laufender Projekte aufsetzen kann, was mit ein Grund für den positiven Bescheid des Bundesministeriums für Bildung und Forschung war, welche das Projekt in der ersten Phase mit 1,7 Millionen Euro unterstützt. Danach, so Hans Nierlich von Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, beginne jedoch die Kür, indem eine nachhaltige Strategie/Finanzierung sichergestellt werden muss, wobei er sich zuversichtlich gab, dass dies den Beteiligten gelingen werde.

Zu den angesprochenen Projekten zählen u.a. das Edirom-Projekt sowie Freischütz Digital

Großen Raum nimmt die Modellierung von Softwarewerkzeugen ein, mit denen die digitale Darstellung nicht-textueller Objekte möglich ist. Dabei kommt u.a. die kontextuelle Informatik, wie sie von Prof. Reinhard Keil am Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn gelehrt wird, zum Einsatz. 

Insgesamt also ein spannendes Projekt bisher vorwiegend getrennt voneinander arbeitender Wissenschaftsdisziplinen, wie es derzeit wohl in Deutschland einmalig ist. 

Crosspost von Medienstil 

Weitere Informationen:

Google’s Process for Translating Pictures into Words