Sonntag, 27. April 2014

Der tolle Bomberg - Film mit Hans Albers

Von Ralf Keuper

Das Leben von Gisbert von Romberg II. bot bereits zu Lebzeiten Stoff für einen Roman. Das hat sich auch Josef Winckler gedacht und die Abenteuer des exzentrischen Freiherrn aus dem münsterländischen Buldern in seinem Buch Der tolle Bomberg festgehalten. 
Im Jahr 1957 wurde der Roman in der gleichnamigen Filmkomödie Der tolle Bomberg mit Hans Albers in Hauptrolle verfilmt.

Weitere Informationen:

Lemgo im Film – Der tolle Bomberg

Freitag, 25. April 2014

Westfalen in Amerika - Amerikanetz

Von Ralf Keuper

Vor allem im 19. Jahrhundert haben viele Westfalen ihr Glück in der "Neuen Welt" gesucht. Einige von ihnen, darunter Franz Boas, Abraham Jacobi, die Gebrüder Düsenberg, Adrian Wewer, Elisabet Ney, Fritz Anneke,  Mathilda Anneke, Gustave Kerker, Frederick August Otto Schwarz, Heinrich Heide und Wilhelm Böing, gelangten dort zu Ruhm und/oder Reichtum. 

Wer auf der Suche nach weiteren Informationen zum  Thema westfälische Amerika-Auswanderung ist, kommt um einen Besuch der Seite Amerikanetz kaum vorbei.   

Weitere bekannte Auswanderer / Informationen:

















Freitag, 18. April 2014

Bindungen, die tiefer reichen (Emil Schumacher)

Mein anfänglicher Plan, mich in Karlsruhe häuslich niederzulassen, scheiterte an den unüberwindlichen Schwierigkeiten, die sich mir entgegenstellten dadurch, dass ich nicht das Klima vorfand, das meiner schöpferischen Arbeit dienlich war, so wie ich es in meinem westfälischen Zuhause besaß. Es sind die Bindungen eines Künstlers an bestimmte örtliche Umstände, die tiefer reichen, als dass man dafür nur eine logische Erklärung finden könnte. ...
Diese Bindung an meinen Hagener Wohnsitz bedeutet keineswegs eine Hommage an diese Stadt, die mir stets als eine gesichtslose Provinzstadt erschienen war wie viele andere Städte dieser Art. Es sind vielmehr die Bindungen an einen Kreis von Menschen, an Freunde, an Gegebenheiten und Begebenheiten aus meiner frühen Kindheit, wohl auch das Land, die Berge meiner Umgebung, das typische Licht oder der Geruch, der hier in der Luft liegt.
Ich bin weit durch die Welt gekommen, habe viel Aufregendes gesehen und erlebt und bin doch immer wieder zurückgekommen in diese Stadt, in der nicht viel passiert, von der ich nur weiss, dass es da eine Straße gibt, in der ich mein Haus habe, mein Atelier, in dem ich ungestört alle mitgebrachten Erlebnisse in Bilder umsetzen kann, die meine Welt bedeuten.
In: Westfalen unter sich über sich, hrsg. von Rainer Schepper

Donnerstag, 17. April 2014

Harry Graf Kessler in Westfalen

Von Ralf Keuper

Harry Graf Kessler war wohl eine der schillerndsten, und wie man heute sagen würde, am besten vernetzten Persönlichkeiten seiner Zeit. Seine Tagebücher gehören mittlerweile zur Weltliteratur.

Kessler kandidierte 1924 im damaligen Wahlkreis Westfalen-Nord für den Reichstag.  Der Wahlkreis 17, wie er auch genannt wurde, umfasste die Regierungsbezirke Münster und Minden sowie den Kreis Schaumburg-Lippe. 
Kessler notierte in seinen Tagebüchern seine Aufenthalte in Westfalen, darunter in Bielefeld, Lemgo und Minden:
Bielefeld, 3. Dezember 1924, Mittwoch

Abends in Bielefeld in der Stadthalle gesprochen. Wieder eine überfüllte Versammlung. Die Leute füllten stehend alle Gänge und hockten auf den Treppen. Ich hatte mit meiner Rede und in der Debatte stürmische Beifallssalven. Wenn man überall diese überfüllten demokratischen Versammlungen sieht, während die Rechts-Versamlungen meist, wie mir gesagt wird, viel weniger gut besucht werden, sollte man erwarten, dass wir einen starken Stimmenzuwachs bekommen. (In: Harry Graf Kessler Tagebücher. Tagebücher 1918 bis 1937, hrsg. von Wolfgang Pfeiffer-Belli) 
Lemgo, 6. Dezember 1924, Sonnabend

Abschluss meines Wahlkampfes. Wahlversammlung abends in dem alten Hansestädtchen Lemgo in Lippe. Mittlerer Saal, der sich bald zum Ersticken füllte; insbesondere auch dadurch, dass im hinteren Teil eine geschlossene Phalanx von >Jungdo<-Leuten aufmarschierte, die offenbar die Absicht hatten, die Versammlung bei erster Gelegenheit zu sprengen, aber daran gehindert wurden dadurch, dass bald nach ihrem Einmarsch eine noch stärkere Abteilung >Reichsbanner< sich aufstellte.  ... (ebd.)
Minden, 7. September 1924, Sonntag

Der große Wahltag, der über die Zukunft Deutschlands und Europas entscheidet. Um zehn in Minden gewählt. Nachher im wunderschönen Dom einen Augenblick der Messe beigewohnt.  ... (ebd.)
Ebenfalls erwähnenswert ist die Schilderung seiner Eindrücke beim Besuch der Johanniskirche und Marienkirche in Osnabrück:
Osnabrück, Lengerich, 21. April 1925, Dienstag

Früh um fünf in Osnabrück, wo den Tag über den Dom und die schönen alten Kirchen, Johanniskirche und Marienkirche, besucht. In der Johanniskirche Teil eines frühgotischen Chorgestühls, reich geschnitzt mit biblischen Darstellungen nach antiken Satyrmasken; außergewöhnlich schönes, reiches Stück. Sehr schöne frühgotische Sakristei. Die Marienkirche, der Innenraum, eine Perle des gotischen Stils um 1300; noch fast frühgotisch, das wundervolle Maß, die noch fast romanische Feierlichkeit der Frühgotik kämpft noch mit der ins Unendliche hinaufstrebenden Schlankheit, mit der vermessenen Kühnheit und Raumweite der späten Gotik wie in einer aufbrechenden Knospe die Herbheit des noch halbgeschlossenen Kelchs mit dem zarten, wilden Trieb der Blüte. Dieses Innere der Marienkirche ist ebenbürtig mit den schönsten gleichzeitigen französischen Kirchen. ... (ebd.)

Sonntag, 13. April 2014

Die Claas Mähdrescher Story

Ein informativer Film über die Geschichte des Mähdreschers in Deutschland, die wiederum eng mit der Firmengeschichte von Claas verbunden ist. Technik- und Firmengeschichte in einem.

Happy Bielefeld Edition

Wer hätte das gedacht: Kalifornisches Lebensgefühl in Ostwestfalen, noch dazu in einer Stadt, deren Existenz für einige als nicht gesichert gilt. Den ultimativen, überfälligen Beweis für beides liefert die Happy Bielefeld Edition

Bielefeld auf dem Weg zur hippen Metropole  - geht doch ;-)

Dazu auch:

Samstag, 12. April 2014

"Im Land der großen Kaffeekannen" von Kerstin Ullrich

Von Ralf Keuper

Der Münsteraner Stadtteil Handorf trägt bei vielen Einheimischen noch heute den Beinamen "Dorf der großen Kaffeekannen". Um Münster herum hatte sich seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine , wie man heute sagen würde, Szene aus zahlreichen Kaffeehäusern und Ausflugslokalen entwickelt, die auch heute noch das Bild der Region um Münster prägt. Zusammen bilden sie das "Land der großen Kaffeekannen". 

Bilder, Annoncen und Postkarten, der damals angesagten Lokale geben dem Leser einen optischen Eindruck. 
Eine Schlüsselstellung hatte die Werse und mir ihr die ersten Rudervereine. Sinnbildlich dafür ist heute die Pleister Mühle, ein nach wie vor beliebtes Ausflugslokal. Wohl nirgendwo sonst in Münster als in der Gegend um Handorf hat sich die Kaffeehauskultur bis heute erhalten: 
Unzählige und bis auf wenige Ausnahmen auch heute noch bestehende Kaffeehäuser säumten das Werseufer. Über die Jahre und mit immer weiter zunehmendem Besucherstrom entstanden Kaffeeterassen von wahrhaft enormen Ausmaßen. Fast jedes Haus verlieh auch mehr oder weniger fahrtüchtige Kähne, mit denen die Familie auf der Werse herumrudern konnten. Zwischen 1883 und 1896 waren die Ausflügler für eine Fahrt auf der Werse aber nicht auf ihre Muskelkraft angewiesen. In jenen Jahren verkehrte nämlich, so unglaublich es dem heutigen Zeitgenossen erscheinen mag, zwischen Pleister- und Sudmühle ein kleines Dampfschiff, welches Passagiere beförderte. Die >Werse-Dampf-Schiff-Fahrt< musste ihren Betrieb Ende des vorigen Jahrhunderts einstellen, da die Rentabilität nachließ und sich Klagen wegen abgeschwemmter Ufer häuften. ...

Erst Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre wurden Radtouren wieder populär und die traditionsreichen Kaffeewirtschaften um die Stadt neu entdeckt. Wer an einem sonnigen Wochenende an der Werse entlangspaziert, kann sehen, dass sich die Entwicklung bis heute ungebrochen fortsetzt. Die Kaffeehäuser mit ihren gemütlichen Gärten erleben seit Jahren eine Renaissance. (ebd.)
Vielleicht nicht ganz unwichtig bei der Gelegenheit ist der Hinweis, dass die Kaffeehäuser als Geburtsstätte der modernen Medien gelten. Für Jürgen Habermas stehen sie für den Beginn eines Strukturwandels der Öffentlichkeit, ja überhaupt für die Öffentlichkeit, wie wir sie kennen.
In letzter Zeit betonen mehrere Autoren, wie Stephen Johnson, die Bedeutung der Kaffeehauskultur für die Entstehung von Innovationen. Die Rede ist dabei auch von "Ideenräumen". Heute sind wesentliche Teile der Kaffeehauskultur auf das Internet mit seinen sozialen Netzwerken übergegangen. Andererseits bleiben Kaffeehäuser als physischer Ort wichtig. Berlin bezieht seine Attraktivität als bevorzugter Standort für Startups nicht zuletzt auch wegen seiner hohen Dichte an Cafes, Lokalen, Clubs und Bars. 


Mittwoch, 9. April 2014

Ausstellung "Strange Beauty" in London rückt die Krügersche Sammlung westfälischer Meister ins Licht

Von Ralf Keuper

Derzeit macht die Ausstellung Strange Beauty - Masters of The German Renaissance in der National Gallery in London von sich Reden. Die Resonanz in Deutschland ist indes, englisch vornehm ausgedrückt, von leichter Irritation geprägt. 
Abgesehen davon, was unter der German Renaissance nun zu verstehen ist, wird von einigen Kommentatoren moniert, dass die National Gallery hier nur die Werke aus ihrem eigenen Bestand zeigt, ohne weitere Gemälde aus dem Ausland, insbesondere aus Deutschland, hinzugezogen zu haben. Auch sind die räumlichen und Lichtverhältnisse, die Bilder werden im Keller der National Gallery gezeigt, eher, sagen wir: "suboptimal". 

Wie auch immer. Interessant aus westfälischer Sicht ist, dass bei der Gelegenheit die legendäre Mindener Kunstsammlung von Carl Wilhelm August Krüger erwähnt wird. Krüger verkaufte seine bedeutende Sammlung aus Kupferstichen, Büchern und Gemälden im Jahr 1854 für 3.500 Pfund an die National Gallery. Sowohl in Deutschland wie auch in Großbritannien löste dieser Handel Bestürzung aus. Während in Deutschland beklagt wurde, dass eine der bedeutendsten Kunstsammlungen in ausländische Hände ging, musste sich im britischen Unterhaus Schatzkanzler W.E. Gladstone, der die treibende Kraft hinter dem Ankauf der Krügerschen Sammlung war, heftige Vorwürfe anhören. Er hätte das Geld für Kunstwerke ausnehmender Hässlichkeit verschwendet war der Hauptvorwurf. Deshalb verabschiedete das Unterhaus einige Jahre später in einem für die damalige Zeit außergewöhnlichen Akt ein Gesetz, wonach der Verkauf der Sammlung, sofern Käufer Interesse zeigen sollten, ohne große Umstände über die Bühne gebracht werden sollte. 

In der aktuellen Ausstellung sind aus der Sammlung Krüger u.a. einige Teile des Liesborner Altars zu sehen. Die anderen befinden sich heute u.a. im Westfälischen Landesmuseum in Münster. 

Man mag über Ausstellung geteilter Meinung sein - allemal positiv ist es, dass die Krügersche Sammlung und mit ihr einige westfälische Kunstwerke und Künstler im Zentrum der Kunstwelt stehen. Unser Dank geht daher an die National Gallery:

Well done ;-) 

Weitere Informationen:


Die Mär von den Ugly Germans - Süddeutsche Zeitung Printausgabe Nr. 82, 8. April 2014

Von Osthaus, Flechtheim, Ahlers, Oetker und anderen - (Private) Kunstsammlungen in Westfalen


Freitag, 4. April 2014

Westfalen - Land des Pferdes

Von Ralf Keuper

Die Beziehung Westfalens zum Pferd ist eine besonders innige. Nicht von ungefähr enthält das Wappen Westfalens als einziges und markantes Symbol ein Pferd mit erhobenem Schweif; in der Heraldik Sachsenross genannt. Das Pferd war als Fortbewegungsmittel, zu Kriegszwecken und für die Arbeit auf dem Feld von unschätzbarem Wert. Die Beziehung zwischen Pferd und Reiter bzw. Halter war daher häufig sehr eng. 
Der Legende nach soll Karl der Große dem Sachsenherzog Widukind, nachdem letzterer zum Christentum übergetreten war, ein weißes Pferd geschenkt haben, das seitdem Wappentier Westfalens ist. Weiterhin kursieren Geschichten von Widukind und seinem Pferd Fulgur (lateinisch für Blitz).  

Der Sage nach sollen die Sattelmeyer-Höfe im Ravensberger Land zwischen Minden und Herford auf die Zeit Widukinds zurückgehen. Noch bis ins 20. Jahrhundert war in der Region eine bestimmte Begräbniszeremonie verbreitet:
Die Begräbniszeremonie eines Sattelmeyers geschieht dann, wenn es ein Hofbesitzer zum Anlaß seines Todes wünscht. Dann wird ein Sattelpferd hinter dem Sarg geführt nach der alten Ordnung: >Erst hinter dem Sarge das Ross, erst hinter dem Pferde der Tross!< (Quelle: Die Sattelmeyer in Enger, Weitere Informationen auf Wikipedia)
Heute hat das Pferd im Sport eine (neue) Heimat gefunden. Keine andere Stadt Westfalens ist so mit dem Pferdesport verbunden wie Warendorf - auch die Stadt des Pferdes genannt. In den Mauern der Stadt residiert u.a. das weit über die Grenzen der Region hinaus bekannte Landgestüt. Ebenfalls in Warendorf angesiedelt sind die Deutsche Reiterliche Vereinigung und das Deutsche Olympiade-Komitee für die Reiterei.
Alljährlich locken die Hengstparaden tausende Zuschauer in die Stadt. In Warendorf lebt auch der nach wie vor erfolgreichste Springreiter aller Zeiten, Hans-Günter Winkler. Mit seinem Pferd Halla, einer Hessenstute, wurde er zur Legende. 
Im Dressurreiten beherrsche Rainer Klimke aus Münster für lange Zeit die Szene. 

Im münsterländischen Dülmen findet alljährlich im Merfelder Bruch der Wildpferdefang statt. Das Dülmener Pferd wird auch als Dülmener Wildpferd bezeichnet. Von der "Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen" wurde es zur "Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres 2014" erklärt. 

Für die Zuchtselektion im Pferdesport ist das Westfälische Pferdestammbuch zuständig, dessen Aushängeschild das Westfälische Pferdezentrum in Münster-Handorf ist. 

Die Freunde des Haflinger Pferdes in Westfalen haben sich u.a. im Westfälischen Haflingerverein zusammengeschlossen. 


Im Allwetterzoo Münster ist das Westfälische Pferdemuseum untergebracht. Hier kann man sich über die Geschichte des Pferdes auf umfassende und in dieser Form wohl einmalige Art und Weise informieren. 

Weitere Informationen:



Mittwoch, 2. April 2014

Institut für Stadtbaukunst an der TU Dortmund

Auch in Westfalen kaum bekannt ist, dass die TU Dortmund mit dem Institut für Stadtbaukunst eine Einrichtung beherbergt, die national wie international hohes Ansehen genießt.

An den Lehrstühlen Städtebau und Geschichte und Theorie der Architektur werden die verschiedenen Facetten der Stadtbaukunst durchleuchtet. 
Seit 1998 leitet Christoph Mäckler das Institut. Jedes Jahr finden die Dortmunder Architekturtage statt. 

Für Aufsehen sorgte vor einigen Monaten ein Filmbericht im WDR, in dem Christoph Mäckler die verschiedenen Bausünden ansprach, die nicht nur in Dortmund innerhalb der letzten Jahrzehnte entstanden sind. 

Weitere Informationen:

Westfälische Architekten

Wie die WestLB-Bauten Firmen- und Architekturgeschichte erzählen

Technische Universität Dortmund feiert 40 Jahre Dortmunder Modell Bauwesen