Montag, 21. Januar 2013

Glaserzeugung und Glaskunst in Westfalen

Von Ralf Keuper

Als einer der ältesten Werkstoffe der Menschheit besitzt Glas eine besondere Bedeutung, die über den eigentlichen Gebrauchswert hinausgeht. Sakrale Gegenstände, kunstvoll gefertigte Gläser sowie Fenster, die Kirchen in ein Licht tauchen, das einen Vorgeschmack auf das Reich Gottes geben soll, weisen über eine rein profane Nutzung hinaus.

Einer der weltgrößten Produzenten von Gläsern und Glasartikeln ist die Schott AG in Mainz. Das Unternehmen trägt bis heute den Namen seines Gründers, Otto Schott, der 1851 in Witten geboren wurde und als Pionier der Glaswissenschaft und -technik gilt. Aktuell erinnert eine Ausstellung in seinem Geburtsort an sein Leben und Wirken.

Glas wird in Westfalen seit dem frühen Mittelalter hergestellt. Bereits im letzten Viertel des 8. Jahrhunderts existierte in der Karolingischen Kaiserpfalz zu Paderborn eine Glaswerkstatt. Wegen ihres Waldreichtums waren die Regionen Paderborn/Weserbergland und Lippe ein Schwerpunkt der Glasherstellung in Westfalen. Vom Mittelalter bis um 1750 existierten in Westfalen ca. 50 Glashütten .
Noch heute ist die Gegend um Bad Driburg ein wichtiger Standort der Glasherstellung. Beispiele dafür sind Leonardo , das mit seinen Design-Aritkeln den gehobenen Bedarf anspricht und Ritzenhoff & Breker, die rund 4.500 Produkte aus Glas und Keramik im Angebot haben. Sowohl thematisch wie auch räumlich naheliegend ist es daher, dass Bad Driburg auch ein Glasmuseum beherbergt. 
Nicht weit von Bad Driburg entfernt, in Marsberg, residiert die Ritzenhoff AG, einer der führenden deutschen Hersteller von Trinkgläsern und Geschenkartikeln. 

Eine weitere Pilgerstätte für Freunde des Glases ist das LWL-Industriemuseum in Gernheim bei Petershagen im Kreis Minden-Lübbecke.

In Gelsenkirchen hat mit Pilkington Glas Deutschland ein weiteres Traditionsunternehmen der Glasherstellung seinen Sitz in Westfalen. Das britische Unternehmen, das sich heute im Besitz von Nippon Sheet Glass befindet, gilt als Erfinder des Floatglass-Prozesses. 

Wie eingangs schon erwähnt, ist Glas auch im Kunsthandwerk ein beliebter Werkstoff.  Ein Unternehmen, das sich ganz dem Glas als Gegenstand der (sakralen) Kunst verpflichtet fühlt , ist die Glasmalerei Peters in Paderborn.

Glas als Kunst- und Sammlerobjekt hat auch in Westfalen einige Liebhaber, die über die Jahre eine große Anzahl an Gegenständen zusammengetragen haben, wie z.B. die Familie Ernstings in Coesfeld. In ihrer Heimatstadt haben die Eheleute Ernsting ihrer Sammlerleidenschaft mit dem Alten Hof Herding einen kleinen Kunsttempel errichtet.

Die Glas- und Keramiksammlung Nachtmann in Paderborn "macht einen Teil des verloren gegangenen Inventars der fürstbischöflichen Residenz Neuhaus wieder sichtbar". 

Eine andere Art der Verwendung von Glas zu künstlerischen Zwecken hat das Skulpturenmuseum Glaskasten Marl gefunden.

Wer wissen will, wie sich Glaskunst und Spiritualität aufs schönste vereinen lassen, kommt in Westfalen m.E. nicht um einen Besuch des Mindener Doms herum.

Lobenswert auch die Aktivitäten der Stiftung Forschungsstelle der Glasmalerei des 20. Jahrhunderts.

Weitere Informationen:

Ehrentrud Trost

Älteste Glashütte Europas in Bodenfelde entdeckt

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