Samstag, 25. März 2017

Rückkehr des Liesborner Evangeliars nach Westfalen

Von Ralf Keuper

Seit den 1980er Jahren gab es Überlegungen, das Liesborner Evangeliar zurück nach Westfalen zu holen. In der vergangenen Woche nun konnte der Landrat des Kreises Warendorf, Olaf Gericke, vermelden, dass nach zweijähriger Verhandlungsdauer der Kauf vereinbart werden konnte, wie in Nationaler Kulturschatz kehrt nach Liesborn zurück zu erfahren ist. Der Kaufpreis wird von Sponsoren übernommen. 
Bild des Liesborner Evangeliars. Quelle: WDR 
Auf Wikipedia steht: 
Das Liesborner Evangeliar ist ein Evangelienbuch aus ottonischer Zeit. Bis 1803, als es im Zuge der Säkularisation verkauft wurde, war es ein Ausstattungsstück der Abtei Liesborn. Die Handschrift kam mit anderen Beständen aus der reichhaltigen Bibliothek des Klosters[1] zunächst in die Universitätsbibliothek Münster, von 1830 bis 1872 war sie Teil der berühmten Sammlung von Sir Thomas Phillipps, danach im Besitz der Familie Fenwick in Cheltenham. In den USA ist der Codex seit den 1930er Jahren, zunächst in Philadelphia, dann in Camarillo, zuletzt in der Bibliothek des St. John's Seminary des Erzbistums Los Angeles. 1987 erfolgte dann die Versteigerung bei Christie's.[2] Im Jahr 2017 konnte ihn der Kreis Warendorf für einen Betrag von 3 Mio. Euro von einer amerikanischen Kunstsammlerin zurückerwerben. Das hervorragend erhaltene Evangeliar gilt als Kunstschatz von nationaler Bedeutung.
Damit kehrt ein Kunstwerk von hohem Rang nach Westfalen zurück.

Samstag, 18. März 2017

Kunst als Beute - Vortrag von Prof. Dr. Bénédicte Savoy

Von Ralf Keuper

Auf Einladung der Gesellschaft für Westfälische Wirtschaftsgeschichte hielt am vergangenen Donnerstag die Kunsthistorikerin Prof. Dr. Bénédicte Savoy im großen Saal der IHK Dortmund den diesjährigen Vortrag mit dem Titel "Kunst als Raub".
Bénédicte Savoy leitet an der TU Berlin das Fachgebiet Kunstgeschichte der Moderne. Im vergangenen Jahr erhielt sie den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft.


Der Kunstraub zieht nicht nur das Interesse der Forschung auf sich. Auch Hollywood hat das Thema entdeckt: Beispielhaft dafür sind Blockbuster wie CZ12, mit Jackie Chan in der Hauptrolle,  sowie Monuments Men unter der Regie von George Clooney. Zu den älteren Filmen zählen Fünf Tage - Fünf Nächte und Der Zug.
Für großes Medieninteresse sorgte vor einigen Jahren Der Fall Gurlitt. Der Kunstraub ist, ohne dass es häufig bewusst ist, ein Thema, das sich in der öffentlichen Diskussion durch die Jahrtausende bis zur Gegenwart zieht.

Ein Phänomen, das sich als so dauerhaft erwiesen hat, bedarf der historischen Betrachtung.
Das erste spektakuläre Gerichtsverfahren, in dem es um die Rückübertragung geraubter Kunst ging, ereignete sich im Jahr 70 vor Christus. Vertreter der Anklage war kein Geringerer als Marcus Tullius Cicero, dessen Reden als Reden gegen Verres in die  Literatur- und Kunstgeschichte eingingen. 

Einer der größten Kunsträuber der Geschichte war Napoleon. Auf seine Anordnung hin machte sich der Kunstexperte und Sammler Vivant Denon in die eroberten Ländern auf, um die schönsten und wertvollsten Kunstwerke in Besitz zu nehmen und nach Frankreich zu versenden. Als Legitimation diente der Hinweis, Kunst sei ein Produkt der Freiheit und gehöre infolgedessen in das Land der Freiheit - nach Frankreich. Das Leben von Vivant Denon beschreibt Reinhard Kaiser in Der glückliche Kunsträuber
In gewisser Hinsicht ist es eine Ironie der Geschichte, dass einige der Hauptvertreter der Romantik in Deutschland, wie Friedrich Schlegel und Wilhelm von Humboldt, erst in Paris die Bekanntschaft mit einigen der bedeutendsten Kunstwerke Deutschlands machten. Deshalb ist Paris nach Ansicht von Bénédicte Savoy der Geburtsort der deutschen Romantik. 

In den Versailler Verträgen nach dem 1. Weltkrieg wurde Deutschland u.a. die Auflage gemacht, Kunstwerke als Kriegsentschädigung an die Siegermächte abzugeben. Im zweiten Weltkrieg plünderten die Nazis private wie öffentliche Kunstsammlungen. Der größte Abnehmer der "Beutekunst" war, nach Adolf Hitler, Hermann Göring, der sich auf diese Weise eine eigene Kunstsammlung zulegte. Betroffen von der Sammlerwut des Reichsmarschalls waren vor allem die französischen Museen. Die Rote Armee wiederum nahm im Jahr 1945 in der Gemäldegalerie in Dresden wertvolle Kunstwerke in Besitz. 

Insofern haben sich, je nach Umstand bzw. "Zeitgeist", verschiedene Rechtfertigungsstrategien für den Kunstraub herausgebildet. In der Antike galt die Maxime "Kunst gehört dem Sieger", in der Zeit Napoleons und der französischen Revolution war das Motto " Kunst gehört der Öffentlichkeit", wohingegen in der Romantik und bei der Roten Armee der Spruch zu vernehmen war "Kunst gehört den Kennern und Liebhabern". Heute lautet die Maßgabe: "Kunst muss zirkulieren". Exemplarisch dafür ist der chinesische Konzeptkünstler Al Wei Wei

Die Vermutung liegt zunächst nahe, dass die Erinnerung am Kunstraub mit der Zeit vergeht. Das ist jedoch nicht der Fall. Prägnantes Beispiel ist die Rückkehr der Statue der babylonischen Fruchtbarkeits- und Siegesgöttin Nanaja, die erst 1635 Jahre nach ihrer Entwendung heimkehrte, was der Assyrerkönig Assurbanipal der Nachwelt überliefern ließ:
Nanaja, die 1635 Jahre gezürnt hatte, Nanaja, die fortgezogen war und sich in Elam, einer ihr unwürdigen Stätte, niedergelassen hatte, betraute mich mit ihrer Heimführung. (Quelle: „An Bildern schleppt ihr hin und her…“)
Auch nach 1635 Jahren war die Erinnerung an den Raub der Nanaja nicht vergangen. 

Wie verwickelt die juristische bzw. moralische Bewertung des Kunstraubs noch immer ist, zeigt das Buch Mona Lisa in Bangoulap. Die Fabel vom Weltmuseum.

Weitere Informationen:

Kunstgeschichte - Raubzüge sind eine Wissenschaft für sich

Samstag, 11. März 2017

Neues aus der westfälischen Startup-Szene #7

Von Ralf Keuper

Es hat sich in den letzten Wochen und Monaten wiederum einiges getan in der westfälischen Startup-Szene. 

In Münster wurde kürzlich der Digital Hub münsterLAND offiziell eröffnet. Aus diesem Anlass führten die Westfälischen Nachrichten ein Interview mit Prof. Dr. Tobias Kollmann, dem Beauftragten der NRW-Landesregierung für die digitale Wirtschaft.

Das Start-up-Innovationslabor Südwestfalen, das von der Universität Siegen und der Fachhochschule Südwestfalen getragen wird, ist Kandidat des Wettbewerbs zur Auswahl regionaler Innovationslabore in NRW. 

Der Initiativkreis Ruhr hat einen Gründerfonds Ruhr aufgelegt, der mindestens 30 Millionen Euro einsammeln soll. Das Geld wird Startups aus den Bereichen Handel, digitale Wirtschaft, Chemie, Energie, Life Sciences, Gesundheit und Logistik zur Verfügung gestellt. Die Koordination der Startups aus dem westfälischen Ruhrgebiet übernimmt die TU Dortmund

Der Dortmunder IT-Dienstleister adesso hat einen Inkubator für Startups mit dem Namen inQventures gegründet. 

Der Bielefelder Werkzeugmaschinenkonzern DMG Mori hat das Startup Istos gegründet. Ziel ist es , durch vollständig vernetzte Produktionsprozesse die Kunden bei der digitalen Transformation zu unterstützen. 

Beim Wettbewerb Startup-Hochschulausgründung wurden gleich drei Startups der Ruhr-Universität Bochum  prämiert. 

Der Gütersloher Haushaltsgerätehersteller Miele hat eine Tocherfirma gegründet, deren Aufgabe es ist, sich an vielversprechenden Startups zu beteiligen. 

In dem Beitrag Innovation in der Peripherie erläutert Sebastian Borek, Mitgründer und CEO der Founders Foundation in Bielefeld, warum innovative Startups aus den Bereichen IoT, Deep Tech und Industrie in Ostwestfalen so zahlreich sind. 

Freitag, 10. März 2017

Westfälische Adelsgeschichte in der französischen Zeit (Wolfgang Bockhorst)

Westfalen ist im Alten Reich mit seinen Fürstbistümern und Reichsstiften und relativ wenigen weltlichen Grafschaften überwiegend katholisch geprägt gewesen. In den geistlichen Wahlstaaten dominierte der alteingesessene Adel, der die Dom- und Stiftskapitel stellte und als Ritterschaft auf den Landtagen vertreten war. Die Säkularisation und der Einfluss Frankreichs zerstörten die Grundlagen, auf denen die Macht des stiftsfähigen Adels basierte. Der Adel musste sich neu orientieren. An verschiedenen Beispielen wird gezeigt, wie sich einzelne Adelige in dieser Umbruchzeit arrangierten. Die Palette reicht von Anbiederung über vorsichtige Annäherung und abwartender Haltung zu strikter Ablehnung. Allgemein war die Erkenntnis vorhanden, dass die alte Stellung unwiederbringlich verloren war. Dem widerspricht nicht, dass man sich nach 1815 nach Kräften bemühte, die Stellung als Leitstand wieder zu erwerben.

Der große Graben: Erste befestigte Flachlandsiedlung der Eisenzeit in Westfalen

Sonntag, 5. März 2017

Westfalen News #43

Von Ralf Keuper

Nachfolgend eine Aufstellung einiger Beiträge aus und über Westfalen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind: