Sonntag, 15. September 2013

Wie eine Region dauerhaft innovativ wird - Das Beispiel Westfalen

Von Ralf Keuper

Im Magazin strategy + business, das von der auf Innovationen spezialisierten Unternehmensberatung Booz & Co. herausgegeben wird, beschäftige sich vor einiger Zeit der Beitrag How to Make a Region Innovative mit der Frage, was Regionen innovativ werden bzw. sein lässt. 
Am Beispiel der Entwicklung von Bangelore (Indien), das heute als einer der führenden IT-Standorte weltweit gilt, veranschaulicht der Autor die Bedeutung der vier Merkmale, die entscheidend dafür sind, ob es einer Region gelingt, dauerhaft innovativ zu sein. Diese sind: Public, Private, Civil and Academic.

Das Scheitern einer Vielzahl von sog. Clustern führt der Autor darauf zurück, dass nur einige davon berücksichtigt werden. Für einen dauerhaften Erfolg als innovative Region sind aber alle Faktoren gleich wichtig und nötig.

Am nächsten kommt diesem Idealbild in Westfalen nach meinem Eindruck die Initiative "it´s owl. Intelligente Technische Systeme OstWestfalenLippe" , die durch ihren Sieg beim Spitzenclusterwettbewerb der Bundesregierung bundesweit für Aufsehen sorgte. Hier scheint die Zusammenarbeit zwischen Politik, privater Wirtschaft, Universitäten und den Kommunen schon so gut abgestimmt zu sein, dass die Aussichten für einen dauerhaften Erfolg ausgesprochen günstig sind.

Einen ähnlichen Weg wie in Ostwestfalen-Lippe beschreitet die Region Südwestfalen mit ihrem Kompetenzcentrum Automotive.
Inzwischen scheinen die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft zu erkennen, wie wichtig die branchen- und firmenübergreifende Zusammenarbeit ist, wenn die Region in den Augen der Öffentlichkeit und potenzieller Arbeitnehmer als innovativ wahrgenommen werden will: 
Weitere Schlüsselbranche der Region ist die Lichttechnik. Namen wie Hella, Trilux und Erco sprechen da für sich. 

Weiterhin erwähnenswert ist das TechnolgieZentrum Dortmund, das als eines der erfolgreichsten seiner Art in Europa gilt.  Nicht umsonst hat für die Bindung von Hochschulabsolventen an Dortmund die Wirtschaftsförderung einen hohen Stellenwert. Mit der Seite IT Standort Dortmund hat die Stadt einen weiteren Meilenstein gesetzt. Bochum wirbt neuerdings mit dem Slogan "Welcome to Univercity".  In einer IHK-Untersuchung zur Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen im mittleren Ruhrgebiet erhält die Kooperation den Rang eines Innovationsfaktors.

Verglichen damit sind die Aktivitäten im Münsterland eher schwach ausgeprägt. Zwar verfügt die Region mit der Universität Münster über international anerkannte Forschungsinstitute - nur fehlen die Möglichkeiten im näheren Umfeld, die Impulse aufzunehmen und umzusetzen. Es fehlt (noch) an einer ausreichenden Anzahl innovativer Unternehmen, wie sie für Südwestfalen und Ostwestfalen-Lippe kennzeichnend sind. Auch sind branchenübergreifende Kooperationen im Münsterland - jedenfalls so weit ich blicken kann - rar gesäht. Die Studie Potenziale stärken - Cluster im Münsterland gibt einen näheren Ein- und Ausblick. 

Vielleicht bietet das noch relativ neue Gebiet der Bionik eine Möglichkeit. Mit der Fachhochschule in Bocholt verfügt die Region jedenfalls über ein Pfund, mit dem sich wuchern lässt. 

Alles in allem scheinen wir in Westfalen, wie insgesamt in NRW, die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Insofern ist die Kluft zwischen den Anforderungen wie sie in dem eingangs erwähnten Artikel am Beispiel von Bangalore und dem Silicon Valley formuliert wurden, nicht allzu groß. Die Übertragung der Erfolgsrezepte einer Region auf eine andere ist jedoch schwierig und wohl auch nicht immer ratsam. Noch mehr gilt das, wenn es sich um unterschiedliche Länder handelt. Auch ist der Begriff der Innovation für meinen Geschmack zu kurz, d.h. ausschließlich technisch gefasst. Ebenso wichtig sind m.E. soziale Innovationen bzw. Innovationen im Dienstleistungssektor.

Überhaupt kann man den Cluster-Gedanken auch kritisch sehen, da dadurch die sog. Pfadabhängigkeit einer Region verstärkt wird, was wiederum zu Strukturkrisen führen kann. Chancen und Risiken sollte man daher immer im Auge behalten. Derzeit überwiegen für mich in Westfalen die Chancen die Risiken - und das sehr deutlich.

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