Sonntag, 29. September 2013

Westfälische Kartografen

Von Ralf Keuper

Die Bedeutung der Kartografie für den (gesellschaftlichen) Fortschritt wird noch immer unterschätzt. Ohne die Karten von Gerhard Mercator wären die Seefahrer des Mittelalters auf den Weltmeeren hilflos umhergeirrt. Ebenfalls gerne übersehen wird, dass Karten auch ein Machtmittel sein können. Die Art und Weise, wie Dinge und Sachverhalte dargestellt, kartografiert werden, kann großen Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung haben, wie ein Vortrag von Thomas Macho und das Buch Die Macht der Karten verdeutlichen.  

Auch aus Westfalen stammen einige berühmte Kartografen, wie Tilemann Stella, Caspar Vopelius und Johannes Gigas. Nah verwandt mit der Kartografie ist die Geodäsie. Ein berühmter Geodät, Vermessungsingenieur  war Friedrich Wilhelm Bessel

Engelbert Kaempfer hat einige Karten erstellt, so z.B. über den Landweg nach Edo oder die Stadt Nagasaki. 

Für seine Arbeiten im Bereich der Kartografie mit höchsten Ehren ausgezeichnet wurde Hermann Berghaus

Als Kartograf hat sich hin und wieder auch der Maler Hermann tom Ring betätigt. 

In unserer Zeit übernehmen Geoinformationssysteme in immer größerem Umfang die Arbeit der Kartografen und Geografen. Das dazugehörige Fach Geoinformatik kann man an der Universität Münster studieren. 

Weitere Kartografen:

Erich Philipp Ploennies

Donnerstag, 26. September 2013

"Staat und Wirtschaft im Fürstentum Paderborn im 18. Jahrhundert" von Alfred Hegen

Von Ralf Keuper

Bis in unsere Tage hinein hält sich, insbesondere im ehemals Minden-Ravensbergischen Raum (Gütersloh, Minden, Bielefeld), das Gerücht, das Hochstift Paderborn sei wegen seiner "religiösen" Eigenheiten wirtschaftlich rückständig.
Dieser Eindruck mag auf den ersten Blick auch heute noch entstehen, gelten die Kreise Gütersloh und Minden-Lübbecke als die mit Abstand wirtschaftsstärksten der Region Ostwestfalen-Lippe. Übersehen wird dabei der enorme Aufholprozess und Strutkurwandel der Region, der nirgends so sichtbar ist wie in der Stadt Paderborn. Aber auch die ländlichen Regionen, mit Städten wie Delbrück, Hövelhof, Salzkotten und Büren sind wirtschaftlich alles andere als zurückgeblieben. Etwas anders verhält es sich mit dem Landkreis Höxter.

Im Jahr 1977 ging Alfred Hegen in seinem Buch "Staat und Wirtschaft im Fürstentum Paderborn im 18. Jahrhundert" der Frage nach, woher dieses Vorurteil stammt und welchen Wahrheitsgehalt es besitzt. Ergebnis ist ein differenzierteres Bild - nicht nur was das Hochstift Paderborn, sondern ganz generell die These betrifft, die einen engen Zusammenhang zwischen religiöser Zugehörigkeit und wirtschaftlichem Wohlstand herstellt, wie sie vor allem durch die inzwischen legendären Untersuchungen Max Webers zur protestantischen Ethik berühmt geworden sind.

Die eigentliche Ursache für die wirtschaftliche Rückständigkeit des Hochstifts Paderborn im Vergleich zu anderen, längst nicht allen, Landstrichen Preußens, liegt für Hegen in einer verfehlten Wirtschaftspolitik, die fast ausschließlich die Erhöhung der staatlichen Einnahmen im Auge hat, ohne zu versuchen, die Einkommenssituation der Bewohner durch gezielte staatliche Investitionen zu verbessern, was wiederum eine Erhöhung der staatlichen Einnahmen zur Folge gehabt hätte. Diese Sicht war  - mit Ausnahme Antons von der Asseburg - den Paderborner Regenten schlicht versperrt.

Die eingeschränkte Sicht der Paderborner Landesfürsten ist dabei weniger eine regionale Besonderheit, als vielmehr quasi natürlich Ausdruck einer Wirtschaftslehre, die sich noch an einer göttlichen Ordnung orientierte, in die weder Staat noch Individuum eingreifen dürfen.

Erst mit Wilhelm Anton von der Asseburg zieht ein neuer Geist in die Verwaltung ein. Anders als seine Vorgänger und Nachfolger erkennt er die Bedeutung staatlicher Gewerbeförderung für die "allgemeine Landeswohlfahrt". So werden in die Verwaltungen moderne Methoden, wie Statistiken, eingeführt, die erst eine gezielte, heute würde man sagen: nachhaltige Wirtschaftspolitik ermöglichen.

Zum Schluss kommt Alfred Hegen auf seine Ausgangsthese zurück, die er zwar nicht zurücknimmt, wohl aber relativiert und dabei mit hartnäckigen Vorurteilen aufräumt.

Mittwoch, 25. September 2013

William Edward Boeing - Der Traum vom Fliegen (Dokumentarfilm)

Von Ralf Keuper

Noch heute weitgehend unbekannt ist, dass der nach wie vor größte Flugzeughersteller der Welt deutsche, genauer gesagt, westfälische Wurzeln hat. Die Lebensgeschichte von Wilhelm Böing, Vater des Gründers der Boeing-Flugzeugwerke, William Boeing, ist daher ein Gegenstand der sehenswerten Film-Dokumentation Vom Pionier zum Millionär: William Boeing

Wilhelm Böing wurde nur 41 Jahre alt, brachte es aber binnen weniger Jahre zu beachtlichem Wohlstand. Er gehörte der führenden Gesellschaftsschicht der Stadt Detroit an. Sein Vermögen machte er, der aus einer der führenden Unternehmerfamilien des Sauerlandes stammte, im Holzhandel. Dabei stieß er auch auf große Bodenschätze, das Taconit.

Sein Sohn William, der den Vater zeitlebens nacheiferte, begann seine unternehmerische Laufbahn nach dem Internat in der Schweiz und einem Studium an der Elite-Uni Yale wie sein Vater im Holzhandel, jedoch an der Westküste der USA. Nachdem er dort ein großes Vermögen erwarb, siedelte er sich in Seattle an, damals schon eine der lebenswertesten Städte der USA. Im elitären Universitätsclub der Stadt machte er die Bekanntschaft mit dem Ingenieur George Conrad Westervelt. Zuvor hatte Boeing auf der ersten Flugschau der USA in Kalifornien seine Leidenschaft für die Fliegerei entdeckt, die ihn nicht mehr loslassen sollte.
Zusammen mit Westervelt gründete er Boeing & Co. Das erste Testflugzeug flog Boeing gleich selbst, da der Pilot nicht auftauchte. Ein großer medienwirksamer Erfolg. 

Der geschäftliche Durchbruch gelang Boeing im ersten Weltkrieg durch einen Regierungsauftrag zur Herstellung von 50 Flugzeugen für die US-Armee. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges geriet Boeing & Co. in ernsthafte wirtschaftliche Schwierigkeiten, was zu einem drastischen, in die heutige Sprache übertragen: Personalabbau führte. Um- und weitsichtig wie er war, wandte sich Boeing dem Post-Luftverkehr zu. Durch den Zuschlag für die größte Post-Luftverbindung in den USA, die Strecke San Francisco - Chicago, gelang Boeing der Befreiungsschlag und der Einstieg in die zivile Luftfahrt. 

Im Zuge der Weltwirtschaftskrise gerieten die Betreiber des Post-Luftverkehrs in die öffentliche Kritik. So musste sich Boeing 1934 vor einem Untersuchungsausschuss in Washington den Vorwurf anhören, er hätte seine Macht missbraucht und illegale Absprachen getroffen, um an die lukrativen Aufträge zu gelangen. Seine Entgegnung, dass er seine Aufträge aufgrund herausragender Qualität und großer Risikobereitschaft gewonnen habe, und nicht wegen dubioser Praktiken, wurde ignoriert.
Das war dann zuviel für Boeing, der sich noch im selben Jahr aus dem Unternehmen zurückzog und fortan als Privatier lebte. 

Eine der interessantesten Stellen des Films ist das Gespräch mit dem Chef-Historiker des Boeing-Konzerns, der aus der Gründungsurkunde von Boeing & Co. vorliest. Darin schon sprach Boeing von Flughäfen und vom zivilen Luftverkehr, der die Welt verändern werde, zu einem Zeitpunkt, als der Durchbruch der Luftfahrt alles andere als gewiss war. 

Heute würde man wohl Visionär dazu sagen. 

Weitere Informationen:

100 Jahre Boeing 

Dienstag, 24. September 2013

Westfälische Philosophen

Von Ralf Keuper

Für viele ist sie die "Königin der Wissenschaft" - die Philosophie, die auch in Westfalen einige herausragende Vertreter hat. Viele fanden über die Theologie zur Philosophie, wie die Humanisten Rudolf von LangenAlexander Hegius und Friedrich Beurhaus. Andere machten sich einen Namen in Spezialgebieten wie Clemens-August von Droste-Hülshoff in der Rechtsphilosophie und Clemens Baeumker in der Philosophiegeschichte. Weitere neigten zur Spekulation und Mystik wie der in Münster verstorbene Johann Georg Hamann, der in unserer Zeit so streitbare Geister wie Erwin Chargaff inspiriert hat. Ungewöhnlich vielseitig war Johann Christoph HoffbauerJulius Bergmann aus Holzwickede galt um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert  als der bedeutendste Vertreter einer idealistischen Erkenntnistheorie und Metaphysik. Zu den Gründervätern der bis heute wirkungsmächtigen Phänomenologie zählt Alexander Pfänder. Einer der bedeutendsten christlichen Philosophen des 20. Jahrhunderts war Josef Pieper, der auch "Philosoph des Münsterlandes" genannt wird. Mit Werken wie "Muße und Kult" findet er noch immer einen großen Leserkreis. Ein Philosoph, der in letzter Zeit auf große Resonanz stösst, ist der 1996 in Altenberge bei Münster verstorbene Hans Blumenberg. Nicholas Rescher, geboren in Hagen, ist einer der prominentesten Vertreter der Kohärenztheorie der Wahrheit sowie der Prozessphilosophie. Er lebt und lehrt in den USA. Elisabeth Ströker war eine weithin anerkannte Husserl-Expertin und Wissenschaftstheoretikerin. Ein renommierter Wissenschaftsphilosoph ist Holm Tetens
An der Universität Bielefeld lehrt Martin Carrier Wissenschaftsphilosophie. Für seine Forschungen erhielt er 2008 den Gottfried-Leibniz-Preis. Ebenfalls an der Universität Bielefeld lehrten Ansgar Beckermann, einer der Hauptvertreter der Philosophie des Geistes in Deutschland, Rüdiger Bittner und Eike von Savigny, letzterer ein führender Vertreter der Analytischen Philosophie in Deutschland. 
Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2008 lehrte der Wirtschaftsethiker Karl Homann Philosophie und Ökonomik an der LMU München.

In diesem Jahr (2013) erhielt Michael Quante, der an der Universität Münster lehrt, den erstmals verliehenen Preis für Philosophie und Sozialethik

Interessanterweise residiert das Hegel-Archiv nicht, wie man annehmen könnte, in Berlin, Jena oder Tübingen, sondern an der Ruhr-Universität Bochum. 

Weitere Philosophen:














Sonntag, 15. September 2013

Warum ist Havixbeck so liebenswert? (Film)

Der sehenswerte Film erklärt, was Havixbeck im Kreis Coesfeld so liebenswert macht. Lobenswert auch, dass die Gemeinde Havixbeck über einen eigenen Kanal auf Youtube  mit weiteren informativen Filmbeiträgen verfügt. 

Wie eine Region dauerhaft innovativ wird - Das Beispiel Westfalen

Von Ralf Keuper

Im Magazin strategy + business, das von der auf Innovationen spezialisierten Unternehmensberatung Booz & Co. herausgegeben wird, beschäftige sich vor einiger Zeit der Beitrag How to Make a Region Innovative mit der Frage, was Regionen innovativ werden bzw. sein lässt. 
Am Beispiel der Entwicklung von Bangelore (Indien), das heute als einer der führenden IT-Standorte weltweit gilt, veranschaulicht der Autor die Bedeutung der vier Merkmale, die entscheidend dafür sind, ob es einer Region gelingt, dauerhaft innovativ zu sein. Diese sind: Public, Private, Civil and Academic.

Das Scheitern einer Vielzahl von sog. Clustern führt der Autor darauf zurück, dass nur einige davon berücksichtigt werden. Für einen dauerhaften Erfolg als innovative Region sind aber alle Faktoren gleich wichtig und nötig.

Am nächsten kommt diesem Idealbild in Westfalen nach meinem Eindruck die Initiative "it´s owl. Intelligente Technische Systeme OstWestfalenLippe" , die durch ihren Sieg beim Spitzenclusterwettbewerb der Bundesregierung bundesweit für Aufsehen sorgte. Hier scheint die Zusammenarbeit zwischen Politik, privater Wirtschaft, Universitäten und den Kommunen schon so gut abgestimmt zu sein, dass die Aussichten für einen dauerhaften Erfolg ausgesprochen günstig sind.

Einen ähnlichen Weg wie in Ostwestfalen-Lippe beschreitet die Region Südwestfalen mit ihrem Kompetenzcentrum Automotive.
Inzwischen scheinen die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft zu erkennen, wie wichtig die branchen- und firmenübergreifende Zusammenarbeit ist, wenn die Region in den Augen der Öffentlichkeit und potenzieller Arbeitnehmer als innovativ wahrgenommen werden will: 
Weitere Schlüsselbranche der Region ist die Lichttechnik. Namen wie Hella, Trilux und Erco sprechen da für sich. 

Weiterhin erwähnenswert ist das TechnolgieZentrum Dortmund, das als eines der erfolgreichsten seiner Art in Europa gilt.  Nicht umsonst hat für die Bindung von Hochschulabsolventen an Dortmund die Wirtschaftsförderung einen hohen Stellenwert. Mit der Seite IT Standort Dortmund hat die Stadt einen weiteren Meilenstein gesetzt. Bochum wirbt neuerdings mit dem Slogan "Welcome to Univercity".  In einer IHK-Untersuchung zur Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen im mittleren Ruhrgebiet erhält die Kooperation den Rang eines Innovationsfaktors.

Verglichen damit sind die Aktivitäten im Münsterland eher schwach ausgeprägt. Zwar verfügt die Region mit der Universität Münster über international anerkannte Forschungsinstitute - nur fehlen die Möglichkeiten im näheren Umfeld, die Impulse aufzunehmen und umzusetzen. Es fehlt (noch) an einer ausreichenden Anzahl innovativer Unternehmen, wie sie für Südwestfalen und Ostwestfalen-Lippe kennzeichnend sind. Auch sind branchenübergreifende Kooperationen im Münsterland - jedenfalls so weit ich blicken kann - rar gesäht. Die Studie Potenziale stärken - Cluster im Münsterland gibt einen näheren Ein- und Ausblick. 

Vielleicht bietet das noch relativ neue Gebiet der Bionik eine Möglichkeit. Mit der Fachhochschule in Bocholt verfügt die Region jedenfalls über ein Pfund, mit dem sich wuchern lässt. 

Alles in allem scheinen wir in Westfalen, wie insgesamt in NRW, die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Insofern ist die Kluft zwischen den Anforderungen wie sie in dem eingangs erwähnten Artikel am Beispiel von Bangalore und dem Silicon Valley formuliert wurden, nicht allzu groß. Die Übertragung der Erfolgsrezepte einer Region auf eine andere ist jedoch schwierig und wohl auch nicht immer ratsam. Noch mehr gilt das, wenn es sich um unterschiedliche Länder handelt. Auch ist der Begriff der Innovation für meinen Geschmack zu kurz, d.h. ausschließlich technisch gefasst. Ebenso wichtig sind m.E. soziale Innovationen bzw. Innovationen im Dienstleistungssektor.

Überhaupt kann man den Cluster-Gedanken auch kritisch sehen, da dadurch die sog. Pfadabhängigkeit einer Region verstärkt wird, was wiederum zu Strukturkrisen führen kann. Chancen und Risiken sollte man daher immer im Auge behalten. Derzeit überwiegen für mich in Westfalen die Chancen die Risiken - und das sehr deutlich.

Weitere Informationen:


Samstag, 14. September 2013

Ballett Dortmund: Körper.Tanzen.Formen (Trailer)


Das Ballett Dortmund ist weit über die Grenzen Westfalens für seine außergewöhnlichen Choreografien bekannt, wovon der Trailer Körper.Tanzen.Formen einen Eindruck gibt. 

Weitere Informationen: